<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461</id><updated>2011-09-03T02:30:27.872+06:00</updated><title type='text'>Aus dem Königreich der Khmer</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>27</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-1577374740534753683</id><published>2009-03-02T19:24:00.005+06:00</published><updated>2009-10-17T01:55:38.895+06:00</updated><title type='text'>Wer auf dem Tiger reitet, kann nicht einfach absteigen</title><content type='html'>März 2009.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wer auf dem Tiger reitet, kann nicht einfach absteigen.&lt;br /&gt;Abschied und Ausblick.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SavhVKEYIII/AAAAAAAABQg/gzmHdueFpjw/s1600-h/Mar09AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 400px; height: 300px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SavhVKEYIII/AAAAAAAABQg/gzmHdueFpjw/s400/Mar09AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5308584339382476930" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich sitze auf gepackten Koffern und eingetüteten Erinnerungen. Au weia, wie schaffe ich all das Gepretze heim. Vier Umzugskisten eilen mir schon voraus, aber dieses Zeugs hier muss mit mir in den Flieger, komme, was wolle. Dabei konnte ich dank modernster Technik vieles auf Festplatten und Chips verladen, die Fotos zum Beispiel und die Texte, die den Rahmen der Tagebücher sprengten. So wertvoll war der Computer noch nie, und seit seiner kurzen chinesischen Krankheit (er hatte eine nicht auffüllbare Gedächtnislücke) hat er mich nie im Stich gelassen. Auf ihn will ich mich gern weiter verlassen.  &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich werde viele meiner Erinnerungen, meiner Wünsche für dieses Land, meiner Hoffnungen, schriftlich verarbeiten. "Echt, schreibste was drüber?", wurde ich gefragt. Jawohl, ich sitze an etwas, das vielleicht ein Roman werden will. Es hat den Arbeitstitel "Das Wundmal" und ist noch lange nicht fertig. Aber, wie es so schön auf chinesisch heißt, wer auf dem Tiger sitzt, kann nicht einfach absteigen. Ich will ja auch noch gar nicht runter, sondern in vollem Galopp nach vorn. Das erste Kapitel kann schon gelesen werden - und eines Tages vielleicht sogar die ganze Geschichte. Mag sein, dass ich vorher noch einmal zurückgekehrt sein werde nach Kambodscha, weil mir ein klitzekleines Stückchen fehlt zum Fertigschreiben. Dann kann ich einige von euch wiedertreffen. Maybe, maybe not. Wer kann das jetzt schon sagen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Und so liest sich das vorläufig einzige Kapitel:&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Der Traum &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Er wartet auf den Schmerz. Er liegt ausgestreckt auf dem Bauch, den Kopf nach links gedreht. Durch die weit geöffnete Tür weht endlich die Brise, auf die er den ganzen Tag gehofft hat. Bald wird es regnen. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Auch wenn er die Augen fest geschlossen hat, kann er doch seinen Freund sehen, der sich über ihn beugt. Er blickt in dieses Gesicht, das er so lange kennt und in dem sich die Anspannung der letzten Tage gesammelt hat. "Halt still", sagt der Freund, "gleich tut es weh." Er hält den Atem an und spürt den Stich auf der linken Schulter. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Tätowiernadel dringt kaum einen Millimeter in sein Fleisch, gebremst von einer Schnur, die um Nadel und Tätowierinstrument gewunden ist, vollgesaugt mit schwarzer Tinte. Die Nadel wird sofort ein wenig herausgezogen. Farbe fließt unter seine Haut und breitet sich aus, ein schwarzer Fleck zunächst, dann sinkt sie tiefer und füllt schließlich seinen Körper aus. Er zerfließt in dieser Tinte.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;"Sie kommen". Die Stimme seines Freundes ist rauh. Jetzt sieht er sie auch. Obwohl der Raum nur von einer Kerze erleuchtet wird, erkennt er sie in der Tür. Sie tragen schwarze Hosen und Jacken, dunkle Ballonmützen und um den Hals geschlungen rot-weiß karierte Tücher. Sie treten langsam näher. Niemand spricht.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Dann fällt der Schuss. Er kann sich nicht bewegen. Der Körper des Freundes wiegt schwer auf seinen Schultern. Er spürt den Fußtritt in die Seite. Die Kerze erlischt. Die Tinte breitet sich im gesamten Raum bis zur Decke aus. &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Auf Wiedersehen, Kambodscha. Ich hatte es nicht immer leicht mit dir, aber ich werde dich nie vergessen. Du bist tief eingraviert in mein Gedächtnis, mit all deinen lustigen und traurigen Geschichten, voller Lachen und voller Tränen. Ich gehe fort von dir. Doch ein kleiner Teil von mir wird immer bei deinen Menschen, deinen Zuckerpalmen und deinen Reisfeldern bleiben.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 2. März 2009.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-1577374740534753683?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/1577374740534753683'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/1577374740534753683'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2009/03/wer-auf-dem-tiger-reitet-kann-nicht.html' title='Wer auf dem Tiger reitet, kann nicht einfach absteigen'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SavhVKEYIII/AAAAAAAABQg/gzmHdueFpjw/s72-c/Mar09AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-7793352444443075199</id><published>2009-02-10T19:59:00.002+06:00</published><updated>2009-10-17T01:56:31.327+06:00</updated><title type='text'>Der sechste Zeh</title><content type='html'>Februar 2009.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der sechste Zeh.&lt;br /&gt;Wenn die Ohrstöpsel ihren Dienst versagen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SZXTAdI7K6I/AAAAAAAABPY/RA2DNOJKbuk/s1600-h/Feb09AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 300px; height: 400px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SZXTAdI7K6I/AAAAAAAABPY/RA2DNOJKbuk/s400/Feb09AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5302376141074148258" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Letztens bin ich auf meine Phnom Penhesische Berichterstattung angesprochen worden. Da wollte jemand bemerkt haben, dass meinen Produkten ein durchweg nörgeliger Unterton anhafte. Sehr apodiktisch lautete die Bemerkung: "Irgendwie hast du in Kambodscha dauernd an allem etwas auszusetzen." Kann das sein? Bin ich hier verkommen zu einer Pausenlos-Meckerliese? Und merke das nicht einmal? Oder merke es erst nach Hinweis und in den letzten Aufenthaltstagen? Ich gehe in mich. Tatsächlich, die Kritik ist so unrichtig nicht: Meinem Geschreibsel fehlt es an Begeisterung und an Schwung. Und dafür gibt es Gründe. Zum einen erlahmt mich das Klima, zum anderen bin ich permanent unausgeschlafen; zwei Jahre extrem verkürzter Nachtruhe hinterlassen sichtbare (für andere erkennbare) und unsichtbare (nur für mich fühlbare) Spuren, das Schlafdefizit als Grauschleier über Wahrnehmung und Epidermis – ich fühle mich oft einfach nur sehr, sehr müde. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Dabei habe ich seit über einem Jahr eine zauberhafte Wohnung, überschaubar und praktisch. Das Wohn- und das Schlafzimmer gehen ineinander über, von keiner Tür getrennt, in der Mitte die kleine Küche. Fenster habe ich zu allen vier Seiten. So kann die Sonne zu jeder Tageszeit hereinscheinen, und wenn es weht in Phnom Penh, dann mach' ich Durchzug und find's ganz wunderbar. Bis vor kurzem reichte des Nachbarn Baum fast bis an mein Bett heran; das gab Schatten, und morgens wurde ich von Vogelgezwitscher erfreut. Nun ist der Baum schon lange abgehackt, denn der Nachbar hat gebaut. Ein Blick aus den Fenstern offenbart es: Menschliche Behausungen stoßen hier Backstein an Backstein, Mauer an Mauer und Stacheldraht an Stacheldraht. Das nervt, mich jedenfalls.&lt;br /&gt;&lt;p&gt; &lt;br /&gt;Welche Folgen dieses Konzept des "enger Wohnens" hat, war mir beim Einzug in das vermeintliche Paradies nicht klar, und jetzt bin ich zu lethargisch, um ihnen zu entfliehen: Wenn es in der Nachbarschaft lärmt, habe ich kein Rückzugsgebiet, dann sitze ich mittendrin. Und es lärmt häufig. Nur die Mücken scheinen sich anders als bei uns völlig ohne Fluggeräusche zu bewegen - nichts kündigt ihre blutigen Attacken an. Doch wenigstens nachts bin ich vor ihnen unter meinem Moskitonetz geschützt, das leider-leider keinen Akustik-Filter hat. Meine Ohrstöpsel aus der Pestalozzi-Apotheke und das Beste ihrer Art sind gegen kambodschanisches Getöne genauso machtlos. Was da so alles an meinen Nerven sägt, in vielen lauen Tropennächten und während aller Wochenenden, die ich daheim verbringe, ist für mein ruhebedürftiges mitteleuropäisches Gemüt beträchtlich. Ganz am Rande sei bemerkt, dass ein Nachbarkind (von Expats) ein Klavier (ein Klavier!) bekommen hat. Selbstverständlich steht das irgendwo in der Nähe der geöffneten Fenster und wird an allen Wochenenden (wahrscheinlich auch wochentags, aber das entzieht sich meiner akustischen Wahrnehmung) mit Begeisterung benutzt. Eloise, mir graut vor dir! Das Klavier hätte auch gleich neben meinem Frühstücksei stehen können, der Effekt ist der gleiche. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die regelmäßig anwesende Geräuschkulisse speist sich u.a. aus den folgenden Elementen (abhängig von Tageszeit und buddhistischem Festtagskalender, insofern nicht immer schlafstörend): &lt;br /&gt;- rotzende Nachbarn bei der Morgentoilette auf der Dachterrasse nebenan,&lt;br /&gt;- Generatoren und Klimaanlagen,&lt;br /&gt;- rollige Katzen mit und ohne Begleitung,&lt;br /&gt;- Zikaden und Geckos und Springbrunnen,&lt;br /&gt;- plantschende Kinder am Swimmingpool,&lt;br /&gt;- Wachpersonal beim nächtlichen Kartenspiel (man spielt um Geld),&lt;br /&gt;- Mönchsgesänge über Lautsprecheranlage,&lt;br /&gt;- Baustellen-Leben (Bohrmaschinen und Vorschlaghammer),&lt;br /&gt;- gemüseputzende Hausmädchen auf den Nachbarveranden,&lt;br /&gt;- Lumpensammler (mit kleinen Tröten) &lt;br /&gt;- Eisverkäufer (mit Melodien vom Band),&lt;br /&gt;- Hochzeits- und Trauerfeier-Kapellen sowie Discobässe.&lt;br /&gt;Während manche in der Nachbarschaft schon aus dem Bett hüpfen, bevor die Sonne sichtbar ist, gehen andere dann erst schlafen. Wie beim richtigen Berliner Sommer, bloß übers ganze Jahr verteilt.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Anfang des Monats machte ich eine Landparty. Ich verbrachte eine wunderbare Woche in Siem Reap in einem gemütlichen Holzhaus, außerhalb der Stadt – und ich konnte wieder nicht gut schlafen. Ganz offensichtlich war mein Schlafzimmer umzingelt von einer Bande geschwätziger, nachtaktiver Hähne und albtraumgeplagter Hunde, die entweder nicht ruhen wollten oder nicht konnten und mir gemeinerweise auch keine Verschnaufpause gönnten. Nun passieren einem ja ganz merkwürdige Dinge, wenn der Körper sich über längere Zeit nicht in ausreichende Ruhestellung begeben kann. Zum Glück habe ich den Kamm noch nicht in die Butter gelegt, und der Büroschlüssel fand seinen Weg noch nicht in den Kühlschrank. Aber ich kann mich auf nichts mehr richtig konzentrieren, denn dauernd fallen mir unaufgefordert Dinge ein, von deren grundsätzlicher, früherer oder gegenwärtiger Existenz ich zunächst absolut überzeugt bin - doch bald plagen mich Zweifel: Erinnere ich mich nun korrekt, wie hieß der Dings doch gerade, oder ist das alles ohnehin Mumpitz? Und schließlich beschäftigt mich nur das; völlig außen vor bleibt die Frage: Müssen wir das jetzt eigentlich wissen? Wen interessiert das wirklich? Um das einschätzen zu können, bin ich nicht wach genug und lasse es einfach bleiben. So war das eben mit dem sechsten Zeh und den fünf Köpfen. Die Erinnerung geht so: Es gibt bei den Khmer-Tempeln von Angkor ein Pferd mit fünf Köpfen und eine Apsara mit sechs Zehen. Es gibt sie, weil ich sie bei meinem ersten Besuch dort im Jahr 2001 gesehen haben will. Habe ich oder habe ich nicht?  Als ich die Apsara mit dem ungewöhnlich bestückten Fuß finde, bin ich erleichtert. Hier hat die Erinnerung bei unausgeschlafenem Verstand doch noch funktioniert. Schnell wird der sechste Zeh, den kein Reiseführer erwähnt, fotografiert, als Gedächtnisunterstützung für eine spätere Grübelei. Aber werde ich wissen, wo ich das Foto hingepackt habe ...&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Kambodschaner haben diese allen Asiaten eigene wunderbare Fähigkeit - sie können überall in tiefen Schlaf versinken. Da strecken sich die Mopedfahrer lang auf ihrem Fahrzeug aus und können ihre Plastklatschen sogar noch im Traum jonglieren. Da lehnen die Bauarbeiter an der soeben hoch gezogenen Mauer und dösen, und meine Rechnungsprüferkolleg/innen lassen einfach den Kopf auf die Tischplatte sinken. Die Glücklichen! Immerhin – nicht für alles Akustische wünsche ich mir eine beschützende Taubheit. Meine liebsten Geräusche werde ich nicht mehr hören können in den nächsten Wochen, doch mögen sie mich als Erinnerung in Schlaf und Traum begleiten, wenn ich mich wieder in der Nähe der Pestalozzi-Apotheke betten werde: das Dauer-Trommeln des Monsunregens auf dem Dach und das Grummeln des Donners in der Ferne.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 10. Februar 2009.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-7793352444443075199?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/7793352444443075199'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/7793352444443075199'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2009/02/der-sechste-zeh.html' title='Der sechste Zeh'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SZXTAdI7K6I/AAAAAAAABPY/RA2DNOJKbuk/s72-c/Feb09AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-8340304094401147938</id><published>2009-01-10T20:12:00.003+06:00</published><updated>2009-10-17T01:58:31.661+06:00</updated><title type='text'>Intensitätsmodulation zum Jahresbeginn</title><content type='html'>Januar 2009.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Intensitätsmodulation zum Jahresbeginn.&lt;br /&gt;Mein letztes Vierteljahr ist eingeläutet.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SWjLyAPPNJI/AAAAAAAABGM/qqk3rp3E2PA/s1600-h/Jan09AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 300px; height: 400px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SWjLyAPPNJI/AAAAAAAABGM/qqk3rp3E2PA/s400/Jan09AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5289701822264456338" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Als in Phnom Penh der Silvesterabend begann, regnete es in Strömen und hörte erst Stunden später am 1. Januar auf, der hier "International New Year's Day" genannt und nicht sehr ernst genommen wird. Denn das "echte" neue Jahr beginnt ja mit dem Khmer-Neujahrsfest, auf das ich nicht mehr warten kann - im April werde ich bereits wieder in Deutschland sein. Wir betrachten von meiner Wohnungstür aus das Neujahrsfeuerwerk, dem seine Nationalität ziemlich schnuppe ist, und wünschen uns einfach nur, dass es bald aufhören möchte zu regnen. Die bunten Lichtergarben funkeln über dem Hun Sen Park, dem nassen Element zum Trotz.    &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich werde nicht Zeit haben für großartige Verhaltensänderungen in Phnom Penh, und gute Vorsätze überlasse ich eh lieber anderen. Dennoch will ich mir ab sofort mehr Zeit lassen bei den kleinen und nur bei oberflächlicher Betrachtung unbedeutenden Beschäftigungen in meiner Heimatstadt auf Zeit. Viel zu häufig bin ich, wie aus Berlin gewohnt, zur Arbeit geeilt und habe mir keine Muße zugestanden, die ich mir gegönnt hätte, wäre ich als Touristin hier. Aber was anderes als Touristin bin ich, mit einem Mehrmonatsvisum zwar, aber letztlich immer mit dem Blick einer Fremden und von außen auf dieses Land und seine Menschen? Das werde ich in den nächsten Wochen kaum ändern können, nur ruhiger mag ich es angehen, um den Abschied schon vorzubereiten, der unausweichlich ist und der zugleich, wenn ich es schlau anfange, den Willkommensgruß der Zukunft vorbereiten kann. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich werde ...  &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;... mir mehr Zeit nehmen für die Enkelin meiner Zeitungshändlerin, die ich seit zwei Jahren kenne und die inzwischen allein laufen kann; die inzwischen keine Angst mehr vor mir, der Ausländerin, hat und stolz darauf ist, dass die Oma ihr jeden Morgen die Zeitung in die Pfötchen drückt, damit sie sie mir selbst überreichen kann; und die, wenn ich ihr das Geld gegeben habe und mich beim Davonhasten noch einmal kurz zu ihr umdrehe, um ihr zuzuwinken, die Scheine ein paar Augenblicke ganz fest an die schmale Brust gedrückt hält, bevor sie sie leicht widerstrebend der Oma aushändigt, denn es ist ja das erste Geld, das sie so jeden Tag verdient;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;... so viele Ausflüge mit meinem Tuk-Tuk-Fahrer Mr. Thi machen, wie ich in meine Wochenenden hineinquetschen kann, denn in wenigen Wochen wird er zum zweitenmal Papa und für eine Weile der Alleinverdiener der Familie sein und jeden Dollar brauchen, weil seine Frau nicht gleich nach der Geburt in ihrer Textilfabrik in Takmao wird arbeiten können (jedenfalls wünsche ich ihr das, wie ich ihrer Familie auch wünsche, dass alle gesund bleiben, da es keine Krankenversicherung gibt wie bei uns und sich der Zugriff auf ärztliche Versorgung – gleichermaßen hinsichtlich Quantität und Qualität - über das Portemonnaie regelt); &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;... früher die Tür meines kleinen Büros abschließen, damit ich die einzigartigen Sonnenuntergänge genießen kann, die den strahlend blauen Trockenzeit-Himmel in Lachsrosa- und Blutorange-Töne tauchen und die schon bald dem schwärzesten der schwarzen Firmamente weichen, das aber geschmückt ist von Tausenden perlchengroßer Sterne, wie wir die Nacht in unseren Hauptstädten nie sehen können, egal von welcher Dachterrasse aus; &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;... weiterhin über den Müllberg vor der Grundschule an der Kreuzung der Straßen  51 und 240 klettern, der sich ausbreitet direkt gegenüber vom Rechnungshof, und mir die Nase zuhalten, aber ohne mich wie üblicherweise zu echauffieren, was mir schwer fallen wird, besonders in der jetzt beginnenden Sonnenzeit, und ich werde es weiterhin nicht lernen, mich an der bizarren Vielfalt der Abfallhaufen auf Bürgersteigen in der Innenstadt, vor Haustüren der Hütten und Villen, in den anderen Aufgaben zugedachten Gullys und an einst romantisch grünen Uferböschungen zu erfreuen; &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;... öfters im Psaar Kab Koh, dem kleinen überdachten Markt in der Nähe meiner Wohnung, einkaufen gehen, was ich bisher nur am Wochenende mache, weil mir diese dunkle Welt aus Handel, Tratsch und Kinderspiel in ihrer Enge und Geruchsintensität zu anstrengend ist, weil es mich schon jetzt viel Überwindung und Kunstfertigkeit kostet, nur meine freundliche Marktfrau im Innern der Halle aufzusuchen und auf dem Weg dorthin nicht auf den Fischköpfen und abgeschnittenen Locken auszurutschen, obwohl sich dort kambodschanischer Dorfalltag in geballter Form abspielt, inklusive frei herumlaufender Hühner und unbeliebter Nagetiere, was ein ehrlicheres Bild der kambodschanischen Wirklichkeit abgibt als mein klimatisiertes Büro; &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;... die Hoffnung weiter nähren, dass das eine oder andere Gebäude aus der französischen Kolonialzeit überlebt und junge Kambodschaner/innen die zeitlose Schönheit mediterraner Architektur schätzen lernen lässt, obwohl die Chancen zugegebenermaßen gering sind und die Franzosenbauten täglich weniger werden, da die Gier eine stärkere Triebfeder menschlichen Handelns zu sein scheint als der Sinn für Ästhetik, wie wir gerade am Schicksal des Hotels Renakse (gegenüber vom Königspalast) erfahren müssen, dessen 100jährige Grazie wohl bald nur noch auf Fotos, meinen zum Beispiel, genossen werden kann, während die herrschende Partei, die das Hotel unter Missachtung des Pachtvertrages verkaufte, sich wie üblich ins Recht setzt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;... die Fischkonserven der Marke "The Lady Cooks" mit den Konterfeis von drei hübschen Damen auf der Banderole nicht mehr für eine besonders geschickte Wahlwerbung der Cambodian People's Party (CPP) halten¹, weil die CPP zwar als "ruling party" die Nationalversammlung dominieren und die Oppostion aus allen parlamentarischen Betätigungen ausschließen mag, aber den Lebensmittelhandel noch nicht beherrscht;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;... deshalb weiterhin die wunderbare kulinarische Vielfalt Phnom Penhs genießen und mir wünschen, dass meine Versuche in Toleranz (siehe oben) nicht vergebliche Übungen sind, dass es hier auch sonst weiter bunt bleibt, doch vielleicht weniger laut, und dass es weiter so lebendig ist, doch vielleicht etwas rücksichtsvoller im Umgang miteinander, wie es einer charmanten Rasse wie dem Khmervolk eigen sein sollte.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;__&lt;br /&gt;¹  Wer kein Dosenfutter mag und besonders keine Fischkonserven (was ich ja bei dem wunderbaren Angebot an Frischfisch in Kambodscha bestens verstehen kann), dem ist sicher noch nicht aufgefallen, wie sehr diese kleinen namengebenden Damen ("The Lady Cooks") in ihrer Anordnung auf der Verpackung dem Dreierführungsgespann der CPP (Hun Sen, Heng Samrin und Chea Sim) auf den letzten Wahlplakaten ähneln. Wer nur mit den drei Herren etwas anfangen kann, dem empfehle ich einen Ausflug ins nächste Lebensmittelgeschäft.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 9. Januar 2009.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-8340304094401147938?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/8340304094401147938'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/8340304094401147938'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2009/01/intensittsmodulation-zum-jahresbeginn.html' title='Intensitätsmodulation zum Jahresbeginn'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SWjLyAPPNJI/AAAAAAAABGM/qqk3rp3E2PA/s72-c/Jan09AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-3848000314269011754</id><published>2008-12-30T17:54:00.007+06:00</published><updated>2009-10-17T05:43:30.345+06:00</updated><title type='text'>Südostasiatische Weihnachten</title><content type='html'>&lt;span&gt;Dezember 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Südostasiatische Weihnachten.&lt;br /&gt;Zeit zum Nachdenken unter Palmen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SVompZGfdFI/AAAAAAAABF0/WACHfMowlrw/s1600-h/Dez08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor: pointer; width: 400px; height: 300px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SVompZGfdFI/AAAAAAAABF0/WACHfMowlrw/s400/Dez08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5285579605227304018" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;An manchen Abenden habe ich mir einfach die Happy Hour verdient. Zwei leckere Cocktails zum Preis von einem und dazu die fettesten Erdnüsse der Stadt (gezuckert und gesalzen, eine kambodschanische Spezialität), alles im "Tamarind", meinem Lieblingsrestaurant mit Dachterrasse, nur fünf Minuten Fußweg vom Büro entfernt. Im Dezember munden die Cocktails besonders gut, wenn ich nicht an Stuhl und Glas festklebe und eine leichte Brise die Mücken daran hindert, sich auf meiner Achilles-Ferse niederzulassen und mich blutleer zu saugen. Wunderbar, dass ich mich so normal fühlen kann bei nur 27 Grad. Es ist ja Weihnachten, und ich muss nicht feiern. Angeblich beginnt jetzt auch diese merkwürdige "Zeit zwischen den Jahren", eine Art temporären Niemandslandes - eingeklemmt zwischen Gänsebraten und Neujahrskrapfen, wenn man in Deutschland ist - sanft verstreichend zwischen der ersten und der letzten Margarita, wenn man im "Tamarind" sitzt. Nachdenken über die fröhlichste Zeit im Jahr. Man kann ihr nicht einmal hier entgehen: Erinnerungen an den Weihnachtsmann laufen auch im "Tamarind" herum; die roten Bommelmützen kosten auf dem Markt 1 US$ und werden von allen Kellnern, Ladenmädchen und Kindern im Grundschulalter mit mehr oder weniger Begeisterung über die Ohren gestülpt.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Was denken wohl KambodschanerInnen über Weihnachten? Ich forsche nach. Das ist nicht schwer, denn inzwischen gebe ich meinen Rechnungsprüferkollegen Englischunterricht, damit sie auch mal etwas Vernünftiges lernen. Mein Mini-Kurs besteht aus vier erstaunlich lernwilligen jungen Männern, die kichern wie kleine Mädchen, wenn ich sie darauf hinweise, dass sie schon wieder einmal vergessen haben, das Endungs-S auszusprechen. Das passiert alle naselang. Das Verschlucken der Ende-Konsonanten - es betrifft ja nicht nur das merkwürdig stummgehaltende S, sondern auch alle anderen  - ist tatsächlich komisch. Wo das wohl herkommt? Keiner meiner Prüfer hat französisch gelernt. Als Erklärung wird mir angeboten: Khmer-Wörter enden zwar auch manchmal mit einem S, das spricht man aber so gut wie nie aus. Naturgemäß behandelt man andere Sprachen genau so, selbst wenn's falsch ist und selbst wenn man's besser weiß, wohl aus Gewohnheit. Trotz alledem heißt es auf englisch korrekterweise: "My father owns many cars" und nicht "My father own many car." Und eigentlich wollen meine Prüfer ja auch richtig englisch sprechen lernen. Also üben wir sehr lange mit allen möglichen Pluralbildungen. Der Saison angemessen gebe ich das Thema vor: "We have a lot of artificial Christmas trees in Phnom Penh." Im Gegensatz zu der Bemerkung über den Vater mit den vielen Autos kann ich mich für die Richtigkeit der Kunst-Weihnachtsbaum-Anzahl in Phnom Penh verbürgen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Nebenbei kommt heraus: Meine jungen Kollegen finden Weihnachten prima, auch wenn nicht klar ist, warum man das eigentlich feiert. Ist da nun ein Gott geboren, mit weißem Bart und rotem Mantel? Betet man den Weihnachtsgeist im Tannenbaum an? Ist ja auch egal, denn schließlich hat es mit Spaß zu tun. Den haben Kambodschaner gern. Einer schreibt in seinem Pflichtaufsatz für meinen Englischunterricht: "I am Cambodian and I always enjoy Christmas day too. On that day I had a small party with my old friends and I bought something for my family and I say: 'Happy Merry Christmas and Happy New Year'. Moreover, I sent text message or an email with blessing to all my friends who are staying far away from me. So I think that Christmas is the happy day for Cambodian people." Da frage ich mich doch sofort: Warum bin ich bloß so ein Weihnachtsmuffel, wenn doch hier offensichtlich alle Happy Merry Christmas mit Freude feiern? Ein anderer Kollege freut sich in seinem Aufsatz darüber, dass es nicht nur zu Weihnachten Geschenke gibt, sondern auch am Valentinstag im Februar. Alle stimmen überein: "Holiday makes you happy." Um so mehr, wenn "a lot of artificial Christmas trees are plant everywhere in Phnom Penh".&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Von einem meiner "Tamarind"-Abende trete ich beschwingt den Heimweg an und sehe unweit von meinem Lieblingsrestaurant über der Residenz des amerikanischen Botschafters eine riesige Leuchtschrift schweben: "Merry Christmas". Ich mache ein schnelles Foto. Aber das war für den Wachmann in seiner Loge neben dem Tor nicht schnell genug – er hat mich beobachtet, und jetzt will er meinen Ausweis sehen – jawohl, Passkontrolle vor Weihnachtsreklame. Der Wachmann ist ein ernsthafter Kambodschaner ("no nonsense"), für den mein Weihnachtsdeko-Foto ein Sicherheitsproblem für die amerikanische Präsenz in Kambodscha darstellt. Ich bin absolut unkooperativ. Mal sehen, was passiert. Drei Margaritas fließen durch meinen abendlichen Kreislauf, bei optimaler Außentemperatur von (geschätzten) 26 Grad. Mir kann keiner ...&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Gibt es ein Gesetz in Kambodscha, das das Fotografieren über Gartenzäune verbietet? Nein, und wenn schon. Ich bin sicher, dass der Wachmann das genau so wenig weiß wie er die Existenz oder Nichtexistenz einer Rechtsverordnung zur Regelung von Lebensmittelfarben in schwarzen Bohnen kennt. Aber er ist kein gewöhnlicher Wachmann – er steht vor der Residenz des amerikanischen Botschafters und hat viel Lametta auf der Uniformbrust. Das sehe ich sogar bei der spärlichen Straßenbeleuchtung. Und er ist nicht allein: In Rufweite stehen zwei ebenfalls lamettierte Herren, die sich an der Tür eines Wagens festhalten. Mein Wachmann wiederholt seine an mich gerichtete Aufforderung - aber ich will mich nur beugen, wenn ich von seinem amerikanischen Vorgesetzten eine Begründung für die Passkontrolle erhalten habe. Soviel Impertinenz ist der Wachmann nicht gewohnt und muss sich erst mit seinen beiden Kollegen besprechen. Jetzt lehnen sie zu dritt am Auto und telefonieren, jeder auf seinem Handy. Mit wem wohl? Der Wachmann kehrt zu mir zurück: Ich solle sagen, bei wem ich in Phnom Penh arbeitete. "Gern", erwidere ich - beim Rechnungshofpräsidenten, Seiner Exzellenz Uth Chhorn. Der gute Mann fragt zurück: "Uth Jaan?" "Uth Chhorn", verbessere ich sanft. Dann redet er mit wem auch immer auf Khmer über einen gewissen Uth Jaan. Schließlich ist das Telefonat beendet. Der Wachmann sagt zu mir, plötzlich mit dem üblichen Khmerlächeln übers ganze Gesicht: "Alles okay, Sie können gehen. Mein Boss sagt, er kennt Sie und Uth Jaan." Erstaunlich, denke ich - wer ist Uth Jaan?&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die ganze Albernheit dauert eine gute halbe Stunde. Zu Hause gucke ich mir das Foto an, digital macht es möglich. Auf dem Foto ist ein buntes Lichtermeer zu sehen, nicht mehr. Wenn das der Weihnachtsmann wüsste ... Oder Uth Jaan ...&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 30. Dezember 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-3848000314269011754?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/3848000314269011754'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/3848000314269011754'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2008/12/sdostasiatische-weihnachten.html' title='Südostasiatische Weihnachten'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SVompZGfdFI/AAAAAAAABF0/WACHfMowlrw/s72-c/Dez08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-4077444574957332884</id><published>2008-11-25T20:39:00.003+06:00</published><updated>2009-10-17T01:59:49.712+06:00</updated><title type='text'>Mein chinesisches Kambodscha</title><content type='html'>&lt;span&gt;November 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Mein chinesisches Kambodscha.&lt;br /&gt;Das Fremde im Vertrauten und das Vertraute im Fremden.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://4.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SVonPS_mgGI/AAAAAAAABF8/PXkYe_p4xn8/s1600-h/Nov08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor: pointer; width: 300px; height: 400px;" src="http://4.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SVonPS_mgGI/AAAAAAAABF8/PXkYe_p4xn8/s400/Nov08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5285580256422821986" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Es war nicht geplant, sondern ergab sich eher zufällig: Den halben Monat November verbrachte ich in China, auf zwei kleinen wunderbaren Reisen nach Shanghai und nach Hong Kong. Wieder zurück in meiner kambodschanischen Welt aus Zuckerpalmen, Reisfeldern und Hummer-Jeeps entdecke ich plötzlich ein Land voller Attribute aus dem Reich der Mitte. Gehört Kambodscha inzwischen zur großen chinesischen Diaspora-Familie? Und weiß es bloß noch nicht?&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Am Independence Monument stehen Mitte November nur noch die riesigen leeren Rahmen, die dort zu des Königs Vaters Geburtstag am 31. Oktober aufgebaut waren und einen überlebensgroßen Sihanouk in landesväterlicher Pose zeigten. Nun sind diese Bildnisse verschwunden. Ist Raum geschaffen für neue Herrscherportraits? Es macht mich nachdenklich, als ich die chinesischen Flaggen betrachte, die beschützend über den Rahmen flattern. Zeichen für eine neue Ära?&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Angeblich sind nur 1% der kambodschanischen Bevölkerung von 14 ½ Mio. ethnische Chinesen (sog. Sino-Khmer). Dafür ist ihr überall sichtlicher Einfluss bemerkenswert. Die Beziehungen zwischen dem Königreich der Wasserschlangen und dem Kaiserreich der Mitte sind alt. Von Zhōu Dá Guān 周达观, der das Land im Auftrag seines Kaisers um 1296 n.Chr. bereiste, habe ich schon berichtet. Und er war bei weitem nicht der erste Besucher. Seit Jahrhunderten wanderten Chinesen aus ihren unterschiedlichen Heimatprovinzen nach Kambodscha ein. Alle kamen sie, um sich kürzer oder länger hier aufzuhalten, weil sie damit der Armut entflohen, weil sie politisch verfolgt waren, aus der unfriedlichen Heimat flüchten mussten oder einfach nur Handel treiben wollten.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Aus meinen schlauen Büchern und aus diversen Gesprächen mit Kambodschanern weiß ich einiges über diese chinesischen Volksgruppen, die Teochiu (cháozhōu -- 潮洲), die Kantonesen (guăngdōng -- 广东), die Hokkien (fújiàn -- 福建), die Hakka  (kèjiā -- 客家) und die Chinesen von der Insel Hainan (hăinán -- 海南). Manche sind "khmerisiert", andere haben trotz Zeitablauf und Verfolgung ihre Sprache und Kultur aufrechterhalten. Wenn man wie ich regelmäßig "beim Chinesen" speist, könnte man in Phnom Penh denken, man sei in China, so viel Chinesisch wird in diesen Lokalitäten gesprochen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In diesem Jahr wurde chinesisch bescheiden und ohne allzu großen Trommelwirbel das 50jährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen gefeiert. Man hatte es ja nicht immer einfach miteinander. Erinnert sei an die Widersprüchlichkeiten der jüngsten Geschichte, als die Volksrepublik die Roten Khmer mit Waffen, Geld und Militärberatern unterstützte, während Sino-Khmer in der kambodschanischen Heimat wegen ihrer Sprache (es war verboten, andere Sprachen als Khmer zu sprechen), ihrer Bildung (jede/r mit höherem Schulabschluss war suspekt) oder ihrer "falschen" Klassenzugehörigkeit (auch der kleinste Händler war ein Kapitalist) "liquidiert" wurden. Chinesische Schulen waren von 1970 bis Anfang der 1990er Jahre überall geschlossen, jetzt hat allein die Duān Huá Schule 端华学校 (gegründet 1907) wieder 10.000 Schüler.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In einem französischen Stadtplan aus den 1930er Jahren fand ich die verschiedenen Quartiere von Phnom Penh verzeichnet, in denen die Einwohner getrennt nach ethnischer Zugehörigkeit lebten: die Franzosen, die Khmer (Kambodschaner), die Annamiten (Vietnamesen) und die Chinesen. Letztere wohnten in den Straßen am Phsar Thmei, dem von den Franzosen 1936 erbauten zentralen Markt. Ein Chinatown, wie es andere Städte weltweit kennen, hat Phnom Penh heute jedoch nicht mehr. Chinesisches findet sich überall, als Teil des kambodschanischen Alltags. Manchen Kambodschanern ist das zuviel, wie sie mir sagen - genau so zuviel wie die Präsenz von ethnischen Vietnamesen im Land und die Bedrohung durch thailändisches Militär an der Nordgrenze. Hinter ihrem freundlichen Lächeln verbergen sie ein gerüttelt Maß an Fremdenfeindlichkeit, und zwischen Arroganz und Unterwürfigkeit gegenüber mir "Barang" (westlicher Ausländer) versteckt sich viel Unwissen: So lässt sich am Schnitt ihrer Augen und der Farbe ihrer Haut erkennen, dass ihr Erbgut mehr enthält als "reine" Khmer-Gene (was immer das sein mag).&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;An vielen Geschäften in Phnom Penh, aber auch in den anderen Städten, steht der Name zwei-, manchmal sogar dreisprachig: in der kambodschanischen Nudelschrift, den chinesischen Schriftzeichen und auf englisch, manchmal sogar noch auf französisch. Der rot beleuchtete Hausaltar für die Dao-Götter des Reichtums und des langen Lebens hat seinen Platz nicht nur im China-Restaurant oder im Salon für chinesische Fußmassage, sondern in jedem Hotel, jedem Geschäft und fast in jedem städtischen Haushalt. Es gibt sogar Läden, die auschließlich diese Altäre verkaufen und offenbar davon leben können, während draußen selbstverständlicherweise ein Geisterhäuschen der Naturgottheiten für Schutz  sorgt.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In Phnom Penh erscheinen drei Tageszeitungen in chinesischer Sprache, teilweise in komplizierten Langzeichen, wie noch in Taiwan gebräuchlich, teilweise in Kurzzeichen mit weniger Strichen, die Mao Zedong in der Volksrepublik in den 1950er Jahren eingeführt hat. Ein chinesischer Freund, der als Journalist für eine dieser Zeitungen arbeitet, sagte mir, dass ohne die chinesischen Wirtschaftsbosse in Kambodscha nichts funktionieren würde. Das ist vielleicht etwas übertrieben. Sicher ist, dass die chinesische Präsenz in der kambodschanischen Wirtschaft, so wenig sichtbar sie auch dem ungeübten Auge sein mag, den Staat stützt, mit oder ohne Anti-Korruptionsgesetz (das seit vierzehn Jahren als Entwurf in der Schublade überlebt und angeblich bis zum Ende der jetztigen Legislaturperiode 2013 verabschiedet sein soll), und den chinesischen Einfluss in der Region stärkt (milde ausgedrückt).&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die beiden größten Schreibwarenläden, von Sino-Khmer geführt, verkaufen auch Bücher, und natürlich gehört dazu eine Abteilung mit chinesischer Literatur, Koch- und Schulbüchern und den neuerdings in China sehr populären Ratgebern für alle Lebenslagen, insbesondere für Selbständige ("Wie spare ich Steuern, wie werbe ich effektiv und kostengünstig, wie vermeide ich hohe Gehälter und versichere mich dennoch totaler Loyalität und Dankbarkeit meiner Angestellten und ihrer Familien?"). Dass gerade einer der Buchläden eine riesige Filiale gegenüber dem Parlament eröffnet hat, finde ich bemerkenswert. Mir wurde zugetragen, dass Abgeordnete gar nicht lesen könnten. Das kann wohl nicht richtig sein, denn chinesische Geschäftsleute rechnen vor jeder Investition. Und das tut auch der chinesische Staat. Während die internationale (westliche) Gebergemeinschaft sich darauf verstieg, dem kambodschanischen Staat für 2009 fast 1 Milliarde US$ an Entwicklungshilfe zuzusagen (das Geschenk des neuen US-Präsidenten steht noch aus), versprach China zwar 215 Mio. US$, allerdings den Löwenanteil (207,7 Mio. US$) als Darlehen für Infrastrukturprojekte, die von chinesischen Firmen durchgeführt werden.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ein Infrastrukturprojekt ganz eigener Art ist das chinesische Sarggeschäft am Sisowath Quai, das man nicht verfehlen kann, denn häufig steht ein bunt bemalter Sargwagen davor. Hier gibt es kunstvoll verzierte und einfach gedrechselte Holzsärge für die Ewigkeit. Während die meisten Kambodschaner Anhänger des Theravada-Buddhismus sind und ihre Toten in der Pagode einäschern lassen, wo die Asche in Urnen aufbewahrt wird, sind chinesischstämmige Kambodschaner in der Regel Mahayana-Buddhisten, die Erdbegräbnisse vorziehen: Sie wollen im Stück vor ihrem Totengott Yama erscheinen. Chinesische Friedhöfe sind leicht an ihren Grabhügeln und bunt geschmückten Gräbern zu erkennen. Ich habe in diesem Jahr am 4. April, zum Totenfest Qíng Míng 清明节, einen Ausflug dorthin gemacht. Die Familien, ausgerüstet mit Speis und Trank für sich und die Ahnen, verschönerten am einen Ende die Grabhügel mit bunten Papierfähnchen, während in gebührlicher Entfernung am anderen Ende eine Schar klapperiger weißer Kühe bereits dabei war, die Papierfähnchen abzuräumen, "durch sieben Mägen sollst du geh'n". Man ließ sie. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Viele der chinesischen Feiertage, die im Ursprungsland an Bedeutung verloren haben oder schon ganz vergessen sind, haben hier noch glühende Anhänger. Im Januar wird in Kambodscha nicht nur das Neujahrsfest mit Löwentänzen und Feuerwerk aufwarten - da wird auch an den Küchengott (灶神 Zào Shén) gedacht. Mit dem muss man sich gut stellen. Denn der wacht ein ganzes Jahr lang über das familiäre Wohlergehen. Bevor das (chinesische) Jahr vorüber ist, wird er seinen Platz am Herd verlassen und dem Jadekaiser im Himmel berichten, was in der Familie vorgefallen ist. Er ist also eine echte Petze, und es hängt an ihm und seiner Berichterstattung, ob der Jadekaiser Gaben oder Strafe mit ihm zurück zur Erde schickt. Was liegt da näher, als ihm den Mund zu verschließen, vorsichtshalber. Das macht man am besten mit Naschwerk: je süßer und klebriger, um so besser. Vor lauter Karamell, das man ihm am 23. Tag des 12. Mondmonats auf seinem Herdaltar opfert, bekommt der Küchengott beim Jadekaiser die Zähne nicht mehr auseinander - und kann nichts ausplaudern. Das zeigt uns eine ziemlich unverschnörkelte Familien-Selbsteinschätzung - und dafür sind Chinesen ja hier und anderswo (mal abgesehen von ihrer Abergläubigkeit) bekannt.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 25. Dezember 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-4077444574957332884?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/4077444574957332884'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/4077444574957332884'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2008/11/mein-chinesisches-kambodscha.html' title='Mein chinesisches Kambodscha'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SVonPS_mgGI/AAAAAAAABF8/PXkYe_p4xn8/s72-c/Nov08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-646496187372463294</id><published>2008-10-30T18:39:00.004+06:00</published><updated>2009-10-17T02:00:39.836+06:00</updated><title type='text'>Die Legende von Preah Ko und Preah Keo</title><content type='html'>&lt;span&gt;Oktober 2008.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;Die Legende von Preah Ko und Preah Keo.&lt;br /&gt;Zu lesen bei kambodschanischem Monsunregen nach Sonnenuntergang.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/STk8TvE_7mI/AAAAAAAAA2I/YA-3TvvtJIQ/s1600-h/10-2008+%28bearbeitet%29.JPG"&gt;&lt;img style="cursor: pointer; width: 400px; height: 302px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/STk8TvE_7mI/AAAAAAAAA2I/YA-3TvvtJIQ/s400/10-2008+%28bearbeitet%29.JPG" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5276314748193861218" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In diesem Oktober erschien mir der Monsunregen besonders heftig. Er trommelte des Nachts unablässig gegen die Fensterscheiben, als wolle er dringendst hereingelassen werden, ein lästiger und unerwünschter Besucher. In meiner kleinen Wohnung fühlte ich mich angenehm geschützt vor der wilden Natur dort draußen, vor den krachenden Blitzen, die in diesem Jahr in Kambodscha schon 77 Leben nahmen (9 wurden von Landminen getötet), und vor dem nicht weniger fürchterlichen Donner. Ich wurde erinnert an die vielen Sonntagnachmittage in den verregneten Sommerferien der Kinderzeit, die ich mit einem Märchenbuch auf der Couch verbracht hatte. Und so las ich im kambodschanischen Oktober-Gewitterregen die Geschichte von Preah Ko und Preah Keo.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Es war einmal vor langer, langer Zeit, da lebte in der Nähe der alten Königsstadt Longvaek ein Bauer mit seiner Ehefrau, die schwanger war. Eines Tages träumte der Frau, dass sie drei Ringe mit Diamanten besäße. Aber kaum, dass sie ihrer gewahr wurde, waren die Ringe verschwunden. Die Frau wachte verwundert auf und bat ihren Mann, einen Wahrsager aufzusuchen. Das tat der auch, denn er war ein guter und gehorsamer Ehemann. Der Wahrsager klatschte in die Hände: "Deine Frau wird ein gesegnetes Kind zur Welt bringen. Sie darf aber während der Schwangerschaft auf keinen Fall grüne Mangos essen." Erfreut eilte der Mann zu seiner Frau zurück und überbrachte ihr die Botschaft.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Als sich nun die Schwangerschaft dem Ende zuneigte, überkam die Frau eine unbeherrschbare Gier nach grünen Mangos. Da ihr Mann gerade auf dem Reisfeld arbeitete und sie ihn nicht um Hilfe bitten konnte, kletterte sie allein auf den Mangobaum vor ihrer Hütte. Aber o je - sie kam nicht weit, verlor das Gleichgewicht und stürzte in den Tod. Ihr Schoss öffnete sich, und heraus kam zunächst ein Kalb, kurz darauf ein Menschenkind. Der Bauer hörte aus der Ferne den dumpfen Aufprall und eilte sofort herbei. Doch fand er seine Frau schon leblos vor, zu ihren Füßen Kind und Kalb, die ihm in die Hütte folgten.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Den Nachbarn blieb das Geschehen nicht verborgen. Sie empfanden es als böses Omen, dass eine Sterbende Mensch und Tier geboren hatte, und jagten den Bauern mit seinen Kindern zum Dorf hinaus. Der Bauer flüchtete sich in den Wald. Er vergoss bittere Tränen, weil er nicht wusste, wie er für sich und die Kleinen sorgen sollte. Schliesslich brach ihm sein Kummer das Herz. Er gab dem Kalb den Namen Preah Ko ("Göttliches Rind") und dem Jungen den Namen Preah Keo ("Göttlicher Keo"), weil ihre Geburt an ein Wunder grenzte. Dann legte er sich nieder zum Sterben.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Nun waren die Kleinen ganz auf sich gestellt. Sie aßen wilde Früchte und Wurzeln und entwickelten sich trotzdem prächtig. Eines Tages sah Preah Keo Bauernkinder am Rande eines Reisfelds, die dort ihre Kühe hüteten. Zur Mittagszeit packten sie ihre in Bananenblätter gewickelte Reismahlzeit aus und fingen schmatzend an zu essen. Preah Keo, der bisher noch nie etwas Gekochtes gegessen hatte, wurde von dem Duft der Speise magisch angezogen und bat einen der Jungen: "Bruder, ich habe Hunger, gib mir doch bitte etwas ab!" Der so Angesprochene guckte nur grimmig und scheuchte Preah Keo davon: "Ich bin nicht dein Bruder! Ich gebe dir nichts ab!"&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Weinend kehrte Preah Keo zu Preah Ko zurück und erzählte ihm, was vorgefallen war. "Du musst nicht traurig sein", sagte Preah Ko. Dann begann er zu würgen und spuckte ein Tischtuch auf den Boden, dann eine goldene Schale mit gekochtem Reis und schließlich einen silbernen Teller mit Gemüse und Löffel und Gabel als Essbesteck. Preah Keo staunte nicht schlecht und machte sich sofort über die Speisen her. Da er sich alles sehr geräuschvoll  einverleibte, zog er die Neugier der Bauernkinder auf sich, die längst ihre Mahlzeit beendet hatten. Sie lugten durchs Gebüsch und beobachteten das Geschehen erstaunt. Kaum hatte Preah Keo aufgegessen, da verschluckte Preah Ko das Tischtuch wieder, das Geschirr und das Besteck, als hätte es sie nie gegeben. Die Bauernkinder aber rannten sofort nach Hause zu ihren Eltern und erzählten von der Beobachtung.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Nur eine halbe Stunde später stürmten die Bauern mit ihren Majeten zu dem Baum, unter dem Preah Ko und Preah Keo in der Nachmittagssonne friedlich schliefen. Die Bauern hatten nichts Besseres vor, als Preah Ko den Bauch aufzuschlitzen, um an sein Gold und Silber heranzukommen. Als Preah Keo die bewaffnete Menge sah, da fürchtete er sich sehr. "Hab keine Angst, kleiner Bruder", sagte Preah Ko mit sanfter Stimme, "schnell, halt dich an meinem Schwanz fest." Und schon erhob er sich in die Lüfte und flog mit Preah Keo davon. Sie landeten nicht weit entfernt an einem See, an dessen Ufer sie ihr neues Zuhause einrichteten.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der kambodschanische König hatte währenddessen fünf Töchter groß gezogen. Die Jüngste, Neang Pou, war die schönste unter ihnen. Eines Tages packten die Mädels ihre Badeanzüge ein und machten sich auf zu einem Ausflug in die Umgebung. Sie landeten just an dem See, in dessen Nähe Preah Ko und Preah Keo sich eine Hütte gebaut hatten. Durch die Zweige eines Busches beobachtete Preah Keo das Treiben der fünf Schönheiten und verliebte sich unsterblich in Neang Pou. Dann blickte er an sich herab und stellte fest, dass er offensichtlich für ein Rendez-vous nicht standesgemäß gekleidet war. "Was soll ich bloß machen?" Aber auch hier wusste Preah Ko Rat und spuckte für seinen Bruder ein wunderbares Gewand aus purer Seide aus, das ihm das Aussehen eines Prinzen verlieh. So konnte er sich den jungen Damen zeigen, die sofort Gefallen an ihm fanden. Sie neckten ihn und überredeten ihn zu einem Spiel. Sollte er gewinnen, so könne er sich von ihnen wünschen, was er begehre, so versprachen sie ihm. Und natürlich gewann er, und natürlich suchte er sich Neang Pou als seinen Preis aus. Die anderen Schwestern, die er damit zurückgewiesen hatte, rannten verärgert zu ihrem Vater und erzählten ihm, dass Neang Pou sich ganz unprinzessinnengemäß im Wald mit einem Fremden vergnügen würde. Daraufhin verstieß der König seine jüngste Tochter. Die fand das nicht weiter tragisch, denn inzwischen bereitete Preah Keo ihre Hochzeit vor. Preah Ko tat sein Bestes und würgte einen wunderbaren Palast hervor, in dem die drei einträchtig miteinander lebten.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen hatte der kambodschanische König eine schwierige Staatskrise zu bewältigen. Der thailändische König, sein Rivale, hatte ihn zu einem Hahnenkampf herausgefordert: Sein Lieblingshahn sollte gegen einen kambodschanischen Hahn kämpfen. Dem Sieger sollte das Königreich des anderen gehören. Der kambodschanische König bekam Kopfschmerzen, denn er wusste um die Stärke der thailändischen Hähne. Aber da entsann er sich, dass seine jüngste Tochter nicht nur die schönste, sondern auch die klügste seiner Mädchen war. Er ließ sie suchen und bat um ihre Hilfe. Ihr Ehemann wusste Rat: Preah Ko, das Rind, verwandelte sich in einen Hahn und besiegte den thailändischen Gegner. In einem nächsten Kampf verwandelte er sich in einem Elefanten und besiegte den thailändischen Kriegselefanten. Als der thailändische König um einen dritten, letzten Kampf zwischen Stieren bat, erkannte Preah Ko, dass er diesen Kampf nicht gewinnen konnte - er musste fliehen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;"Halt dich an meinem Schwanz fest und achte darauf darauf, dass sich deine Frau fest an dich klammert!" rief er Preah Keo zu und schwang sich empor. Während Preah Keo seinen Bruder fest im Griff hatte, konnte sich Neang Pou nicht lange halten. Sie stürzte zu Boden und brach sich das Genick. Die beiden Brüder flohen tief in den Urwald, wo Preah Keo sich seinem Schmerz hingab. Preah Ko versuchte, ihm das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Er verwandelte den Urwald in ein Blütenmeer, die Bäume trugen die saftigsten Früchte, das Leben war harmonisch und schön. Dem thailändischen König wurde dies alsbald zugetragen: Im kambodschanischen Wald gebe ein kleines Paradies. Und der wollte das sofort besitzen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der thailändische Hofwahrsager konnte nicht nur sehr präzise vorhersagen, wo der schöne Urwald zu finden sein würde - er erkannte auch Preah Ko darin mit seinen Zauberkräften. Um so mehr wollte der thailändische König Urwald und Wunderrind besitzen. Da der Urwald aber sehr dicht gewachsen war, wandte der König eine List an: Er ließ seine Soldaten mit ihren Gewehren Silbermünzen in das Dickicht schießen. Die Bauern der Umgebung sahen die Münzen schimmern und holzten in kürzester Zeit alles ab, so dass sich Preah Ko und Preah Keo nicht mehr verstecken konnten. Es war ein Leichtes für die Soldaten, Preah Ko mit einem magischen Strick einzufangen. Der thailändische König baute für Preah Ko und Preah Keo einen wunderbaren Palast in Thailand, in dem er sie einsperrte und mit sieben dicken Mauern umgab. Es war unmöglich für die beiden Brüder, aus diesem goldenen Gefängnis zu entfliehen. Sie kehrten nie wieder nach Kambodscha zurück.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Und in der nächstes Deutschstunde identifizieren wir die in dieser Legende dargestellten nationalen Traumata und interpretieren sie vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation in Preah Vihear.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 30. Oktober 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-646496187372463294?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/646496187372463294'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/646496187372463294'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2008/10/die-legende-von-preah-ko-und-preah-keo.html' title='Die Legende von Preah Ko und Preah Keo'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/STk8TvE_7mI/AAAAAAAAA2I/YA-3TvvtJIQ/s72-c/10-2008+%28bearbeitet%29.JPG' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-2265282797021321133</id><published>2008-09-23T20:02:00.003+06:00</published><updated>2009-10-17T02:01:30.198+06:00</updated><title type='text'>Eine behelmte Kokosnuss und eine Ruine der Hoffnung</title><content type='html'>&lt;span&gt;September 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Eine behelmte Kokosnuss und eine Ruine der Hoffnung.&lt;br /&gt;Kunst ist eine Notwendigkeit.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SRGrtqrjz9I/AAAAAAAAA1U/Mm8-gLuxQ0I/s1600-h/Sep08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor: pointer; width: 400px; height: 300px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SRGrtqrjz9I/AAAAAAAAA1U/Mm8-gLuxQ0I/s400/Sep08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5265178240412274642" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Da hat Karl Valentin einfach Recht, und deshalb muss ich ihn mal wieder zitieren. Ich frage mich nämlich häufig, warum Phnom Penh davon so wenig hat, Kunst meine ich, und vielleicht ist das eine Antwort: weil die Arbeitskraft zu anderen Zwecken eingesetzt wird. So schütten sie gerade ihren größten See in der Stadt zu, den Boeung Kak (die kleineren sind schon weg), um 133 Hektar Bauland für Luxusbehausungen zu gewinnen, mit deren Entwicklung eine wenig bekannte, aber Verlautbarungen nach gut mit offiziellen Stellen vernetzte Firma beschäftigt ist. Die Verfüllung des Sees soll 16 Monate dauern, das ist ein großes Stück Arbeit. Ein eben so großes Stück Arbeit harrt derer, die am See ihre Behausungen verlieren. Da sie nicht Eigentümer von Grund und Boden sind, haben viele der 4.250 Familien ihre Holzhütten über das Wasser gebaut, auf Pfählen und nur über schwankende Holzstege zu erreichen. Ich war da bei Sonnenuntergang – es war ein schöner Anblick über dem See. Ich wagte auch einen Blick in die Hütten. Durch den Bretterboden ließ es sich auch auf den See gucken, zum Fischezählen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Und doch gibt es auch hin und wieder Kunst zu sehen in der Stadt. Man erspare mir hier weitere theoretische Erläuterungen über das Wesen der Kunst an sich und im Besonderen und ob das neue Phnom Penh der aktuellen Umbauphase mit seinen Protzbauten, leer geräumten Grundstücken, lebendigen Märkten, Slumvierteln und Luxuskarossen nicht auch ein einziges Kunstwerk sei. Denn ich hatte gerade ein Vergnügen: Kunst satt ein ganzes Wochenende lang, und ich bin noch immer entzückt. Es gab Installationen, Collagen, Fotografien und Filmdokumentationen  junger kambodschanischer Künstler zu betrachten, die keine Folklore reproduzierten - keine Zuckerpalmen über Reisfeld, keine vollbusigen Apsaras in Volkstanzpose und auch keine Elefanten bei der Bergbesteigung -, sondern die das kreierten, was Kunst als Notwendigkeit zum besseren Verständnis unserer Existenz ausmacht: Sie haben über ihren kambodschanischen Alltag nachgedacht, sie haben ihre eigenen Ideen entwickelt und uns ein Ergebnis präsentiert, das ohne Vorlagen aus dem Versandhauskatalog traditioneller Versatzstücke auskommt.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Leang Seckon ist 34 und studierte Kunst in Phnom Penh. Seine Installation heißt "Reflektion" und besteht aus zwei Teilen: Hinter einem von der Decke hängenden leeren Holzrahmen steht eine Figur, die eine als Uniform erkennbare Oberbekleidung trägt. Das eine Hosenbein ist hochgekrempelt und legt den Blick frei auf ein Holzbein, wie es viele Minenopfer in Kambodscha besitzen. Das Jackenvorderteil verzieren Abzeichen, Ketten und Medaillons der letzten 50 Jahre, also aus der Zeit der Unabhängigkeit Kambodschas von der französischen Kolonialherrschaft. Eine Kokosnuss, zum Totenschädel verfremdet und von einem Helm geschmückt, thront über der Jacke. Auf der anderen Seite des Rahmens liegen ein zerstörtes Motorrad und ein intaktes Fahrrad auf dem Boden. Der Künstler sagt in einem Zeitungsinterview: "(Die Installation) ... soll die Verwirrung zeigen: In langen Jahren von Krieg und Konflikt verloren die Menschen ihre Familie, sie verloren Teile ihrer Gliedmaßen wegen der Landminen, sie verloren ihre Seele. ... Sie sind verwirrt durch das politische Durcheinander der letzten Jahrzehnte. Sie denken nicht über die Zukunft nach, sie denken im Straßenverkehr nicht an mögliche Verletzungen, sie denken nur an das Hier und Jetzt." Leang Seckon befasst sich mit dem Chaos in den Köpfen der Menschen, das sich für ihn widerspiegelt in der Art und Weise, wie sie sich im Straßenverkehr bewegen: Da geht häufig alles durcheinander, Rechts- und Linksverkehr, rote Ampeln werden nicht beachtet, wie auch sonst das neue Verkehrsgesetz reine Makulatur bleibt (insbesondere die Geschwindigkeitsbegrenzungen). Für Leang Seckon ist das Verkehrsverhalten symptomatisch für den Umgang der Kambodschaner miteinander. Er sagt: "Zwar leben die Menschen Seite an Seite, aber sie haben keine gemeinsamen Überzeugungen." Anders als im wirklichen Leben überlebte das Fahrrad der Installation den fiktiven Zusammenstoß intakt.      &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ganz in der Nähe der Ausstellung hat sich ein Franzose mit dem alten Phnom Penh beschäftigt. Georges Rousse, Architekt und Fotograf aus Paris, kam auf Einladung des Centre Culturel Français. Mit seiner Kunst verfremdet er Orte, die dem Abriss oder der Totalsanierung anheim gegeben sind, indem er sie umbaut, bemalt und fotografiert. Der normale Besucher seiner Ausstellungen sieht nur das Endprodukt der künstlerischen Auseinandersetzung: das Foto. Ich hatte die Freude, den fotografierten Ort selbst sehen zu können und der Illusion, die seine Fotos herstellen, auf die Spur zu kommen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Seit ich in Phnom Penh wohne, fasziniert mich eine große Villa aus der Kolonialzeit, die an prominentem Ort, gleich gegenüber von Nationalmuseum und Königspalast, steht, märchenhaft-verwunschen und scheinbar unbewohnt immer mehr an Farbe verlierend, einst buttergelb und leuchtend, jetzt schwarz gezeichnet von Regenguss und Umweltschmutz, aber immer noch umgeben von mediterranem Charme. Letztens war zu erfahren, dass die Eigentümer des Restaurants "Foreign Correspondents Club" – die von ihrer Terrasse direkt auf dieses Haus gucken – auch einen Blick ins Portemonnaie wagten und dann spontan entschieden: "Wir kaufen es!" Es wird also erhalten werden, und aufwändige Umbaumaßnahmen stehen an. Das ist genau der Augenblick, auf den Georges Rousse gewartet hat: Bevor die Ruine verschwindet (und sich wieder in einen Schwan zurückverwandelt), macht er sich ans Werk, er bearbeitet, fotografiert – und geht.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich sah das Foto aus der Villa mit den schwarzen Buchstaben DREAM schon in der Zeitung. Es war die perfekte Abbildung einer morbiden Räumlichkeit, eines desolaten Ortes, einer verlassenen Behausung, die durch die Klarheit und Geradlinigkeit der Buchstaben zusammen gehalten und physisch gestärkt wirkt - die Buchstaben wie auf das Bild hinaufgedruckt. Jetzt aber, als ich in der Villa vor den pastellfarbenen Wänden stehe, sehe ich zunächst nur Fragmente der Lettern, die sich zu Einzelbuchstaben, dann zu einem Wort erst zusammensetzen, als ich auf der "richtigen" Stufe der schön geschwungenen Treppe davor stehe und mir den Hals verrenke: ja – so geht es – das D ist ein schlicht lesbares D, platt auf die Wand gemalt, ein D aus allen Blickrichtungen; aber das A ist zum Teil im nächsten Raum gemalt und erscheint vollständig erst durch die Türöffnung; das E erstreckt sich übers Eck; und das R wird auch erst zu dem, was es sein soll, wenn der Betrachter aus dem passenden Winkel guckt. Wie ich stehen bald viele Besucher auf der Treppe und üben sich in leichter Gymnastik. Zu spät fällt mir auf, welch wunderbare Dokumentationen dies ergibt: Der Ausstellungsbesucher wird selbst für kurze Zeit zur Installation, "auf der Suche nach dem vergehenden Wort – ein Traum". Ein junger Mann, der zum Management des "Foreign Correspondents Club" gehört, sagt mir, dass im nächsten Monat mit den Umbauarbeiten begonnen werden solle. Das freut mich einerseits – weil ich nun sicher sein kann, dass endlich mal wieder ein schöner alter Ort in Phnom Penh erhalten bleibt. Andererseits macht es mich auch traurig – bald gibt es die Buchstabenbemalung nur noch als Foto. Doch vielleicht wird durch ihr Verschwinden ein Traum war, ein Traum von Phnom Penh.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Kambodscha tut wenig für seine zeitgenössischen Künste. Es mag sein, dass die Pflege des historischen Weltkulturerbes von Angkor und (seit kurzem) Preah Vihear kaum weitere Aktivitäten zulässt. Aber es gibt eine Königliche Universität der Darstellenden Künste, die nach einem Tausch des wertvollen Innenstadtgeländes inzwischen an den Rand der Stadt verbannt ist, wo sie mangels regelmäßiger Strom- und Wasserversorgung kaum noch besucht wird. Das neue Theater wird nicht bespielt, weil das tropische Regengeprassel auf dem Dach menschliche Sprache und Musik übertönt und andere Mängel noch nicht behoben sind. Wie kommt es, dass die staatlichen Haushaltsmittel dafür so magelhaft verwendet erscheinen? Alas, ich werde das wohl kaum herausfinden dürfen in der mir noch verbleibenden Zeit und muss mich darauf beschränken, Orte in der Stadt zu genießen, wo sich für kurze Zeit die Künste traumwandlerisch bewegen können. Es gab eine Zeit Anfang der 1990er Jahre, als Kambodschas berühmtester Architekt, Vann Molyvann, als Staatsminister für Kultur und Bildende Künste in der Königlichen Regierung tätig war. Er hatte sie erkannt, die Notwendigkeit der Kunst für dieses Land. Bleibt die Verwirklichung dieser Erkenntnis - ein Traum?&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 23. September 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-2265282797021321133?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/2265282797021321133'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/2265282797021321133'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2008/09/eine-behelmte-kokosnuss-und-eine-ruine.html' title='Eine behelmte Kokosnuss und eine Ruine der Hoffnung'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SRGrtqrjz9I/AAAAAAAAA1U/Mm8-gLuxQ0I/s72-c/Sep08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-2392436794526092944</id><published>2008-08-20T20:01:00.002+06:00</published><updated>2009-10-17T02:02:26.405+06:00</updated><title type='text'>Die kambodschanische Tierwelt bei Vollpension</title><content type='html'>&lt;span&gt;August 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die kambodschanische Tierwelt bei Vollpension.&lt;br /&gt;Ein Spaziergang durch den Zoo von Phnom Tamao.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SRGsL9AS3CI/AAAAAAAAA1c/DwUX2qtbenc/s1600-h/Aug08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor: pointer; width: 300px; height: 400px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SRGsL9AS3CI/AAAAAAAAA1c/DwUX2qtbenc/s400/Aug08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5265178760727157794" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Was haben Gibbon, Sambar und Gaur gemein? Die Staatsbürgerschaft - alle drei sind Kambodschaner, und ich habe sie im Zoo besucht. Während auf allen Fernsehkanälen Olympia in Beijing gegeben wird, gönne ich mir ein anderes Spektakel, einen Spaziergang durch den "Phnom Tamao Zoological Garden and Wildlife Rescue Center", ungefähr 45 km südlich von Phnom Penh. Der Name klingt ein wenig dick aufgetragen, und die Anfahrt mit Herrn Thi und seinem Tuk-Tuk auf der holperigen Staubstraße entlang von endlos sich hinziehenden Reisfeldern war ebenso schüttelintensiv wie ereignisarm, so dass ich zunächst enttäuschungsvorbeugend meine Erwartungshaltung beschränke. Jedoch wäre das nicht nötig gewesen. Die einzige Hürde überspringe ich mühelos schon am Eingang: Ich muss mir die Eintrittskarte (stolzer Preis für Ausländer: 5 US$) für mein Tagebuch erkämpfen. Sehr mürrisch guckt der Verkäufer und schiebt sie nur widerwillig über den Tresen. Gern hätte er wohl den Eintrittspreis mehrmals für die nummerierte Karte kassiert, was er nun nicht mehr kann.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Sofort bin ich von einer Schar kreischender Kinder umringt, die mir nichts verkaufen wollen, sondern bloß mal ein bisschen Krach machen vor Publikum. Gerettet werde ich von einem jungen Mann mit erfreulichen Englischkenntnissen. Er komme jeden Tag hierher, sagt er mir, und er sei ein guter Führer. Er hat mich nicht angeschwindelt, tatsächlich erfahre ich etwas über die Tiere, das über die Beschriftung an den Käfigen hinaus geht (denn jawohl, die gibt es, sogar auf englisch!). Mein Führer scheint alles über die Zoobewohner zu wissen: Name, Alter, Familienstand, Essgewohnheiten. Und er sagt mir sogar, wie ich sie am besten fotografieren kann: "Warte, gleich kommt das Stachelschwein aus seinem Bau!" Er macht ein merkwürdiges Geräusch, hält einen langen Grashalm durch den Maschendraht - und wie auf Knopfdruck erscheint die schwarz-weiße Riesenbürste und knabbert gar zierlich an dem Grünzeug. Klick - und fertig ist das erste Portrait.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Das Tolle an diesem Zoo ist die Zusammenstellung der Tiere, die man hier in Ruhe studieren kann, um sie später - bei einigem Glück - in voller Schönheit in freier Wildbahn wiederzuerkennen - solange es sie noch gibt. Denn die meisten der kambodschanischen Wildtiere gehören zu gefährdeten Arten, ein Status, der ihnen hier, wo sie als Beilage zur täglichen Reisration betrachtet werden, keinen Schutz gewährt.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der Irrawaddy-Delphin (der in Kambodscha "Mekong-Delphin" heißen sollte) muss draussen bleiben, weil ein seinen Bedürfnissen entsprechendes Schwimmbecken für den Zoo zu aufwändig gewesen wäre. Dafür hat ein kleinerer Kerl seinen eigenen See (10 x 15 m!) bekommen und ist inzwischen eine regelrechte Lokal-Berühmtheit. Wo viele bei dem Ausdruck "Schwimmen" jetzt nur noch an Michael Phelps und sein tonnenschweres olympisches Gold denken, konzentriere ich mich auf diesen tierischen Meisterschwimmer, den ich zudem auch noch hübscher anzusehen finde als das amerikanische Wasser-Wunder. Dieser hier heißt Dara (auf deutsch "Stern") und ist ein "Lutra sumatrana", ein Otter mit einer behaarten Nase. Jawohl - so etwas gibt es, d.h. so etwas gibt es noch. Denn einige Biologen behaupten, dass Dara einer der letzten seiner Art in Kambodscha ist. Neben seinem neuen Heim wohnen die eher gewöhnlichen Verwandten (Eurasische Otter, Lutra lutra), die sich ein viel kleineres Wasserbecken teilen müssen, aber irgendwie vergnügter und auch ein wenig streitlustig wirken. Es ist nämlich Zeit zum Mittagessen, da drängeln sie sich alle am Gatter, wo bereits der Eimer mit lecker Fischchen auf sie wartet, und machen ein Mordstheater wie Marktschreier kurz vor Feierabend. Diese Otter sind sehr gesellige Kerlchen, und ich wünsche Dara, dass er nicht mehr lange Junggeselle bleiben muss.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Was zu gucken gibt es auch bei der Gibbon-Familie "Hylobates lar lar". Ein Gibbon ist ein kleiner Affe, dessen bemerkenswerte Fortbewegungsart ein Schwingen von Ast zu Ast ist, was ihn wie einen Mini-Tarzan erscheinen lässt, bloß ist er im Gegensatz zu dem menschlichen Brüller wesentlich eleganter. Bis zu 15 m Distanz zwischen den Bäumen kann er im Fast-Flug überwinden und das bei einer Geschwindigkeit von bis zu 56 km/h, wahrhaft olympisch. Im Zoo ist der Käfig für solche Hochleistungen zu klein, doch die Turnübungen auch der ganz Kleinen beeindrucken mich. Diese Babies bestehen eigentlich nur aus sehr dünnen, aber extrem langen Armen, die sie weit vom Körper abstrecken. Bewegungslosigkeit kennen sie nicht, sie greifen mit einem kleinen Händchen, das genau so aussieht wie meines, nur in ganz, ganz winzig, komplett mit allen fünf Fingerchen und Fingernägelchen, in den Maschendraht, und mit der sprichwörtlichen affenartigen Geschwindigkeit stoßen sie sich ab, um sich an anderer Stelle mit dem anderen Händchen kurz festzuhalten, aber schon pendelt der andere Arm weiter und nimmt das schmale Körperchen mit, das zwischen diesen langen Gliedmaßen wie eine Geisel wirkt: Es wird hin- und hergeschaukelt und muss immer mit, ob es will oder nicht. Schon beim Zugucken wird mir schwindelig. Wie machen die das bloß in der mittäglichen Hitze!&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Nach all dieser Hektik wende ich mich ruhigeren Zeitgenossen zu, die einfach nur herumliegen und kauen und außer dem Unterkiefer rein gar nichts bewegen. Ich stehe vor dem Gehege der Gaur. Wenn ich die so betrachte, dann frage ich mich, warum die Kambodschaner keine Gaur domestiziert haben, sondern diese klapprigen weißen Kühe, die keine Milch geben und kaum Fleisch auf den Rippen haben. Der Gaur (Bos gaurus) ist das größte wildlebende Rind in Süd- und Südostasien, das bis zu 1.500 kg wiegen kann bei einer Schulterhöhe um die 2 m. In seiner Massigkeit sieht der Gaur dem Wasserbüffel ziemlich ähnlich. Das Prachtexemplar, das da in meiner unmittelbaren Nähe, aber erfreulicherweise hinter einem recht stabil aussehenden Zaun vor sich hin verdaut, besticht durch seine hellblonde Lockenpracht zwischen den Respekt einflößenden Hörnern: ein hübscher Kontrast zum dunkelbraunen Fell. Obwohl der Gaur angeblich ein relativ harmloser Vergetarier sein soll (wenn man ihn in Frieden grasen lässt), möchte ich keinem bei meinem Waldspaziergang begegnen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich denke, dass ich auch vor einem Sambar davonlaufen würde. Diese Hirschart ist in vielen Teilen Asiens anzutreffen, in Kambodscha lebt der Clan der "Cervus unicolor". Richtig klein ist dieser Sambar nicht, und schwer (bis 500 kg) wird auch er. Aber der Sambar-Bock im Zoo von Phnom Tamao ist noch ganz jung, mit antilopenartigem schmalen Gesicht und einer dramatischen Zeichnung von der Stirn zum Geweih, was mich an die Gesichtsbemalung der Peking-Oper-Darsteller erinnert. In Kambodscha ist sein Hauptfeind, der Tiger, so gut wie ausgestorben. Dafür wird der Sambar wegen seines Fleisches von den Menschen gejagt, auch wenn's verboten ist.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wie reich die Tierwelt Kambodschas (noch) ist! Solange die Khmer ihre Wälder nicht gänzlich abgeholzt haben, die Jagdverbote beachten und die eingerichteten und geplanten Schutzgebiete für Flora und Fauna ernst nehmen, besteht Hoffnung für Marabus (Leptoptilos dubius), Mungos (Herpestes javanicus), Schakale (Canis aureus), Fisch-Eulen (Ketupa zeylonensis) und die vielen anderen Lebewesen dieser "asiatischen Serengeti", wie ein wunderbarer Dokumentarfilm über die Provinz Mondulkiri die kambodschanische Tierwelt bezeichnete. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 20. August 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-2392436794526092944?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/2392436794526092944'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/2392436794526092944'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2008/08/die-kambodschanische-tierwelt-bei.html' title='Die kambodschanische Tierwelt bei Vollpension'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SRGsL9AS3CI/AAAAAAAAA1c/DwUX2qtbenc/s72-c/Aug08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-1366861319290994116</id><published>2008-07-31T19:55:00.003+06:00</published><updated>2009-10-17T02:03:09.859+06:00</updated><title type='text'>Unruhe um ein Weltkulturerbe</title><content type='html'>&lt;span&gt;Juli 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Unruhe um ein Weltkulturerbe.&lt;br /&gt;Empfindlichkeiten und die langen Schatten der Vergangenheit.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SRGsbNg3bmI/AAAAAAAAA1k/oo_JL0tScBI/s1600-h/Jul08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor: pointer; width: 400px; height: 300px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SRGsbNg3bmI/AAAAAAAAA1k/oo_JL0tScBI/s400/Jul08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5265179022856777314" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Den halben Juli verbrachte ich in der deutschen Heimat, um die Wahrheit um die Wahrsagerinnen Kambodschas ans Licht zu bringen. Dort stellte sich schon bald heraus: Die mir diesbezüglich im Juni erbrachte Arbeitsleistung liegt im Bereich "zufriedenstellend", die Vorhersage war zu 75 % richtig und zu 25 % falsch – denn ich werde nicht das nächste Jahr in Kambodscha verbringen, sondern bereits als Aprilscherz 2009 auf brandenburgischem Boden aufschlagen, will sagen: aus der S-Bahn treten. Soviel dazu.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Jetzt sitze ich wieder in meinem betreuten Wohnen in Phnom Penh, das hier "serviced apartment" heißt und für faule, also beruflich übermäßig eingespannte oder sich dafür haltende Ausländer/innen wie mich Putz- und Bügeldienste, täglich mehr oder weniger saubere Handtücher und – je nach Portemonnaie – Frühstück aufs Zimmer und frisch gewaschene Unterhosen bereit stellt. Außerdem gibt es für Sicherheitsfetischisten sogenannte Wachleute am Eingang, zarte Jüngelchen in schmucker Uniform und übergroßen Stiefeln (oft zu heiß tagsüber und daher gern gegen Badelatschen ausgetauscht), die zumeist jedem, der durchs Tor hineinschlüpft, freundlich zulächeln. In so einer Luxus-Hochburg sitze ich also des Abends, während draußen Regenzeit gegeben wird, und grusele mich beim Zeitunglesen: Seit einer Woche zieren Fotos von bis an die Zähne bewaffneten Soldaten der RCAF (Royal Cambodian Armed Forces) die erste Seite meiner englischsprachigen Tageszeitung.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In meiner Abwesenheit gab es hier einen unspannenden Wahlkampf (zum Glück lag keine Betonung auf "Kampf") und eine mit Spannung erwartete Entscheidung der Unesco: Die erklärte schließlich am 7. Juli den Tempel Preah Vihear im Norden Kambodschas an der Grenze zu Thailand zum Weltkulturerbe. Und seit dem 15. Juli stehen sich dort thailändische und kambodschanische Militärs angriffsbereit gegenüber – wie kann das sein, frage ich mich mal wieder und zweifele an meiner Fähigkeit, dieses Land und die Beziehungen zu seinen Nachbarn zu verstehen. Ich habe versucht, meine Bücher, Zeitungen und Kollegen als Ratgeber heranzuziehen. Heraus gekommen ist Folgendes, für dessen Richtigkeit ich mich nicht verbürgen kann:&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der Tempel, der heute unter dem Namen "Preah Vihear" bekannt ist, wurde zur Regierungszeit des Khmer-Königs Yasovarman I begonnen (889 bis 910 n.Chr.) und drei Könige später, unter Suryavarman II (Regierungszeit 1113 bis 1145 n.Chr.), beendet. Als die Khmer-Könige ihre Macht verloren hatten und ihr Reich zerfiel, gehörte Preah Vihear zum Einflussbereich der Thai, dann wieder zu dem der Kambodschaner. Aus unerfindlichen Gründen überließen die französischen Kolonialherren den Tempel Anfang der 1950er Jahre den Thais. Aber bereits 1953 reisten sie zurück an die Côte d'Azur, denn Sihanouk hatte die Unabhängigkeit seines Königreichs erklärt und wollte nun selbst bestimmen, über was er da regierte. Auf sein Bestreben hin entschied der Internationale Gerichtshof 1962, dass es kambodschanisches Staatsgebiet sei, auf dem Preah Vihear gebaut sei. Damit, könnte man meinen, hätte es gut sein können. Hat es aber nicht. Denn auch wenn jetzt anerkannt ist, dass Preah Vihear zu Kambodscha gehört, so wird die unmittelbare Umgebung des Tempels in den Dangrek-Bergen weiterhin sowohl von den Khmer als auch von den Thai beansprucht. Überall da, wo es gebirgig ist oder urwaldet, wo viel Wasser herumschwappt oder alles im Sand versinkt – da haben es Grenzvermesser traditionellerweise schwer. Das nördliche Kambodscha hat zu Thailand eine dieser unscharfen Grenzen im unübersichtlichen Grün. In ca. zehn Jahren will die Regierung die 73 Grenzsteine wiedergefunden haben, die irgendwann einmal als Demarkation aufgestellt worden sind – 20 hat sie bisher erst entdeckt. Im Jahr 2000 verständigten sich die kambodschanischen und  thailändischen Behörden, dass die Sucherei nach den Grenzsteinen ungestört von Militär stattfinden sollte, will heißen: Kein Uniformierter sollte da oben herumspazieren, es sei denn zum Sonntagsausflug mit der Familie - und in Zivil.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Aber offenbar zieht das Gebiet den Streit der Uniformen an. Die letzten Khmer Rouge-Guerillas harrten hier im Kampf gegen die Regierungstrupppen bis 1997 aus, fast 20 Jahre, nachdem ihr "Demokratisches Kampuchea" genanntes, mörderisches Menschenexperiment zum Scheitern gebracht worden war. Und einige dieser Kämpen sind jetzt auf der Titelseite meiner Tageszeitung und dürfen als Interviewpartner verkünden, dass sie nichts aus ihrer Roten Khmer-Kämpferzeit vergessen hätten, manche ihrer damaligen Waffen seien noch gut einsetzbar - und wie gern sie, jetzt stolze Mitglieder der Königlichen Armee, ihren Thai-Kollegen auf die Mütze hauen würden. Die haben sich in Rufweite der RCAF und Preah Vihear eingegraben, 4.000 sind es nach offizieller  kambodschanischer Schätzung, die nichts über die eigene Truppenstärke auszusagen weiß. Bisher blieb es ruhig. Ein Thai-Soldat starb eines "natürlichen Todes", ein anderer verlor durch eine Landmine ein Bein, nichts Derartiges bei den RCAF. Aber in Phnom Penh wird Essen und Geld für die Soldaten "an der Front" gesammelt und Import-Gut aus Thailand boykottiert.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der Autor der "offiziellen Biografie" vom König-Vater Sihanouk, Julio A. Jeldres, äußert sich erbost in der Zeitung, dass Preah Vihear als "Hindu-Heiligtum" bezeichnet wird. Nein nein, der sei immer ein "Khmer-Tempel" gewesen, bis auf die Zeit seiner Eroberung durch die Thai – eine Zeit, die (man lese und staune) von 1431 bis 1907 andauerte. Der Tempel wurde um 1120 n.Chr. fertig gestellt; so kann man leicht errechnen, dass er ungefähr 870 Jahre alt ist und 476 Jahre nicht unter Khmer-Königsherrschaft stand. Herr Jeldres versteht die Differenz unter "immer", nun ja. Und dieser immer Khmer seiende Tempel wurde von Khmer, die zu dieser Zeit Hindus waren, dem Hindu-Gott Shiva geweiht, was den Tempel damit so sehr zu einem hinduistischen Heiligtum macht, wie der Petersdom eine katholischen Kirche ist. Oder dürfte man den einfach nur als "Gotteshaus des Vatikanstaates" bezeichnen?&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Aber man soll ja vorsichtig mit Empfindlichkeiten, gleich welcher Art, sein. Vor allem, wenn man wie ich alles nur unzulänglich aus unsicheren Quellen weiß, behaglich vor Regen und Dschungelungeziefer geschützt ist und weit weg sein darf von dieser umstrittenen Grenze. Doch fürchte ich mich vor Uniformen, auch wenn sie nur auf Fotos in Schwarz-Weiß auf der ersten Seite meiner kambodschanischen Tageszeitung zu sehen sind. Und ich finde, dass sich alle an einem Weltkulturerbe erfreuen dürfen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 7. August 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-1366861319290994116?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/1366861319290994116'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/1366861319290994116'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2008/08/unruhe-um-ein-weltkulturerbe.html' title='Unruhe um ein Weltkulturerbe'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/SRGsbNg3bmI/AAAAAAAAA1k/oo_JL0tScBI/s72-c/Jul08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-871397974657005127</id><published>2008-06-27T02:03:00.001+06:00</published><updated>2009-10-17T02:10:39.612+06:00</updated><title type='text'>Die Zukunft aus grünen Blättern</title><content type='html'>Juni 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Zukunft aus grünen Blättern.&lt;br /&gt;Bei der Wahrsagerin.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/StjS7t5ZIyI/AAAAAAAABWU/FFb2qNm2x4M/s1600-h/DSCN1498_Jun08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 300px; height: 400px;" src="http://2.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/StjS7t5ZIyI/AAAAAAAABWU/FFb2qNm2x4M/s400/DSCN1498_Jun08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5393292477150602018" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich will es endlich wissen. Meine Khmerlehrerin guckt mich fragend an: Ob das mein Ernst sei, ob ich daran wirklich glauben würde ... Sie habe mich doch auch von der Existenz der verschiedenen Wald-Geister und Wasser-Ungeheuer nicht überzeugen können, obwohl ihre Großmutter (chinesischen Ursprungs!) sich doch für die Richtigkeit der Aussagen verbürgt habe ... (Oma hatte nämlich das Übernatürliche mit eigenen Augen gesehen, was für ihre Enkelin so wirklich ist, als wäre auch sie dabei gewesen.) Ich gebe zu: Es erscheint widersprüchlich, ein schwebendes Etwas mit Eberzähnen in den Bereich der Legenden zu verweisen, aber an die zukunftsgestaltende Kraft einer Pique-Sieben zu glauben. Doch bin ich wild entschlossen, mir Rat bei einer kambodschanischen Wahrsagerin zu holen. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Bis vor kurzem konnte man sie und ihre Kollegen noch am Wat Phnom aufsuchen. Da saßen sie dicht gedrängt in unterschiedlicher Kostümierung in ihren Buden, meist neben einem kleinen Hausaltar (der Segen der Unsterblichen ist immer gut fürs Geschäft), ausgestattet mit Spielkartendeck und Wahrsagestäbchen, und verhalfen den Uneingeweihten zu mehr oder weniger gesicherten Aus- und Einsichten. Bedauerlicherweise führte die Stadtverwaltung gerade hier ihr Programm "Unser Dorf soll schöner werden" durch. Mir hätte es ja gereicht, wenn einfach nur der Stinkemüll weggezaubert wäre. Aber nein, alle Buden mussten verschwinden, die Fläche wurde gepflastert (nur zum Teil natürlich - denn wir sind ja in Kambodscha, und da hat man ewig lange Zeit zur Umsetzung von Arbeitsanweisungen, besonders wenn sie von der Stadtverwaltung kommen), und jetzt sieht das alles viel unordentlicher aus als früher und keineswegs interessanter für die Touristen - letzteres war nämlich die offizielle Begründung der Umgestaltung. Zum Glück weiß meine Lehrerin, wo wir hinfahren müssen. Immerhin ist sie verheiratet: Natürlich geht man in Kambodscha zum Wahrsager, um sich den für die Eheschließung glückbringenden Tag nennen zu lassen. Und dann weiß man halt auch für andere Fälle, wo man sich Rat holen kann. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In die Zukunft blicken zu können und Antworten auf schwierige Fragen ohne große Anstrengungen zu finden, ist ein alter Menschheitswunsch, den wir Normalsterblichen uns auf verschiedenste Art mit graduell unterschiedlicher Präzision erfüllen. Das geht von der Gänseblümchen-Methode ("er liebt mich, liebt mich nicht, von Herzen, mit Schmerzen ...") über das Tageszeitungshoroskop bis zu Tarotkarten und Kristallkugeln. Und wenn wir diese Kunst selbst nicht so gut beherrschen, gucken wir uns dazu besonders Befähigte aus. Das machen die Kambodschaner ganz genauso. Von den Vorhersagen der königlichen Ochsen während der jährlichen Pflügezeremonie zu Beginn der Reispflanzzeit hatte ich schon berichtet: Die Deutung der Ochsen-Omen obliegt den Wahrsagern vom Königshof. Die sind Brahmanen-Priester, eine Einrichtung aus der vorbuddhistischen Zeit und heutzutage besonders zum Neujahrsfest der Khmer im April gefragt. So sagte Im Borin, Chef-Hofastrologe des amtierenden Königs Sihamoni, in diesem Jahr die Lage der Nation wie folgt voraus: Das Jahr der Ratte, von der Göttin Thungsakdevi beherrscht, wird nichts Gutes bringen – es wird zuviel Regen geben, der Salzpreis steigt, und die Ehefrauen "höherrangiger" Regierungsangestellten werden von Eifersuchtsanfällen geplagt. Zu ersterem lässt sich zu Beginn der Regenzeit noch keine Aussage machen, letzteres entzieht sich auch meiner Kenntnis, aber die Preissteigerung von Lebensmitteln ist bereits eingetroffen. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Lon Nol, der General, der 1970 den kambodschanischen König absetzte und das Land sowohl verstärkt in den Vietnamkrieg (auf amerikanischer Seite) hineinzog als auch in den intensivierten Bürgerkrieg (mit den Roten Khmer), welcher schließlich mit Pol Pots Herrschaft endete, soll 1972 monatlich über 20.000 US$ für Wahrsagerdienste bezahlt haben. Wir wissen nicht, was ihm prognostiziert worden ist - aber wir wissen, dass er sich rechtzeitig ins Ausland absetzte, um den Roten Khmer nicht in die Hände zu fallen. Wahrsagerdienste hatten in Kambodscha schon immer Konjunktur.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Meine zukunftsgerichtete Frage ist natürlich keine zu Leben und Tod. Trotzdem messe ich der Antwort großes Gewicht bei. Deshalb lasse ich mich von meiner Lehrerin durch die Wirrnisse des Orussei-Marktes schleppen. Das ist einer dieser Märkte, die kahle Betongaragen-Räumlichkeiten in Tausendundeine-Nacht-Basare verwandeln, in denen es alles gibt von gerösteten Heuschrecken über rosa Schnürkorsetts bis hin zu Sandelhoz-Buddha-Amuletten - und genau in dieser Anordnung nebeneinander - und in denen man, wenn man mit meinem Orientierungssinn geschlagen ist, bis ins Rentenalter umherirren kann. Aber da ich eine wendige Einheimische bei mir habe, verkürzt sich der Weg ungemein, und wir stehen bald vor einem Plastiktisch mit karierter Decke. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;So hatte ich mir meine Wahrsagerin vorgestellt. Sie trägt über dem fülligen Busen eine schwarzrote Blümchenbluse; alles wackelt, wenn sie lacht - und sie lacht viel, vor allem über mich und mein ungläubiges Staunen. Aber dazu kommen wir später. So betrachte ich zunächst neugierig ihre Goldzähne und die Diamantringe, die Zeugnis von ihrem Erfolg in der Branche ablegen und für Vertrauen bei der Kundschaft sorgen. Ich setze mich an ihr Tischchen auf einen Plastikhocker in Kniehöhe. Meine Lehrerin erklärt mir, dass mir hier die Zukunft aus grünen Blättern gelesen wird. Aus einem Körbchen darf ich mir eine Anzahl heraussuchen, die die Wahrsagerin in eine lange Reihe legt und aufmerksam studiert.  &lt;br /&gt; &lt;p&gt;&lt;br /&gt;Zuerst bekomme ich Allgemeines und reichlich Vages über mich zu hören. Das fängt so an: Wenn ich verheiratet wäre, dann hätte ich zwei Kinder. Das ist nun keine so brillante Aussage für eine erfolgreiche Flora-Astrologin: Was heißt denn da "wäre"? Also, das müsste sie mir doch sofort ansehen ... Ich runzele die Stirn und will ihr nun endlich meine Frage stellen. Denn das mit den Kindern weiß ich selber wohl besser. Aber ich komme nicht zum Fragen. Denn plötzlich lacht sie, der Busen wogt, sie beugt sich nach vorn, mit verschwörerischem Augenaufschlag. "Nein", sagt sie (über meine dolmetschende Lehrerin), schlicht: "Nein." Und dann sagt sie mir die Frage, die ich noch gar nicht gestellt habe, zur Antwort, die sie mir schon gegeben hat. Einfach so. Jetzt bin ich doch perplex. Ich muss reichlich blöd aussehen, denn meine Lehrerin und meine Wahrsagerin lachen laut und reden eifrig miteinander auf Khmer. Mit einem so entschiedenen Nein habe ich nicht gerechnet. Mal sehen, wie ich auf meine Zukunft gestaltend einwirken kann. Ist da vielleicht doch ein klitzekleines Ja im Nein? Kann ich selber etwas dazu beitragen, um das Nein in ein Ja zu verwandeln? Jetzt wird meine Wahrsagerin ernst und sehr streng. Sie schüttelt den Kopf und hebt abwehrend die Hände: NEIN! Ich kann sie zu keiner anderen Aussage bewegen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich sitze verdattert auf dem Plastikstühlchen. Meine Wahrsagerin will für ihre Dienste 6.000 Riel. Der Fall ist damit abgeschlossen, für sie jedenfalls. Ich gebe ihr zwei US$, also einen 25%igen Aufschlag, was sie freut, aber nicht zu geänderter Interpretation veranlasst. Eine nicht korrumpierbare Wahrsagerin ... Ich stehe sehr langsam auf. Meine Lehrerin hat den Eindruck, dass sie mich trösten und sogar stützen muss. Was für ein merkwürdiges Gefühl hat mich da gerade erwischt! Tja, die Wahrheit liegt in den grünen Blättern, vielleicht. Demnächst werde ich erfahren, wie weit ich kambodschanischen Wahrsagerinnen vertrauen kann - und das werde ich euch natürlich wissen lassen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 27. Juni 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-871397974657005127?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/871397974657005127'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/871397974657005127'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2008/06/die-zukunft-aus-grunen-blattern.html' title='Die Zukunft aus grünen Blättern'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/StjS7t5ZIyI/AAAAAAAABWU/FFb2qNm2x4M/s72-c/DSCN1498_Jun08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-6485527970193794520</id><published>2008-05-31T03:37:00.001+06:00</published><updated>2009-10-17T03:39:43.736+06:00</updated><title type='text'>Ein Ausflug in die Vororte von Phnom Penh</title><content type='html'>Mai 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ein Ausflug in die Vororte von Phnom Penh.&lt;br /&gt;Die Müllhalde von Stung Mean Chey.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/Stjn2vG44jI/AAAAAAAABWg/5Yt80DY3Riw/s1600-h/DSCN9120_Mai08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;width: 300px; height: 400px;" src="http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/Stjn2vG44jI/AAAAAAAABWg/5Yt80DY3Riw/s400/DSCN9120_Mai08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5393315481320481330" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Mit meinem Tuk-Tuk-Fahrer, Herrn Thi, habe ich über die Monate ein Ritual entwickelt: Wir machen gemeinsam regelmäßige Wochenend-Ausflüge in die unmittelbare Umgebung von Phnom Penh. Meist sind das Orte, die Herr Thi noch nie gesehen hat und über die ich auch recht wenig weiß. Für uns beide gibt es bei diesen kleinen Reisen oft überraschende Momente, doch selten Enttäuschungen, weil ich Herrn Thi inzwischen erfolgreich überzeugt habe, dass er einfach mal nach dem Weg fragen kann und dass das keine Schande ist. Und so kommen wir zumeist ohne längere Umleitung am Ort unserer Wahl an. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Das Wochenend-Ritual läuft gewöhnlich so ab: Am Freitagnachmittag schickt mir Herr Thi per SMS seine Anfrage, diskret verpackt. "good morning mrs hov are you today? are you working dismorning? thanks see you soon" Ich texte zurück: Ob er mich vielleicht am Sonnabend um 9 Uhr von zu Hause abholen könne? Dann erreicht mich in Windeseile seine Antwort: "noprvlem", womit gemeint ist, dass er das natürlich unproblematisch einrichten könne. Ich weiß inzwischen: Er bringt seine Frau gegen 8 Uhr in die Textilfabrik und ist danach frei.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In diesem Mai hat es erstaunlich wenig geregnet, deshalb begeben wir uns weiterhin auf staubige Straßen. Doch diesmal wird es nicht nur ein staubiger Ausflug, denn ich will mir einen Ort angucken, der normalerweise nicht auf der touristischen Agenda steht: die Müllkippe von Stung Mean Chey, vor den Toren der Stadt. Dafür gibt es einen aktuellen Anlass: Phnom Penh stinkt in den Mai-Himmel, noch mehr als üblich. Wir haben Verhältnisse wie in Neapel. Allerdings scheinen die Ursachen weniger mafiöser Natur zu sein, aber wer kann das schon wissen. Jedenfalls ist der Gouverneur von Phnom Penh sauer auf den privaten Stadtreiniger Cintri. Es stinkt ihm im Sinne des Wortes, und er droht der Firma, dass Angestellte der Stadtverwaltung eingesammelte Abfälle auf dem schmucken Cintri-Firmenrasen zwischenlagern würden, wenn nicht sofort etwas passierte. Das Ultimatum läuft am 23. Mai ab.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Cintri schloss mit der Stadtverwaltung im Jahr 2002 einen Vertrag für den Zeitraum von 49 Jahren, mit dem Inhalt, 90 % des städtischen Mülls zu beseitigen. (Die Vertragsdauer kommt mir außergewöhnlich lang vor - doch sollte ich sie als positives Zeichen deuten: als Beweis für das Vertrauen in die Beständigkeit des hauptstädtischen Lebens, die Effizienz der Stadtverwaltung und die Effektivität der Privatwirtschaft.) Doch seit Vertragsbeginn ist zwischen Stadt und Stadtreinigung ungeklärt, in wessen Verantwortungsbereich die Müllkippe und die Zufahrtswege fallen. Ein Entwicklungshelferkollege erzählte mir, dass vor ungefähr zehn Jahren kambodschanische Abfallexperten in Deutschland ausgebildet worden seien. Denn Müll ist ja nicht gleich Müll, vielmehr eine wahre Wissenschaft, was wir spätestens mit der Einführung des grünen Punktes und der gelben Tonne gelernt haben. Nach Rückkehr in ihre Heimat sollten diese Experten sich auch um die Mülldeponien von Phnom Penh kümmern. Doch was der Cintri-Geschäftsführer über den Zustand der Abfalldeponie zu sagen hat, klingt nicht nach Entwicklungshilfeerfolg: Die Deponie entspreche nicht internationalen Standards. So seien die Zufahrtsstraßen so uneben, dass regelmäßig Müllfahrzeuge umkippten, während andere sich platte Reifen holten wegen des hohen Anteils an "Altmetall auf den Straßen". Was der Cintri-Geschäftsführer nicht erwähnt, sind die Menschen, die den Abfall ihren Arbeitsinhalt und die Mülldeponie ihren Arbeitsplatz und ihr Zuhause nennen. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Schon morgens schrecken sie mich aus dem Schlaf: die Lumpensammler von Phnom Penh. Denn tatsächlich gibt es hier ein Mülltrennungssystem, wenn auch rudimentär; Flaschen, Dosen und Papier werden gesondert eingesammelt. Einzeln ziehen sie mit ihren Holzkarren durch die Straßen und machen auf sich aufmerksam mit einem speziellen Lumpensammler-Erkennungston. Der wird mit einer Plastikflasche produziert, die, zwei- bis dreimal zusammengedrückt, Laute hervorbringt wie ein gelbes Badewannen-Quietsche-Entchen, bloß viel eindringlicher. Im Karren wird alles transportiert, was man für den Tag braucht: ein Getränk, eine Plastiktüte mit bereits gekochtem Reis, ein Schweißtuch, eine Waage für das Gewicht des Sammelgutes, schließlich das Sammelgut selbst. Es sind viele Frauen unterwegs, manche haben ihr Kind in den Karren gesetzt. Einer dieser kleinen Schmutzfinken streckt mir strahlend die Plastikpuppe entgegen, die die Mama wohl aus dem Müll gefischt hat. Die Puppe hat blonde Locken und blaue Augen und wird nach der Vorzeigeaktion sofort wieder von ihrer kleinen Puppenmutter fest an die Brust gedrückt. Glück ist eine Puppe im Arm und eine Mama in der Nähe ...&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Herr Thi muss mehrmals nach dem Weg zur Müllhalde fragen. Plötzlich sind wir da - kein Zaun, keine Mauer, keine Einlasskontrolle. Wo sich die ungeplasterte Straße leicht anhebt, hinter einfachen Häusern und Holzhütten, erstreckt sich die Müllkippe: so weit das Auge reicht - eine hügelige Landschaft aus alten Plastiktüten - farbenfrohe Fetzen und graue Masse, Undefinierbares, baumlos, aber sehr lebendig - auf dem Müll wird gelebt. Ich verlasse meinen bequemen Platz hinter Herrn Thi und laufe den Weg hinauf. Wie ein Eindringling fühle ich mich und wie ein Voyeur. Ein Junge, dessen Alter ich nicht schätzen kann, hockt am Boden und zieht mit einem Metallgegenstand aus einem Holzbrett Nägel, die er neben sich aufreiht. Zwei Männer in Gummistiefeln und Topfhüten grinsen mich an. Sie stehen an einem Wägelchen, einem Verkaufsstand auf Rädern, hinter dem ein dicker Khmer Sirup auf klein gestoßenes Eis tropfen lässt: Er ist der Eismann der Müllkippe. Ein paar Meter weiter brät eine Frau Nudeln auf einer kleinen Pfanne, es ist Mittag. Zwei nackte kleine Jungen gucken mich fast ängstlich an und klammern sich aneinander, der eine ballt die linke Faust um einen gelben Keks. Den Weg hinauf ziehen Karren mit Sammelgut. Dann rumpelt ganz langsam, eine große Staubwolke hinter sich lassend, ein grüner Cintri-Müllwagen an mir vorbei. Hoffentlich kippt er nicht um. In einer Holzhütte, eigentlich einem Bretterboden auf Stelzen mit einem Wellblechdach darüber, ohne Wände, sitzen zwei alte Frauen und beobachten mich mit ausdruckslosen Gesichtern. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Und überall wuseln Menschen herum, die Teile der Deponie umschichten, umdrehen, umpflügen, manchmal mit Schaufeln, Latten oder Metallstangen, manchmal mit bloßen Händen. Nach welchem System der Müll hier "bearbeitet" wird (wenn denn der Aysdruck "Bearbeitung" überhaupt zutrifft), erschließt sich mir nicht. Was ich aber deutlich erkennen kann: Es wird gearbeitet.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen hat sich der Himmel zugezogen. Die graue Landschaft wirkt noch grauer. Es regnet bald in feinen Tropfen, niemand außer mir scheint das wahrzunehmen. Ich habe einen guten Grund, zu Herrn This Tuk-Tuk zurückzulaufen. Der Weg ist bald feucht und glitschig, keine schöne Vorstellung, hier auszurutschen. Ich achte sorgfältig darauf, wohin ich die Füße setze. So fällt mein Auge auf ein chinesisches Schriftzeichen, aufgedruckt auf etwas, das früher vielleicht einmal ein Sack war. Das Zeichen ist das einzig für mich Entzifferbare, Verstehbare in der großen Dekonstruktion um mich herum. Es heißt "xiāng", 香, auf deutsch "Duft". Ja, erstaunlich - gestunken hat es hier nicht. Oder habe ich einfach nicht aufgepasst?&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 11. Juni 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-6485527970193794520?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/6485527970193794520'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/6485527970193794520'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2008/05/ein-ausflug-in-die-vororte-von-phnom_31.html' title='Ein Ausflug in die Vororte von Phnom Penh'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/_8F32gp6Twg0/Stjn2vG44jI/AAAAAAAABWg/5Yt80DY3Riw/s72-c/DSCN9120_Mai08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-4318715771749570085</id><published>2008-04-28T19:27:00.003+06:00</published><updated>2009-10-17T03:41:04.820+06:00</updated><title type='text'>Drei einfache körperliche Phänomene</title><content type='html'>April 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Drei einfache körperliche Phänomene.&lt;br /&gt;Ich bin bedingt tropentauglich.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp1.blogger.com/_8F32gp6Twg0/SBzjof56YNI/AAAAAAAAAhQ/37NKI46eWew/s1600-h/DSCN0085_Apr08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.JPG"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_8F32gp6Twg0/SBzjof56YNI/AAAAAAAAAhQ/37NKI46eWew/s400/DSCN0085_Apr08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5196278354977382610" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Angeblich gewöhnt der Mensch sich an alles. Ich solle mich mal nicht so anstellen, das mit der Akklimatisierung brauche Zeit, gelinge aber immer: So sagten mir weitaus längerfristig hierlebende Nicht-Kambodschaner. Ich will ja nicht rechthaberisch sein, jedenfalls nicht dauernd: An manches gewöhne ich mich keineswegs. Ob ich will oder nicht, mein Körper macht einfach nicht alle Anpassungsprozesse mit. Das stelle ich im hitzeintensiven Monat April, meinem inzwischen zweiten, zu meiner Selbstbestätigung, mit partieller Zufriedenheit, fest. Na bitte, dahamwirs, habbichjagleich ... und so weiter.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;1. Phänomen: Ich verflüssige mich.&lt;br /&gt;Ein ganz normaler Arbeitstag, Mitte April. Ich sitze zur gewohnten Zeit, um 6.30 Uhr, mit meiner Teetasse am Frühstückstisch und gucke mir zu. Auf meinem T-Shirt entsteht ganz von selbst und kreisrund der erste Schweißfleck des Tages. Es fäng mit etwas Kribbeln an (als naturwissenschaftlich versierte Beobachterin greife ich noch nicht ein) und wird dann langsam immer sichtbarer als dunkles Rund auf der Baumwolloberfläche. Natürlich lässt sich das Phänomen auch direkt in seiner Entstehung erleben. Ich setze also die Teetasse ab, hebe das T-Shirt und betrachte meinen Bauch: Es ist wie bei der Geburt einer Quelle. Es tut sich was im Untergrund, es dringt hervor. Das Kribbeln verdichtet sich zu kleinen Perlchen, die sich zunächst an der Epidermis festklammern und schließlich, von der Schwerkraft besiegt, ein zögerliches Rinnsal bilden. Nun muss ich doch aktiv werden: Nichts ist unangenehmer als eine feuchte Unterhose, bevor das Frühstück eingenommen ist. So wische ich mit meinem Schweißtüchlein, meinem wichtigsten Utensil nach der Brille, hier und da, während es inzwischen an anderen Stellen zu ähnlichen Quell-Reaktionen kommt. So tropft es in die Ohren und rinnt mir in den Nacken. Im Monat April braucht mein dünnes Haar Stunden zum Trocknen. Sobald ich mein klimatisiertes Büro erreiche, setzt jedoch der Normalisierungsprozess ein: Eine Totalverflüssigung habe ich zum Glück noch nicht erlebt.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;2. Phänomen: Ich bin ein Lebensmittel.&lt;br /&gt;Dass wir Menschen immer denken, wir wären am Ende der Nahrungsmittelkette und uns könnte keiner, ist eine lächerliche Fehleinschätzung. Ich jedenfalls bin ein überaus beliebtes Nahrungsmittel, ein permanent nachwachsender Rohstoff, eine Vor-, Haupt- und Nachspeise für sämtliche Moskitos der Umgebung. Es gibt Abende, da kann ich einfach nicht mehr, außer vor Wut heulen: Ich will nicht mehr angeflogen, bekrabbelt, gepiekst und ausgesaugt werden! Ich will nicht mehr Anti-Mückensprays auf meinen Schienbeinen und Anti-Moskitocreme auf den Armen haben - ich will einfach nur in Ruhe vor mich hinsitzen, gern auch draußen, denn es ist ja eine dieser lauschigen Nächte, wo das Thermometer noch oberhalb der 30 Grad-Marke weilt und nach denen wir uns in der kalten deutschen Heimat so sehnen. Aber hier habe ich keine Ruhe: Die Insektenwelt hat sich bereits das Lätzchen umgebunden und stürzt mit erhobenem Besteck auf mich zu. Seufz. Will ich nicht aufgefressen werden, bleibt mir die Wahl zwischen Autan ("kühlt und erfrischt die Haut") für draußen und Raid ("fast kill everywhere with Lemon Fragrance") für drinnen. Was hätten Sie gewählt ... &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;3. Phänomen: Ich  v e r l a n g s a m e.&lt;br /&gt;Früher hielt ich mich für eine geborene Rennmaus. Treppensteigen war mir unproblematisch, und "ich komme mal geflitzt", war keine Redewendung, sondern meine liebste Fortbewegungsmethode.  D e m   i s t   n i c h t   m e h r   s o. Bei steigenden Temperaturen fange auch ich an, die Langsamkeit zu entdecken und auf einheimisch  z u   l a t s c h e n  und  z u   s c h l ü r f e n. Auch wenn es nicht schweißtreibend wäre: Selbst wenn ich wollte, ich könnte mich gar nicht schnell bewegen. Ein natürlicher Selbstschutz setzt ein, der nicht nur die Waden vor der Überhitzung rettet, sondern vor allem das Gehirn. Das Empfangen und Senden von Nachrichten reduziert sich ohne mein bewusstes Zutun auf ein Minimum. Ich verstehe plötzlich, warum meine hiesigen Rechnungsprüferkollegen ab Khmer-Neujahr keine Dreisatzaufgaben mehr lösen können (wenn sie denn überhaupt das Mathematik-Problem an sich erkennen). Das Gehirnkastel wird vor allzu viel Akrobatik geschützt, das Programm schaltet sich jetzt um - auf freundliches Grinsen. Was ich noch sagen wollte ... Wahrscheinlich wollte ich ja nichts sagen. Ich lächele euch einfach freundlich zu, betrachte die Mücke auf meinem Handrücken (was sie da wohl zu suchen hat?) und lasse den Schweißtropfen von der Nase perlen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wenn die gelben Blütentrauben der Straßenbäume mein Auge erzücken und die unreifen Mangos des Nachbarn mit Gepolter auf mein Dach fallen, dann tue ich mich schwer mit dem April. Er ist in Kambodscha des Jahres heißester Monat.   &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 27. April 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-4318715771749570085?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/4318715771749570085'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/4318715771749570085'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2008/04/drei-einfache-krperliche-phnomene.html' title='Drei einfache körperliche Phänomene'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_8F32gp6Twg0/SBzjof56YNI/AAAAAAAAAhQ/37NKI46eWew/s72-c/DSCN0085_Apr08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.JPG' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-5756490914472850528</id><published>2008-03-31T19:47:00.005+06:00</published><updated>2009-10-17T05:26:44.229+06:00</updated><title type='text'>Der Gott der Betonformteile</title><content type='html'>März 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der Gott der Betonformteile.&lt;br /&gt;Ein Ausflug in Kambodschas Sakral-Bauindustrie.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/SAOYdYP9skI/AAAAAAAAAac/Zh872DIv3nM/s1600-h/DSCN3569_Mar08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/SAOYdYP9skI/AAAAAAAAAac/Zh872DIv3nM/s400/DSCN3569_Mar08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5189158826153980482" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Es muss einen geben – und der ist mit Sicherheit Kambodschaner: der Schutzgott der Betonindustrie. Da ich seiner offenbar als erste gewahr geworden bin, darf ich ihm auch einen Namen geben. Das ist schlieβlich das Verdienst eines jeden Entdeckers. Ich nenne ihn also: Preah Beton. “Preah” ist ein schönes Khmer-Wort und bedeutet soviel wie heilig oder göttlich. Die Eigenschaft der Heilig-Göttlichkeit fängt bereits bei der königlichen Familie an und hört beim Buddha auf, dem Preah Bodh. Der Premierminister, der schon andere Ehren-Titel trägt, wird von diesem zur Zeit noch ausgeschlossen. Das kann sich schon bald ändern. Im Juli wird gewählt. Geht alles erwartungsgemäβ vonstatten, dann werden die Regierenden fester als jetzt im Sattel sitzen, und wer weiβ, was dann noch heilig bleibt und bald schon göttlich wird. Preah Beton derweil wacht über die Zementierung des Landes. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Täglich finde ich neue Spuren seines vielfältigen Wirkens. Sein Einsatzort: überall im Königreich. Sein Spezialgebiet: Formteile. Sein Lieblingsprodukt: Buddha-Statuen und ähnlich Sakrales. Sein bevorzugtes Protektorat: Tempel-Neubauten und Tempel-Renovierungen (Innenräume und Auβenflächen). Obwohl auch Profanbauten sich gern unter seinen Fittichen scharen, werde ich diesen Aspekt für heute auβer Acht lassen müssen. Er erfordert spezielle Untersuchungen und soll ein anderes Mal behandelt werden. Eine hochinteressante Baustelle habe ich mir dazu schon ausgeguckt, an der Phnom Penhs erster Wolkenkratzer entsteht, geplant mit bescheidenen 42 Stockwerken. Für diesen “Gold Tower 42” lautet der Spruch aus der Werbung (wiedergegeben im Original-Englisch): “The world class skyscraper of residence!” Doch bei über 3.300 bereits fertiggestellten und unzähligen in Bau befindlichen Pagoden erübrigt sich eine Erweiterung meines Untersuchungsobjektes ohnehin. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In einem Land ohne Kirchensteuer, mit vielen gläubigen armen und wenigen sehr reichen Menschen steht das Mäzenatentum für Tempel und Klöster hoch im Kurs. Jeder spendenfreudige Buddhist und jede spendenfreudige Buddhistin interessiert sich ganz nebenbei fürs eigene Beste: So vergröβern sich die Chancen, im nächsten Leben als höhere Lebensform, vielleicht als Säugetier, ja gar als Mensch wiedergeboren zu werden. Ich selbst war im letzten Jahr Augenzeugin einer Sammelaktion für einen Wat und staunte nicht schlecht, als die vielen Scheine ausgezählt waren und die immense Summe von 40.000 US$ (in Worten: vierzigtausend US-Dollar) ergaben. Und all dies Geld, zumindest der gröβte Teil davon, fand seinen Weg in die Betonmischmaschine der Mönche! Der Rohbau einer groβen Halle thront inzwischen über der Tempelanlage.&lt;br /&gt;&lt;p&gt; &lt;br /&gt;Ich danke der deutschen Zement- und Betonindustrie für die simple Erklärung, warum Beton sich in Kambodscha so großer Beliebtheit erfreut:  “Das Grundrezept für Beton ist einfach, und was man für ihn braucht, das liefert die Natur: Zement aus Kalkstein und Ton und als so genannte Gesteinskörnung Sand und Kies und schließlich Wasser. Der Zement spielt dabei die entscheidende Rolle, denn er bildet zusammen mit dem Wasser den Zementleim, der die Gesteinskörnung verbindet und dadurch erst ein hartes Gestein entstehen lässt.” Die Altvorderen der Khmer leerten ihre Steinbrüche schon vor achthundert bis tausend Jahren für Hindugötter- und Buddha-Behausungen, schufen damit das beeindruckende Weltkulturerbe von Angkor und initiierten zugleich eine bis heute andauernde Nachfrage für Kunststein. Denn das einst waldreiche Kambodscha wandelte seine schönsten und größten Bäume längst in revolutionäre AK-47, in nachrevolutionäre japanische Autos und in neuzeitige koreanische Elektrogeräte um, was auch den klassischen Baustoff Holz hat rar werden lassen. Nun bieten sich heimischer Kalk, Ton, Sand und Kies zur Ausbeute an, und zu ihrer Gewinnung verschwinden bereits überall im Königreich die kleinen Berge: Sie werden einfach abgebaggert und zu Beton verarbeitet, damit bald jedes Dorf seinen eigenen Wat besitzt, vielleicht auch zwei oder mehr, je nach Spendenfreudigkeit. Ich bin kürzlich von Phnom Penh nach Battambang gefahren und konnte es rechts und links der Nationalstraße 5 gut beobachten: Ein Tempel-Eingangsbogen (aus Betonformteilen) folgt dicht auf den anderen; die kleinen, ringsum verstreuten Hügelchen, längst schon entwaldet, sind zur Hälfte abgetragen und werden sich bald dem Land der Reisfelder angleichen, das sich platt und überschaubar bis zum Horizont erstreckt, von nur wenigen Königspalmen überragt.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Nun will ich keineswegs einem betonsparenden Atheismus zum Munde reden: Das buddhistische Kambodscha erfährt durch seine Pagoden eine unschätzbare Bereicherung, weil diese nicht nur der Besinnung und der Buddha-Verehrung dienen, sondern auch Zufluchtstätten für Mittellose, Alte und Kranke sind, Gemeinschaftszentren für die Dorfbevölkerung, Bildungsstätten für Kinder und Wissbegierige. Doch wenn ich all diese Bauaktivität sehe, dann zweifle ich die Maxime an: Beton unter allen Umständen! Beton unter allen Umständen? Und so viel davon? Auch wenn einfacher, kostengünstiger, haltbarer oder schlicht ästhetisch ansprechender produziert werden könnte? Es wird fast ohne Ausnahme alles aus Beton gemacht, möglichst gern als praktisches Formteil: die Tempelmauereinfassung und die Dekorationsteile auf der Mauerkrone, die karyatidengleichen Figürchen, die an den Hallenwänden hängen und  die Dächer mit dünnen Ärmchen zu stützen suchen, die Schmuckbänder der Stupas. Dabei werden die Muster der Altvorderen aus Angkor eingehalten, denn hier lebt in allem die Wiederholung des ewig Gleichen, gern auch simplifiziert: So sind alle Tempel-Anlagen mit identisch aussehende Nagas (Wasserdrachen) verziert, und die Buddha-Statuen scheinen geklont. Unbeschränkt Phantasievolles ist nur bei Ausflügen in den Nicht-Khmer-Mythenraum erlaubt, z.B. bei der Fabrikation von Meerjungfrauen (!), griechischen (!) Athleten und chinesischen Fabeltieren (!), die – aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen – Eingang in den Tempel-Skulpturengarten gefunden haben. Qualitätsansprüche ans Material zu stellen, wäre allerdings verwerflich. Die deutschen Normen erfordern schlieβlich ein ernsthaftes Ingenieurstudium, dafür ist es hier viel zu heiβ. So lugen nach wenigen Jahren in kambodschanischer Tropensonne und Monsunregen die Drahtkonstruktionen aus zerbröselnden Artefakten, deren Entstehungsjahr und Stifter fein säuberlich an sichtbarer Stelle (für die Nächstleben-Statistik) vermerkt sind; die Oberflächen platzen auf, und Wehmut stellt sich bei der Betrachtung ein ob dieser längst verblühten Schönheit. Allein, es wird neu produziert, neue Spender sind zur Stelle, und neues Beton wird neben altes Beton gestellt, auf dass einem möglichen Horror vacui schnellstmöglich vorgebeugt sei.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich wiederhole mich: Ich habe an sich nichts gegen Beton. Es ist alles eine Frage der Menge. Die deutsche Zement- und Betonindustrie lobt ihn als “Baustoff des 20. Jahrhunderts”, der “beeindruckende Ingenieurleistungen vom höchsten Gebäude der Welt über gigantische Staudämme bis hin zu Brücken von früher unvorstellbaren Spannweiten” ermöglicht habe und ein “Werkstoff weltberühmter Architekten” sei, die damit “Aufsehen erregende Bauwerke” geschaffen hätten. Und schlieβlich erfreue Beton ja “auch im Kleinen” – “sei es als Gestaltungselement für den Garten, als Kunstobjekt oder Heizkörper”. Nun, mit Heizkörpern zumindest hat man es hier nicht so. Doch wenn die deutsche Zement- und Betonindustrie vorausschauend urteilt: “Die Chancen, dass Beton auch der Baustoff des 21. Jahrhunderts wird, stehen gut”, so kann ich nur zustimmen. Kambodschas Sakral-Architektur spricht für sich: kein Zweifel, Preah Beton ist der erfolgreichste Schutzheilige dieses Landes.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 8. April 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-5756490914472850528?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/5756490914472850528'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/5756490914472850528'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2008/03/der-gott-der-betonformteile.html' title='Der Gott der Betonformteile'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/SAOYdYP9skI/AAAAAAAAAac/Zh872DIv3nM/s72-c/DSCN3569_Mar08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-1765234800821258330</id><published>2008-02-29T17:24:00.002+06:00</published><updated>2009-10-17T05:27:37.210+06:00</updated><title type='text'>Die Ratte kömmet</title><content type='html'>Februar 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Ratte kömmet.&lt;br /&gt;Ganz Phnom Penh im Chinatown-Kostüm.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp0.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R9CaDkpwT9I/AAAAAAAAAZI/8MzHdz-nRKQ/s1600-h/DSCN7310_Feb08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R9CaDkpwT9I/AAAAAAAAAZI/8MzHdz-nRKQ/s400/DSCN7310_Feb08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5174805358017794002" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen habe ich einen Mehrzweck-Kalender in Mehrfach-Sprachen. Die Neujahrserfahrungen des vergangenen Jahres, über die ich in meinem April-Bericht nachdachte, waren der Anlass für diese überaus nützliche Anschaffung: Ein nur auf den ersten Blick simpler Abreisskalender informiert mich täglich über das Datum (laut gregorianischem Jahr, Khmer- Buddha-Zeitrechnung und chinesischem Mondkalender) und gibt mir wesentliche Lebenshilfen ("Drachen-Geborene müssen heute besonders vorsichtig sein - der Tag ist als Hunde-Tag für Drachen inkompatibel", "Heute nicht zum Friseur gehen – der Mond verbietet Haarschnitt und Hochzeit" – wir kennen das aus dem Bäckerblumen-Horoskop und wissen damit hinreichend Sinnvolles anzufangen). Leider sind die täglichen Überlebenstipps nicht ins Englische hinübergerettet – aber inzwischen besitze ich ausreichend Lehrpersonal, das mich bei der praktischen Umsetzung aus Khmer-Nudelschrift und China-Langzeichenpinselei berät. Ich fühle mich in geradezu leichtsinniger Weise polyglott.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der 7. Februar 2008 leuchtet mich aus meinem Kalender in ekstatischen roten Zeichen an: CHINESISCH!!! NEUJAHR!!! Das 2007er Schwein darf zurück ins Schlammbad; der neue Zwölf-Jahreszyklus beginnt 2008 mit einem Nager, der in der deutschen Übersetzung sowohl "Maus" als auch "Ratte" heiβt. Den Chinesen ist das eine wie das andere "lăo shŭ" 老鼠. Und siehe da – kurz vor dem Festtag hängen Micky- und Minimaus-Papierbildchen an Heim und Hof und bebrillte Leseratten-Konterfeis bei den Nachbarn, anything goes. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Plötzlich entdeckt Phnom Penh seine chinesischen Familienbande. Wie flächendeckend hier das chinesische Neujahrsfest gefeiert wird, war mir im letzten Jahr so gar nicht aufgefallen. Auf einmal ist jeder Phnom Penhese irgendwie mit chinesischen Vorfahren oder engsten Verwandten gesegnet, was sich (und/oder/auch) mit den drei Feiertagen (mehr oder weniger offiziell, aber rot in meinem Kalender vermerkt) erklärt. Rote Papierlampions schmücken sogar die kleinste Hütte, Spruchbänder mit Wünschen für ein langes Leben und viel Gesundheit (in goldenen chinesischen Schriftzeichen) kleben rechts, links und über den Eingängen von Geschäftsräumen und Wohnungen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Man muss sich auf die Festlichkeiten gut vorbereitet haben, sonst wird man böse überrascht: Die Feiertage werden auch von den Straßenhändlern und Restaurants wahrgenommen, und das heisst: (Fast) alles wird dicht gemacht für eine gute Woche. Wer sich nicht auf Vorrat versorgt hat, mag vor der verschlossenen Tür des Lieblingsrestaurants mit leerem Magen (ver)enden. Auf dem O'Russei-Markt sind die Händler zu 95 % Sino-Khmer und beim Olympischen Markt zu 80 %. Von den 2.800 Händlern des bekanntesten Marktes in Phnom Penh, dem Psah Thmei (Touristen ist er unter dem Namen "Central Market" bekannt), wollen die meisten über die Feiertage nicht arbeiten, egal, ob chinesisch verbandelt oder nicht – so die englischsprachige Tageszeitung "The Chambodia Daily" vom 7. Februar 2008. Dafür machen die, die ihre Stände geöffnet halten, gute Geschäfte: Ich staune nicht schlecht, als meine Drachenfrüchte plötzlich doppelt soviel kosten sollen wie sonst. "Chinese New Year!", grinst die Verkäuferin, sie hat das Monopol und ich das Nachsehen.   &lt;br /&gt;&lt;p&gt;     &lt;br /&gt;Meine Khmer-Lehrerin Kamrang hat natürlich auch ganz viel chinesisches Blut, die Großmutter kam aus China, und so weiss Kamrang auch, wie "die" Chinesen in Kambodscha ihr Neujahrsfest begehen. Sie hat Glück: Sie wohnt in Takmao, vor den Toren von Phnom Penh, wo einer der grössten chinesischen Tempel der Region seine Dienste anbietet. Bevor ich mich dorthin begebe, betreibe ich ein wenig chinesische Ahnenforschung.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Kambodscha beherbergt chinesische Gäste und Einwanderer seit ungefähr 2.000 Jahren, so dass Chinesisches in diesem südostasiatischen Land mehr oder weniger versteckt überall anzutreffen ist: im Aussehen seiner Menschen, in der Kleidung, auf dem Speiseplan, in der Sprache und auf den Blechschildern der Läden. Es gibt berühmte Reiseberichte wie die von Zhōu Dá Guān周达观, der das Land im Auftrag seines Kaisers um 1296 n.Chr. bereiste. Angehörige von fünf Dialektgruppen aus Südchina nennen Kambodscha seit langem ihre Heimat: Teochiu, 潮洲(cháozhōu); Kantonesen, 广东 (guăngdōng); Hainanesen, 海南 (hăinán); Hokkien, 福建  (fújiàn); und Hakka, 客家(kèjiā). Alle brachten ihre unterschiedlichen kulturellen Gepflogenheiten mit und versuchten, sie zu erhalten. Nach Unterdrückung und Verfolgung unter dem Lon Nol-Regime und Pol Pots Khmer Rouge gründeten sie inzwischen neue Schulen und landsmannschaftliche Vereine und eröffneten ihre Tempel wieder. Doch sprechen nicht mehr alle chinesisch, und das Beherrschen der Schrift ist auch nicht mehr selbstverständlich. Wenn die Kleinen auf eine der vielen chinesischen Privatschulen geschickt werden, erlernen sie dort eher das Beijinger Hochchinesisch anstatt eines südchinesischen Dialektes. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Volksrepublik China gehört zu den gröβten Geberländern in der hiesigen  Entwicklungszusammenarbeit, macht dies aber weniger publik als die anderen. Der kambodschanische Ministerpräsident muss sich ihr gegenüber zu Menschenrechtsverstöβen und dem Fehlen eines Anti-Kooruptionsgesetzes nicht erklären, nur auf die Einhaltung der Ein-China-Politik im Hinblick auf Taiwan legt der groβe Nachbar Wert. Zum Monatsbeginn stattete der chinesische Auβenminister Yang Jiechi dem Land einen Besuch ab, und es wird gemunkelt, dass der kambodschanische  Informationsminister sich täglich in die chinesische Botschaft zum Lunch einladen lässt.     &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich nehme ein Tuk-Tuk nach Takmao, eines dieser ganz wunderlich-praktischen Beförderungsmittel aus Motorrad-cum-Anhänger, mit denen man überall in Südostasien innerhalb eines 50 km-Perimeters wunderbar verkehren kann. Mein Tuk-Tuk-Fahrer, Herr Thi, mit niemand aus China verbandelt und insofern für diese Fahrt kulturell neutral, hat natürlich keine Ahnung, was es in Takmao alles an wunderbaren Orten gibt. Von einem großen chinesischen Tempel dort hat er noch nie etwas gehört. Das ist absolut normal. Solche Unwissenheit stört weder Fahrer noch Fahrgast. Doch damit aus den geplanten 20 motorisierten Minuten keine langen Stunden werden, muss ich darauf beharren, dass mein Tuk-Tuk-Fahrer nach dem Weg fragt. Das macht er nicht so gern, ich weiss. Dabei ist es – wie sich bald herausstellt - gar nicht schwer: geradeaus nach Süden und am Fluss Tonlé Bassac entlang, bis es am rechten Straßenrand so richtig lebendig wird. Dort ist DER chinesische Tempel.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In China wird das Neujahrsfest leichtsinnigerweise "Frühlingsfest" genannt, obwohl es dann im Norden wie zum Beispiel Beijing noch empfindlich kalt und winterlich sein kann. Hier heisst es einfach nur "Chinesisches Neujahr" und findet bei hochsommerlichen Temperaturen statt. Die Tempelgötter in Takmao sind keine Buddhas, sondern südchinesische Lokal-Heiligkeiten und werden von ganzen Familien umlagert, die ich bei näherer neugieriger Betrachtung als nicht so besonders chinesisch empfinde. Es sind einfach auch sehr viele. Gern trampeln mir die lieben Kleinen auf den großen Zeh, sie haben ja sonst nichts zu tun – stille Andacht und inniges Gebet sind jetzt nicht auf der Agenda. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Es ist eh schon so heiss, und dann werden auch noch überall rote Kerzen angesteckt. In kleinen Öfen brennt goldbedrucktes Totengeld (damit sich die Verwandten im Jenseits mal wieder etwas leisten können) und hebt die Temperatur zusätzlich an. Die Weihrauchspiralen, die von der Decke hängen, verbreiten einen blindmachenden Rauch. Und so gerate ich im Gedränge in akute Atemnot. Ein junger Tempelangestellter, der ein wenig für Ordnung sorgt (er achtet darauf, dass umfallende Kerzen den bunten Gewändern der Tempelgötter fern bleiben), hat's richtig gemacht: Er trägt eine Sonnenbrille, an deren Bügeln er elegant einen nassen Waschlappen als perfekten Mundschutz befestigt hat.  &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wieder zurück in Phnom Penh, geht das bunte Treiben weiter, aber punktuell, und ich muss gut aufpassen, will ich einen Löwentanz erwischen. Nur die sehr reichen Geschäftsleute engagieren zur Belustigung ihrer Kundschaft solche Löwentanzgruppen mit ganzen Spielmannszügen und lassen sie vor und in den Geschäften herumspringen. Das dauert dann ungefähr eine lustige  Viertelstunde: Der Vorderteil-Löwentänzer schwingt den Pappmaché-Kopf wie ein sehr wilder Löwe sehr wild hin und her, während der Hinterteil-Löwentänzer versucht, den taktvollen Anschluss und seine andere Hälfte nicht zu verlieren. Wenn beide Tänzer (also der gesamte Löwe) ermattet sind, stellen die Musikanten ihre Paukerei und Gongerei ein, und alle ziehen zufrieden ab. Ich empfinde viel Bewunderung für solche Khmer-Löwen chinesischer Prägung: Bei Minustemperaturen ist dieses schweißtreibende Geschäft nicht halb so anstrengend wie in der Tropenhitze, bei einem Volk, das nicht einmal gern zu Fuß geht. Ich latsche glücklich heim und werfe einen abschlieβenden Blick in mein Jahreshoroskop. Dort steht: Die Erd-Ratte ist gut zum Wasser-Drachen, also mir. Mein Vermieter jedenfalls war schon gut zu mir. Auf dem Esstisch finde ich seinen Neujahrsglückwunsch und einen Teller mit Mandarinen. Die orangefarbene Schale der Früchte wird am Neujahrstag mit Gold und Reichtum assoziiert – so will mir mein chinesischstämmiger Vermieter fürs neue Jahr wünschen: gōng xĭ fā cái! 恭喜发财!    &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 3. März 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-1765234800821258330?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/1765234800821258330'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/1765234800821258330'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2008/03/die-ratte-kmmet.html' title='Die Ratte kömmet'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp0.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R9CaDkpwT9I/AAAAAAAAAZI/8MzHdz-nRKQ/s72-c/DSCN7310_Feb08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-3989685137907600927</id><published>2008-01-31T17:09:00.001+06:00</published><updated>2009-10-17T05:28:15.320+06:00</updated><title type='text'>Die ganze Stadt auf Rädern</title><content type='html'>Januar 2008. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die ganze Stadt auf Rädern.&lt;br /&gt;Alles dreht sich um den fahrbaren Untersatz.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64PV5DIs9I/AAAAAAAAAXo/kxh5MqNit1k/s1600-h/01_DSCN1638_Jan08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64PV5DIs9I/AAAAAAAAAXo/kxh5MqNit1k/s400/01_DSCN1638_Jan08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165082691406181330" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Morgens kann man Fußgänger in Phnom Penh beobachten. Sie sind nicht  zu übersehen, denn sie tragen leuchtend orangefarbene Gewänder und - wenn das Wetter es erfordert, d.h. bei Sonnenschein und bei Tropenregen - strahlend gelbe Schirme. Der Anblick ist überall in Südostasien ein großes Vergnügen für die Touristen und harsche Realität für die Betroffenen: Buddhistische Mönche erbetteln sich ihr täglich Brot, also ihre Tagesration Reis. Was immer ihnen gegeben wird, wandert in ihren krugartigen Speisetopf. Den tragen sie am Gurt über der Schulter wie ich meine Handtasche. Sie müssen vor 12 Uhr mittags die letzte Mahlzeit, die für manche die einzige ist, gegessen haben und gehen deshalb zum Frühstückfassen früh aus dem Haus. Nach den strengen Ordensregeln dürften sie dabei nicht einmal Schuhwerk tragen. Doch zum Glück setzen sich die meisten in Phnom Penh darüber hinweg: Gesund kann nämlich ein Barfuß-Spaziergang über diese Gehwege und Fahrdämme nicht sein, die als flächendeckender Mülleimer betrachtet, aber weniger häufig als unsere Abfalltonnen daheim gesäubert werden. Abgesehen von den Mönchen, einigen Schulkindern, Bettlern, verträumten Urlaubern aus wohlhabenden Ländern und mir meidet der durchschnittliche Phnom Penhese den Gehweg, außer er sitzt bereits auf einem Fahrrad oder Moped, vorzugsweise in einem Auto, das gern auch etwas größer sein darf. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Warum der Kambodschaner nicht gern läuft – weder an sich noch spaziergangsmäβig zum Vergnügen - erklärte mir ein Kollege ziemlich plausibel: Zum Laufen ist es einfach viel zu heiβ. Ich kann das aus eigener, verschwitzter Erfahrung nur bestätigen. Aber ich – und da scheiden sich halt die Geister und die Körper – muss dem mir eigenen Bewegungsdrang nachgeben, ob das nun schweiβtreibend ist oder nicht. Die kambodschanische Diabetesgesellschaft stellte kürzlich fest, dass Bewegungsmangel, zuviel Salz und zuviel Alkohol zu einer Zunahme von Bluthochdruck- und Zuckerkranken in Kambodscha führen werden: Mehr als 10 Prozent der Über-20jährigen auf dem Land haben Anzeichen von sich entwickelnder Diabetes.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Eine kleine vergnügte Linkspartei verlor einmal die Berliner Wahlen, die für sie durchaus erfolgreich hätten verlaufen können, weil sie sich auf das Thema "autofreie Stadt!" versteift hatte. In Kambodscha käme niemand auf dieses Wahlmotto, weder in Phnom Penh noch in der Provinz ("autofreie Provinz!" – wie albern das klingt ...), jedenfalls nicht, so lange es überhaupt noch irgendwo Sprit gibt. Auch der Premierminister meinte doch wohl bloß scherzhaft, dass die Staatsdiener mit ihrem staatlichen Benzin sparsamer umgehen müssten. Wie sollte man sich ein von ihm angeregtes "car sharing" vorstellen – ein Minister im selben Vehikel wie eine Kindergärtnerin oder ein Grundschullehrer: Das soll doch wohl ein Witz sein, nicht wahr! Nein, nein, Seine Exzellenz wollte uns sicher alle mal wieder zum Lachen bringen, als er mit Blick auf die gestiegenen Rohölpreise am ersten Januarwochenende zum Sparen anregte.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Nach meinen inzwischen einjährigen Beobachtungen, bei denen ich auf vor langer, langer Zeit Gelerntes zurückgreifen konnte (mein erster Lebensgefährte war schließlich Autoverkäufer – da bekommt sogar jemand so Autotumbes wie ich einen Blick dafür!), hat Phnom Penh weltweit die höchste Dichte an Luxuskarrossen. Erst hier lernte ich, was ein Lexus ist: So heiβt die Edeltochter von Toyota, die sogenannte "Luxury Utility Vehicles" produziert. Hier verkauft sich das jeepartige Modell mit Allradantrieb sehr gern. Die kleine Variante RX ab 37.000 US$, die größere (die man weitaus häufiger sieht) kostet schon 67.000 US$ - vor Steuern und Einfuhrzoll, versteht sich. Aber beide Staatseinnahmen führen in Kambodscha sowieso ein Mickerdasein, weshalb auch viele Autos ohne Kennzeichen herumchauffiert werden. Und erst hier konnte ich einen Blick auf einen Hummer werfen. Letzterer ist in diesem Zusammenhang keine mit Mayonnaise genießbare Edelspeise, sondern das Lieblingsfahrzeug des kalifornischen Gouverneurs Arny Schwarzenegger. Es handelt sich um einen militärisch anmutenden Jeep, dessen Listenpreis sechsstellig ist (in US$, nicht in der Landeswährung Riel).     &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Doch es wird – so kann ich die Ökologen unter meinen Lesern beruhigen – nicht nur gefahren in Kambodscha. Besonders das Motorrad verkörpert ein beliebtes Sitzmöbel, das über auch Hängematten-Qualität verfügt. Wie schaffen sie bloß, beim Mittagsschlaf nicht abzustürzen, wenn sie sich auf ihren Mopeds ausgetreckt in ihre Träume versenken. Beeindruckend fand ich auch einen Studenten der Royal University of Cambodia auf der Honda mit seiner auf den linken Ellbogen gestützten Lesehaltung, die Beine elegant abgeknickt, die Schlappen sorgsam neben das Gefährt gestellt. Natürlich fand ich auch hinreiβend - abgesehen von der Haltung -, dass da jemand einfach so liest. Ich kann versichern: Es ist wirklich ein Buch, denn ich habe mich von der anderen Seite der Mauer an den Leser herangepirscht und zuerst nicht wahrgenommen, dass er auf seinem fahrbaren Untersatz sitzt. Von der bunten Welt der Motorrad-Taxis und Tuk-Tuk-Fahrer, der Schweinetransportmopeds (vier Ferkel passen da rauf oder zwei ausgewachsene Borstenviecher) und den Familienmopeds (alle sitzen hintereinander, inklusive Baby und Oma) werde ich ein anderes Mal erzählen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Sehr überraschend und vertraut fand ich eines Abends nach Büroschluss eine Sechserkolonne von Fahrrädern, Marke „Fei Ge“ (Fliegende Taube), Herkunftsland: China, die – tatsächlich! der Klassiker der chinesischen Fahrradproduktion! - anachronistisch und wie selbstverständlich in die Einbahnstraße 51 in verbotener Richtung, doch in geordneter Formation einbog. Da zogen sie an mir vorbei, freundlich grinsende und laut schwatzende Chinesen, unverkennbar, in blauer Arbeitskleidung, einer pfiff vergnügt. Kurzzeitig glaubte ich mich im falschen Land - aber da sind sie schon entschwunden. Und kamen mir so lebendig vor, wie eine kleine verschworene und unerkannt gebliebene Kompagnie auf heimlichem Eroberungsfeldzug. Ob das den steif auf dem Moped und unbeweglich im Auto sitzenden Kambodschanern aufgefallen ist? Achtung, die Chinesen kommen, mit all ihrer Macht auf dem Fahrrad! &lt;br /&gt;&lt;p&gt; &lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 6. Februar 2008.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-3989685137907600927?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/3989685137907600927'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/3989685137907600927'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2008/01/die-ganze-stadt-auf-rdern.html' title='Die ganze Stadt auf Rädern'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64PV5DIs9I/AAAAAAAAAXo/kxh5MqNit1k/s72-c/01_DSCN1638_Jan08AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-462390643759946441</id><published>2007-12-26T19:44:00.002+06:00</published><updated>2009-10-17T05:46:38.662+06:00</updated><title type='text'>Die Hochzeit im ehemaligen Gefängnis</title><content type='html'>Dezember 2007&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Hochzeit im ehemaligen Gefängnis.&lt;br /&gt;Paillettenbustiers, Whiskey im Wasserglas und Kaugummi in Goldpapier.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp1.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64PIZDIs8I/AAAAAAAAAXg/SzF5Q5zxrvk/s1600-h/12_DSCN0724_Dez07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64PIZDIs8I/AAAAAAAAAXg/SzF5Q5zxrvk/s400/12_DSCN0724_Dez07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165082459477947330" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;O je – das ist hier also der Dezember, denke ich. Die KÜHLE Jahreszeit. Und warum steigt das Thermometer wieder auf über 30 Grad??? Es gibt inzwischen Weihnachtsmänner in Phnom Penh (aufblasbar wie Gummitiere fürs Schwimmbad und riesengroß), und in manchen Läden laufen die Verkäuferinnen kichernd mit roten Bommelmützen herum. Den Weihnachtsmann halten sie für den Christengott, und eigentlich ist ihnen (naturgemäβ) unter der Kopfbedeckung viel zu heiß. Ich fühle mich für weihnachtliche Lieder auch zu verschwitzt, obwohl ich tatsächlich mit Kollegen und ihren Familien eine Mekong-Fahrt unter Absingen von "Stille Nacht" und "Morgen, Kinder, wird's was geben" absolviere, ganz zünftig mit selbstgebackenen Plätzchen und Glühwein (jawohl! mit GLÜHwein!). Trotzdem wird mir dieser Dezember nicht deshalb in besonderer Erinnerung bleiben, sondern weil ich zum erstenmal zu einer Hochzeit eingeladen war, bei der die Braut und ihr Gefolge funkelten und glitzerten wie der schönste Baumschmuck bei uns am 24. Dezember. Es war ein Ereignis!    &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich habe zwar keine Erfahrung mit dem Ausrichten der eigenen Hochzeitsfeierlichkeit, aber ich weiβ jetzt definitiv: So einen Herdenauftrieb, wie ich ihn in Phnom Penh erlebt habe, könnte ich als Braut weder kräfte- noch portemonnaiemäßig ertragen. Schon als geladener Gast und nur zum Sitzen und Essen verdonnert, bringt mich die Veranstaltung an den Rand meiner physischen und psychischen Möglichkeiten. Ich werde versuchen, mich in geordneter Folge zu erklären.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Es fängt alles harmlos mit einem zartgelben Umschlag an. Der ist wunderschön in goldener Nudelschrift – man erinnere sich – verziert und führt dann korrekt und mittig, in langweiligen lateinischen Lettern, meinen vollen Vor- und Zunamen auf. Kollege Sothear strahlt mich bei der Übergabe an: "Ich heirate!" Ich kann nicht sagen, ich wäre nicht gewarnt worden – ich habe eine vage Vorstellung davon, was es heißt, in Kambodscha am Ritual einer Hochzeitsfeierlichkeit teilzunehmen. Schließlich stolpert man jetzt alle Nase lang auf dem Bürgersteig über abgesperrte Gebiete: Unter rot-gelben Markisen stehen Tische dichtgedrängt, hier speist das Hochzeitsvolk, das ohne Sondergenehmigung, gern auch tagelang, öffentliches Straßenland bevölkert. Aber meine Einladung zum abendlichen Empfang führt mich in eine besondere Lokalität.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Zum Glück habe ich den Kollegen Reaksmey, der mir die hiesige Welt erklärt und sich damit bei mir eine Goldmedaille als Held der Khmer-Kulturvermittlung verdient hat. Die Einladung ist für den Nachmittag ausgesprochen, da können wir also gleich vom Büro aus hinfahren. Ich packe des Morgens den langen Rock in die Plastiktüte und ziehe mich zu gegebener Zeit auf dem Rechnungshof-Klo um. Während der Gentleman eine kambodschanische Hochzeit auch im Polohemd durchleben darf (nur als Gast, wohlgemerkt – nicht als Bräutigam), wird von dem weiblichen Pendant eine Transformation erwartet, die ich – wie ich bald feststellen werde – nur bedingt erfolgreich absolviert habe. Soviel Beperltes – soviel Vergoldetes – soviel Gerüsche und Geraschel! Zunächst aber gilt es für mich, die Fahrt vom Rechnungshof zum Tatort Hochzeitsrestaurant unbeschadet zu überstehen. Schon bald sitze ich wie Kriemhild auf ihrem Zelter, d.h. im Damensitz auf Reaksmeys Moped. Plötzlich verstehe ich, warum ich so häufig einen einzelnen Damenschuh auf der Straße finde: Mädels, setzt euch doch einfach mal seitlich auf ein Moped und versucht, keinen eurer Latschen zu verlieren. Bedingung dabei ist natürlich, dass ihr nur einen Fuß abstellt. Genau: Eine hohe Erfolgsquote beim Vorweisen der vollständigen Fußbekleidung ist nur bei Erfahrung auf dem Rücken eines Zirkuspferdes garantiert. Die fehlt mir zwar, doch hole ich mir einen leichten Krampf im Spann und keinen Aschenputtel-haften Verlust.  &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;"Weißt du eigentlich, wo wir sind?" fragt mich Reaksmey, als ich, ein wenig steif, von meinem Sitz hinabgleite. Nun ja – dieses Restaurant ist ziemlich riesig, und ich habe keine Ahnung: Im Gegensatz zu mir weiβ jede/r in Phnom Penh, dass das hier einmal ein Knast war. Wie so vieles staatliche Eigentum der prosperierenden Hauptstadt ist auch dieses in private Hände überführt worden. Und so bin ich denn auf meiner ersten Hochzeit ... im Knast. (Nomen est omen?)&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Figuren wie aus dem „Indischen Grabmal“ von Fritz Lang, sprich: wie aus dem Film, stehen als Begrüβungskomitee am Eingang, rechts der Bräutigam und seine Mannen, links die Braut und ihre Jungfern. Während ich Sothear trotz seiner goldverbrämten Uniformjacke noch erkenne, wird mir das beim nächsten Treffen mit der Braut nicht gelingen, wenn sie nämlich wieder wie ein Mensch aussieht. Jetzt trägt sie unter einer strassverzierten Tiara eine Langhaar-Lockenperücke und ist bis zur Unkenntlichkeit geschminkt. Wie man beim Film sagt: Sie war „in der Maske“, eine Khmer-Kleopatra mit falschen Wimpern, weiβ gepudert und rot bewangt. Ihre glänzende Kostümierung ist der Kleidung der Apsara-Schwebeengel aus Angkor nachempfunden – und drei Wechsel der Brokatgewänder werde ich in den knapp drei Stunden meiner Anwesenheit miterleben dürfen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Am Spalier des Brautpaares und seiner Entourage vorbei werden wir ins Innere des Restaurants an einen runden Tisch geführt – und da Reaksmey und ich hier Gast Nr. 9 und Gast Nr. 10 sind (und jeder Tisch für zehn gedeckt ist), kommen  sofort die Speisen. Wir essen Köstliches. Mehr können wir auch unmöglich machen, denn bis zum Geräuschebrei verzerrt, dafür aber herzzerreiβend laut dröhnt uns über eine Riesenlautsprecheranlage die Live-Musik ins Ohr. Die acht Herren an unserem Tisch lassen sich davon nicht verdrieβen – sie genieβen: Auf dem Tisch steht eine bald schon halb leere Flasche Whiskey. Auf russische Art füllen die Herren ihre Wassergläser und werden bald so laut wie die Musik. Sehr hübsche junge Damen schweben von Tisch zu Tisch und verteilen in Goldpapier eingewickelte Päckchen. Nach neugierigem Auswickeln bin ich doch etwas enttäuscht: Es ist Wrigley’s Spearmint, der Klasssiker in Grün-Weiβ. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Nach etlicher Zeit legt sich Erschöpfung nicht nur auf meine Ohren. Daher bin ich froh, als mein Begleiter zu anderen Verpflichtungen aufbricht und mir eine Heimfahrt auf dem Moped anbietet. Was mir folglich in den kommenden Stunden entgehen wird: die zweite Live-Band, noch mindestens drei Umkleidungen der Braut und eine des Bräutigams, der Anblick verschiedener Volltrunkener (sicher sind bald acht davon an unserem Tisch), ein Kreistanz in Zeitlupe, „Ramvong“ genannt, bei dem die Paare ihre Hände in Blumenbinderinnen-Gesten umeinander winden, und andere Lustbarkeiten.&lt;br /&gt;Beim Gehen wird gezahlt. Nein, nein, nicht beim Ober für das Essen: Hier beglückt man das Hochzeitspaar (und die zahlenden Eltern) mit Geldgeschenken. Dazu muss man seinen Namen auf den Umschlag schreiben und kann sicher sein, dass Buch geführt wird: Nur das, was ich Sothear jetzt in das Kuvert gelegt habe, kann ich von ihm als Geschenk bei meiner Hochzeit zurückerwarten. Ob allerdings die Summe aller Umschlaginhalte zur Refinanzierung dieser Veranstaltung reicht, wage ich zu bezweifeln. Heiraten in Phnom Penh ist mehr oder weniger teuer, hier die Durchschnittspreise:&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;-  Miete für Kleidung von Bräutigam/Braut (pro Nase) inklusive Make-up und Garderobiere, je nach Anzahl der Kleidungswechsel (drei- bis siebenmal) – US$ 250-750&lt;br /&gt;-  Bild-/Tonaufzeichnung – US$ 150 (VCD), US$ 180 (DVD), US$ 0,40 pro Foto&lt;br /&gt;-  Live-Band – US$ 170 – 250&lt;br /&gt;-  Dekoration (Blumen u.ä.) – US$ 60-180&lt;br /&gt;-  Miete pro Tisch (8-10 Stühle) – US$ 10-16&lt;br /&gt;-  Essen (pro Tisch) – US$ 60-150&lt;br /&gt;-  Getränke (ohne Alkohol, pro Tisch) – US$ 15&lt;br /&gt;-  zusätzliche Miete für das gesamte Restaurant und seine Infrastruktur (d.h. inklusive der Umkleideräume für die Brautleute) – US$ 150-380.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Man rechne mal zusammen! Kann es sein, dass ich 50 Tische gezählt habe? Beim Gehen fällt mir auf, dass das Restaurant eine Terrasse hat – und auch dort wird lustig-laut gefeiert - und es gibt offenbar drauβen so viele Tische wie drinnen!&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Und was macht so ein Brautpaar, wenn der Abend und das rauschende Fest vorüber sind? Meine Sprachlehrerin Kamrang klärt mich auf: Das junge Paar wird für die erste Zeit seiner Ehe bei den Eltern der Ehefrau wohnen. Warum das? Na, der elterliche Rat – so sagt sie – wird doch gebraucht, die jungen Leute haben doch KEINE Ahnung vom gemeinsamen Eheleben!&lt;br /&gt;&lt;p&gt;     &lt;br /&gt;Heute, Kinder, wird’s was geben – heute werden wir uns freu’n – welch ein Trubel, welch ein Leben wird in uns’rer Bude sein ... Was dem einen seine Weihnacht ist, das ist dem anderen seine Hochzeit. Auf dass es ein Leben lang halten möge!&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 25. Dezember 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-462390643759946441?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/462390643759946441'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/462390643759946441'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2007/12/die-hochzeit-im-ehemaligen-gefngnis.html' title='Die Hochzeit im ehemaligen Gefängnis'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64PIZDIs8I/AAAAAAAAAXg/SzF5Q5zxrvk/s72-c/12_DSCN0724_Dez07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-2782418735521982121</id><published>2007-11-01T19:41:00.001+06:00</published><updated>2009-10-17T05:30:05.462+06:00</updated><title type='text'>Von der Schlange, die ein Wasserdrachen ist</title><content type='html'>November 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Von der Schlange, die ein Wasserdrachen ist.&lt;br /&gt;Und von dem Land, das ein Meer war.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp2.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64O5pDIs7I/AAAAAAAAAXY/S_rRNCccRpQ/s1600-h/11_DSCN4745_Nov07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp2.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64O5pDIs7I/AAAAAAAAAXY/S_rRNCccRpQ/s400/11_DSCN4745_Nov07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165082206074876850" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wer schon einmal beim Anflug auf Phnom Penh ohne eine Sichtblende aus Flugzeugflügel oder Regenwolkenballung nach unten gucken konnte, dem wird Kambodscha in Erinnerung bleiben als hellbraune Plane mit vereinzelten grünen Tupfen (sechs Monate im Jahr) oder als riesige schwarze  Wasserfläche, hie und da unterbrochen durch hell- und dunkelgrüne Quadrate (die restlichen sechs Monate des Jahres). Phnom Penh liegt immer mehr oder weniger im Wasser. Vier Flüsse kommen hier zusammen, von den zwei großen Seen ist zwar einer – aus Spekulationsgründen – zur Hälfte versandet, aber nasse Füße kann man sich das ganze Jahr über holen, wenn’s denn sein muss. Das Wasser gluckert sich eins und weiβ schon längst, wie es seinen Platz an der Oberfläche wieder einnehmen kann. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Verbundenheit mit dem Wasser teilt Kambodscha mit seinen südostasiatischen Nachbarn. Sogar die Symbole gleichen sich, was mit einem intensiven Kulturaustausch und einer langen gemeinsamen Geschichte zusammenhängt, denn einst gehörten Teile vom heutigen Thailand, von Laos und von Vietnam zum Königreich der Khmer, die von ihrer Tempelstadt Angkor über ein riesiges Reich herrschten. Überall in Angkor, das jetzt in seiner morbiden Ruinenschönheit Millionen von Touristen anzieht, begegnet man den steinernen Schlangen, die als „Nagas“ bekannt sind. Für die Kambodschaner sind das keine Schlangen, sondern Wasserdrachen. Es gibt sie in Ausführungen mit einem Kopf, dreien, fünf, sieben – eine Naga ist ausschließlich in ungerader Anzahl bekopft und wechselt den Namen, je nach Anzahl ihrer Häupter. Mit einem heisst sie „niëk“ und mit sieben „bos niëk riedsch“, „sehr mächtige Naga“, was ja naheliegend ist. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Naga gehörte immer schon in Kambodscha dazu und ist folglich auch Teil des  Gründungsmythos dieses Landes. Eine Geschichte geht so: In grauer Vorzeit kam ein Mann über das Meer, der hieβ Prean Thong und heiratete Somaq, die Tochter des Naga-Königs. Das Paar wohnte zunächst im Schlangenpalast in einem Baum. Der Papa wollte nun seiner Tochter eine anständige Mitgift und ein eigenes Heim verschaffen und trank deshalb das Meer aus, das den Boden des heutigen Kambodscha bedeckte. Das Land, das so entstand, wurde Nokor Nok Thlok genannt, das Land des Thlok-Baumes. Denn es war ein Thlok-Baum, in den der Naga-König seinen Palast gebaut hatte.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Andere Mythen, die im Khmer-Land bekannt sind, aber ihren Ursprung in Indien haben, kamen mit dem Hinduismus und dem Buddhismus hierher. So kann man in Angkor den in Stein gehauenen Gott Indra betrachten, während er mit seinem Donnerkeil auf eine Wolke zielt: Die Wolke ist eine riesige Naga, die in ihrer Gier sämtliches Wasser geschluckt hat, das ihren Bauch sich riesig blähen ließ. Alle Götter und alle Menschen darben. Umsonst hatten sie die Naga gebeten, vom Wasser abzugeben. Die Naga verschlieβt sich dem Leiden, und die Not ist groβ. Erst wenn Indras Donnerkeil den Naga-Leib zerschmettert hat, wird das Wasser frei gesetzt, wird es regnen – denn vom Wasser, vom Regen hängt ja nicht nur hier alles Leben ab.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der berühmte Königsweg vor den Mauern von Angkor Thom, nach dem André Malraux (ein früherer französischer Kulturminister, Romancier und verurteilter Angkor-Antiquitätendieb) eine Novelle benannt hat, wird gesäumt von Göttern und Dämonen, die um die Wette an einem schuppigen Schlangenleib ziehen, dass ihnen vor Anstrengung die Augen aus dem Kopf quellen: Sie quirlen den Milchsee, aus dem sie das Elexier des ewigen Lebens gewinnen wollen. Die Szene ist vielfach auch in Phnom Penh kopiert, als Deko an den Villen der Reichen und als Promenadengeländer am Tonlé Sap-Fluss. Und in jedem Wat finden sich die Buddhas, die vor Sonne und Regen geschützt unter den sieben Häuptern der sehr mächtigen Naga Vasuki meditieren. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich habe noch keine einzige Schlange und naturgemäß auch keinen Wasserdrachen gesehen, aber die Ebenbilder sind in mehr oder weniger abstrakter Form im heutigen Kambodscha einfach nicht zu übersehen: als geschwungene Ausläufer der Palast- und Pagodendächer, auf dem Logo der Wochenzeitung „Phnom Penh Post“, aus Beton, Holz und Gips, als Schlüsselanhänger und Schulheftcover. Unser Spielcasino, das nur Ausländer besuchen dürfen, weil Glücksspiel für Kambodschaner gesetzlich verboten ist, wurde auch nach der Naga benannt. Und natürlich schmücken die mythischen Tiere den Bug der bunten Ruderboote, die sich hier einmal im Jahr zu einem groβen Wettstreit versammeln.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Phnom Penh feiert an und auf seinen Wassern, wenn sich zu Beginn der trockenen Jahreszeit der Novembervollmond im Mekong badet. Heuer erwartet die Stadtverwaltung am 23. November drei Millionen Besucher zum Wasserfest, von denen angeblich vier Millionen auch kommen. Viele Phnom Penhesen flüchten vor dem Ansturm dieser Invasion, die schlieβlich drei Tage währt, reichlich Müll hinterlässt und ungute Erinnerungen bei denen, die ihre Wertsachen nicht in die Unterwäsche eingenäht haben, und gewisse körperliche Befindlichkeiten bei anderen, die sich an geistigen Getränken und Garküchenköstlichkeiten übermäβig erfreuten. Wie es sich gehört, brutzelt die Sonne auf alles und jedes, so dass sich die vielen Strohhutverkäufer über gute Geschäfte freuen können und die Festbesucher in Windeseile einheitlich behütet sind. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Angemeldet zum Wettbewerb haben sich 432 Ruderboote mit mehr als 26.100 Ruderern. In Besetzungen zwischen 22 und 70 wird im Sitzen, wird im Stehen den Tonlé Sap-Fluss cirka einen Kilometer hinunter gerudert. Jeweils zwei Boote treten gegeneinander an, auf den schlammigen Wassern spiegeln sich ihre T-Shirts als rosa, rote, blaue, gelbe, grüne Tupfen. Am Ufer stehen und hocken die restlichen 3 ¾ Millionen, laufen auf und ab, knabbern an frisch gekochten Maiskolben und Bratfischen am Stil, an grünen Mangos mit Chilipulver und groβen Fladenbroten, schlürfen zuckersüβe Limonaden in ungesunden Farben und schwatzen sich eins mit Nachbarn und Unbekannten. Das Wasserfest ist ein Volksfest für ganz Kambodscha. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Über die festbegleitende Infrastruktur gibt es sogar offizielle Verlautbarungen. Die Stadtverwaltung stellt 200 Dixi-Toiletten zur Verfügung und schickt 3.400 Extra-Polizisten auf die Straβen. Die private Stadtreinigungsfirma Cintri beschäftigt zusätzlich Personal neben ihren regulären 420 MitarbeiterInnen – gemunkelt wird von 600! Cintri ist Phnom Penhs Müllbeseitigungsmonopolist mit der Lieblingsfarbe GRÜN. Alles ist GRÜN bei diesem Unternehmen, die Müllautos, die Mülltonnen, die Kleidung der Müllmänner und –frauen. Bei meinem Rundgang an der Uferpromenade begegnet mir ganz viel Cintri-Zusatz-Personal in noch völlig neuem und allzu steifem GRÜN, und es weiß nicht, was es tun soll. Also steht es noch eine Weile herum und lächelt schüchtern über seinen GRÜNEN Kittelkragen hinweg.  &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Am Sonntagabend vergibt der König die Preise an die Sieger der verschiedenen Kategorien. Das Ergebnis würde jedes Kinderherz erfreuen: 142 Boote kamen auf den ersten Platz, 133 auf den zweiten, 114 auf den dritten und 42 auf den vierten (das heisst, sie haben alle ihre Wettkämpfe verloren). Den König kann ich leider mal wieder nicht sehen, denn er und die vielen Exzellenzen und Ehrengäste werden von vielen übergewichtigen Herren in Uniform vor mir und allen anderen neugierigen Blicken flächendeckend geschützt. Aber ich kann das Feuerwerk genieβen und den Vollmond. Bei all der Festtagsfreude ist mir entgangen, dass fünf Ruderer aus Singapur und ein Kambodschaner ertranken, als ihre Boote kippten. In einer Zeitung wird das Komitee für Desaster-Management verantwortlich gemacht, weil keine Rettungsboote und keine Rettungsringe zur Hand waren. Der erste Vizepräsident des Komitees, der privat mit der Abfüllung von Mineralwasser ein Extra-Taschengeld verdienen will, streitet das selbstverständlich ab. Und man hätte es wissen müssen: Viele Wasserfest-Aktive können nicht schwimmen.  &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wenn der Trubel mit den Ruderbooten vorbei ist und die Wellen des Tonlé Sap sich wieder geglättet haben, wenn man scharfe Augen und ein wenig Glück hat, dann kann man sie in den kambodschanischen Wassern spielen sehen: die ein-, drei-, fünf- oder siebenköpfigen Drachen, die Nagas genannt werden. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 23. Dezember 2007. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-2782418735521982121?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/2782418735521982121'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/2782418735521982121'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2007/11/von-der-schlange-die-ein-wasserdrachen.html' title='Von der Schlange, die ein Wasserdrachen ist'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64O5pDIs7I/AAAAAAAAAXY/S_rRNCccRpQ/s72-c/11_DSCN4745_Nov07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-3586234492146550546</id><published>2007-10-30T20:06:00.002+06:00</published><updated>2009-10-17T05:31:05.416+06:00</updated><title type='text'>Reisklöβchen für dünnhalsige Geister</title><content type='html'>Oktober 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Reisklöβchen für dünnhalsige Geister.&lt;br /&gt;Fünfzehn Tage Ahnengedenken.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp0.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64OoJDIs6I/AAAAAAAAAXQ/k_davEotD70/s1600-h/10_DSCN2361_OktB07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductions.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64OoJDIs6I/AAAAAAAAAXQ/k_davEotD70/s400/10_DSCN2361_OktB07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductions.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165081905427166114" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Im Oktober hört es langsam auf mit den heftigen Regengüssen. Für die Klöster im buddhistischen Kambodscha bedeutet das: Die Mönche dürfen wieder nach drauβen, denn (theoretisch)  müssen sie die Regenmonate in ihren Pagoden, die hier "Wat" heißen, verbringen und sich dem Studium der heiligen Schriften widmen, damit sie nicht versehentlich auf eines der vielen Tierlein treten, die sich an der Regenzeit ergötzen und vermehrt überall herumwandern. Mir sind allerdings regenschirmbewaffnete Mönche in den letzten Wochen zuhauf begegnet, die ihren Stubenarrest wohl nicht sehr ernst nahmen. Dafür ist den Gläubigen das Ende dieser Periode um so wichtiger: Es ist die Zeit von Pchum Ben, dem fünfzehntägigen Ahnengedenkfest, dem wichtigsten buddhistischen Fest in Kambodscha, das in diesem Jahr am 27. September begann und am 11. Oktober seinen feierlichen Höhepunkt fand. Dann füllen sich die Wats wie bei uns die Kirchen zur Christmette, doch haben die Kambodschaner für ihre Festlichkeit mehr Ausdauer. Das müssen sie auch, im eigenen Interesse: Wer sich nicht kümmert, dem droht Ungutes.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Meine Oma hatte auf ihrer Kommode vergilbte Fotos der Verwandtschaft zu stehen, und am Totensonntag stellte sie eine Kerze ins Fenster zum Andenken an ihren in Russland vermissten Sohn. Eine Zeit zum Gedenken der Verstorbenen ist urmenschlich und in allen Kulturen bekannt. Von der jeweiligen Mentalität hängt es ab, ob mehr geweint, mehr gelacht oder mehr gefeiert wird. In Mexiko zieht die Familie zu Todos Santos mit dem Picknick-Korb und dem Transistorradio auf den Friedhof, um rund um die Grabsteine eine lebendige Fiesta mit den Toten zu feiern; und das Qing Ming-Fest der Chinesen ist von Böllern und Schnaps begleitet wie jede ordentliche Hochzeit auch.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In Kambodscha ist es nicht so lustig, aber bunt, lebendig und unüberhörbar. Schon um 4 Uhr in der Früh, wenn es hier in Phnom Penh noch stockdunkel ist dank sparsamster Straßenbeleuchtung, ziehen die ersten Familien mit ihren Speisegaben und Räucherstäbchen in die Pagoden. Die Segnungen der Mönche werden über Lautsprecher übertragen und erreichen akustisch auch die, die den Weg in den Wat noch nicht gefunden haben.  Ich gestehe gern, dass ich mich da noch einmal aufs andere Ohr gedreht habe und alles, was ich über die Morgenaktivitäten aufschreibe, nur aus zweiter Hand weiß. Aber meine Khmer-Lehrerin ist eine bewährt verlässliche Quelle, sie nimmt ihren Buddhismus ernst und praktiziert ihn mit Hingabe. Von ihr weiß ich also:&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In die Pagode werden vormittags gekochter Reis und andere Speisen gebracht, gedacht für die Toten und geschenkt den Mönchen, die für die Verstorbenen heilige Sprüche in Pali, der für religiöse Zeremonien verwendeten Sprache indischen Ursprungs, rezitieren. Die Ahnen dürfen in den fünfzehn Tagen aus der Unterwelt zu Besuch in die Oberwelt zurückkehren, also einmal im Jahr, um sich von ihren Verwandten mit Essen versorgen zu lassen. Das Jemseits ist weit weg, die Versorgungslage dort offenbar nicht gut. Wenn die Vorfahren "schlechte Menschen" waren, müssen sie ihr Dasein als Geister in der Hölle ("Breat") fristen, mit dünnen Hälsen und aufgedunsenen Hungerbäuchen. Solche Breat brauchen spezielle Speisen: Klebereisbällchen mit schwarzem Sesam, und die müssen ihnen vor Sonnenaufgang dargeboten werden, weil Breat das Sonnenlicht nicht gut vertragen. Da die Lebenden nun nicht wissen, ob Oma, Opa, Onkel, Tante zu Breat geworden sind, packen vorsichtshalber alle in ihre Essenpakete fürs Jenseits Reisbällchen mit schwarzem Sesam. Denn nur die nicht zu Breat gewordenen Ahnen mögen auch Obst und die speziell für Pchum Ben hergestellten Kekse. Die Bezeichnung des Festes heißt übersetzt: "versammeln (pchum) mit in Portionen aufgeteiltem Reis (ben)". &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wenn die Ahnen nun in die Oberwelt gestiegen sind und ihre lebenden Verwandten ihnen nichts Leckeres gebracht haben, ist das für die Lebenden fatal: Sie werden von den hungrigen Geistern verflucht, mit jeglicher nur denkbaren Konsequenz. Das geht von vermasselten Geschäftsabschlüssen über schlechte Schulzeugnisse und hässliche Bräute bis hin zu plötzlichen Todesfällen; man mag sich das in den Einzelheiten lieber nicht genau ausmalen. Da die Vorfahren aber mit ihrer Flucherei vorsichtig sein müssen (schließlich bleibt alles in der Familie) und nicht so genau wissen, in welchem Wat sie gespeist werden sollen, steuern sie in den fünfzehn Tagen des Pchum Ben-Festes sieben verschiedene an (von den ca. 3.000, die es derzeit in Kambodscha gibt) – und das machen die Lebenden auch. Mindestens sieben Pagoden besucht meine Khmer-Lehrerin jedes Jahr. Die Chancen, dass sie auf ihre Ahnen trifft, sind gut: Denn es sind Pagoden in der Gegend, aus der ihre Familie stammt. Ganz nebenbei verschafft sich jede/r Pchum Ben-Teilnehmer/in auch Verdienste fürs Nachleben und bessere Wiedergeburtschancen. Wer den Rundgang nicht gleich schafft, bekommt an diesem 11. Oktober dafür einen Tag frei: Der letzte Tag des religiösen Festes ist offizieller Feiertag im Land.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In den mit bunten Fahnen geschmückten Wats segnen die Mönche nicht nur die Verstorbenen, sie erinnern auch die Lebenden an die Endlichkeit der menschlichen Existenz: "Alle Dinge sind flüchtig, sie entstehen und sie vergehen. Während sie sich entwickeln, befinden sie sich schon in der Auflösung. Es ist eine Segnung, wenn dieser ständige Prozess des Werdens und Vergehens endet. Man kommt ohne Einladung in diese Welt der Illusionen, man geht ohne Abschied. Warum soll man darüber trauern?" Die wenigstens Gläubigen verstehen Pali, so empfinden sie den eintönigen Singsang der Mönche als beruhigend und fühlen sich nicht bemüßigt, über dieses Religionskonzept nachzudenken, das mir wenig Hoffnung und Trost zu spenden scheint und das ich ähnlich schwer zugänglich finde wie Gedichte von Stefan George: "komm in den totgesagten park und schau – der schimmer ferner lächelnder gestade – der reinen wolken unverhofftes blau – erhellt die weiher und die bunten pfade".  &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wenn ich schon dem morgendlichen Trommelruf der Pagode nicht gefolgt bin, so habe ich für einen Besuch zumindest in der Mittagspause Zeit gefunden, als das bunte Treiben auf dem Höhepunkt war. Denn die Mönche dürfen mit den Gläubigen – und den Ahnen, die man aber nicht so deutlich sehen kann – gemeinsam bis 12 Uhr essen. Danach fasten sie bis zum frühen Frühstück am nächsten Morgen, was nichts mit Pchum Ben zu tun hat, sondern eine der strengen Klosterregeln ist. In der Speisehalle der Mönche sieht es jetzt aus wie bei einem Festgelage. Auf farbenfrohen Strohmatten stehen Schälchen mit Reis, Teller mit Gemüseresten, Teetassen und Thermoskannen. Alt und Jung lagert dicht beieinander, isst mit den Fingern; Kinder spielen mit leeren Plastikflaschen und inspizieren, was von der Menüfolge übrig ist. Eine alte Frau lädt mich ein, Platz zu nehmen und mich an der Mahlzeit zu beteiligen. Es ist nett gemeint. Ich wandere vorbei an den bunt bemalten Betonwänden der Halle, auf denen ein sehr rosa Buddha an einem sehr grünen Bodhi-Baum sitzt, unter einem sehr blauen Himmel, umgeben von sehr steifen Jüngern, die sich alle zum Verwechseln ähnlich sehen. Gemeinsames Essen verbindet, und hier kommt nichts, na ja, fast nichts um. Ich beobachte zwei alte Frauen und einen Veteranen mit Holzbein, die hoch zufrieden mit ihren prall gefüllten Plastiktüten von dannen ziehen. So haben auch die lebenden Armen etwas von den Gaben, und für die Ahnen bleibt genug. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Klebereisbällchen werden den Breat gemeinsam mit Räucherstäbchen in adretten Häufchen dargeboten, auf den Stupas, die die Urnen mit der Asche der Verstorbenen bergen. Sie ziehen in der Mittagssonne bereits Fäden und locken hungrige Insekten an. Egal, wie man zu derartigen Ritualen stehen: Sicher ist, dass die Post-Konflikt-Gesellschaft Kambodschas durch solche gemeinsamen Festivitäten zusammenwachsen kann. Der Oberpatriarch des buddhistischen Ordens der Thommayut, der Ehrenwerte Tep Vong, sagte in einem Interview mit der Phnom Penh Post vom 15. Dezember 2006: "In dem Regime der 3 Jahre, 8 Monate und 20 Tage (eine hier allgemein verstandene Umschreibung für die Herrschaft der Roten Khmer) wurden 21.568 Mönche getötet, ein großer Verlust für den Geist und die Identität des kambodschanischen Volkes." Die geltende Landesverfassung erhebt den Buddhismus zur Staatsreligion. Fast alle Kambodschaner, die ich nach ihrem Glauben befragte, bezeichneten sich als Buddhisten. Die Vielfältigkeit und die Details ihrer Religion sind ihnen nicht so wichtig,  sie gehen mit ihren Familien in die Pagode, wo auch die Nachbarn hingehen, sie geben den Mönchen und den Ahnen, und das allein zählt. Ob in diesem Zusammenarbeit eine Aktivität des Ministerpräsidenten sinnvoll und erfolgversprechend ist, wage ich zu beweifeln.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Tageszeitung Cambodia Daily berichtete darüber am 1. November 2007. "Ministerpräsident Hun Sen ernannte den Chef seiner Bodyguards zum Assistenten des Oberpatriarchen der buddhistischen Sekte der Mohanikay, des Ehrenwerten Bou Kry. Hing Bunheang, der bereits Assistent von Tep Vong ist, dem Oberpatriarchen der Thommayut, sagte, dass seine Ernennung helfen werde, beide buddhistischen Sekten zu vereinen. 'Das hilft der Religion.'" Nach allem, was bekannt ist, war Bodyguard Hing Bunheang vor seiner Assistentenzeit beruflich noch nie mit religiösen Angelegenheiten befasst. Die buddhistische Sekte der Mohanikay entstand Mitte des 19. Jahrhunderts aus Anlass einer Reform des Buddhismus, die von Thailand ausging. Bis heute disputieren Mönche des Thommayut- und des Mohanikay-Ordens über Auslegungen der Texte und Anwendung der Prinzipien und halten ihre Klöster getrennt. In Deutschland findet man sich nach fast 500 Jahren mit der Existenz eines in zwei Sekten gespaltenen Christentums ab, und die Kanzlerin entsendet zur Glaubensrettung keine Berater.    &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 26. November 2007. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-3586234492146550546?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/3586234492146550546'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/3586234492146550546'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2007/10/reisklchen-fr-dnnhalsige-geister.html' title='Reisklöβchen für dünnhalsige Geister'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp0.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64OoJDIs6I/AAAAAAAAAXQ/k_davEotD70/s72-c/10_DSCN2361_OktB07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductions.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-8580051054070521422</id><published>2007-09-30T15:16:00.003+06:00</published><updated>2009-10-17T05:31:42.952+06:00</updated><title type='text'>Der Hundebiss in der Provinzhauptstadt</title><content type='html'>September 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der Hundebiss in der Provinzhauptstadt.&lt;br /&gt;Wochenenderfahrungen mit einem fundamentalen buddhistischen Prinzip. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp0.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64OUJDIs5I/AAAAAAAAAXI/yVsfrTXkirI/s1600-h/09_DSCN2113_Sep07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp0.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64OUJDIs5I/AAAAAAAAAXI/yVsfrTXkirI/s400/09_DSCN2113_Sep07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165081561829782418" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;“Man kann nicht zweimal in demselben Fluss steigen”. Wer hat das nicht schon einmal gehört. Der Kern der buddhistischen Lehre heißt Anicca und beschreibt die Unbeständigkeit der Existenz. Alles ist dem ständigen Prozess des Werdens und Vergehens unterworfen, ein Festhalten daher ein sinnloses Unterfangen. So liegt also ein unbeständiges Wochenende vor mir, das jedoch mit einem erfreulichen Verlängerungstag ausgestattet ist. Denn Montag, der 24. September, ist uns als “Constitution Day” freigegeben. Keiner meiner Kollegen ist auskunftsfähig über den Anlass zum Feiern, sei's drum. Ausgestattet mit einem Buddhismus-Schmöker für Anfänger aus meinem Lieblings-Second-Hand-Buchladen, einem Regenschirm zur Jahreszeit und viel guter Laune mache ich mich auf den Weg nach Kampot. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Kampot ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt fünf Busstunden, ca. 180 km, von Phnom Penh entfernt. Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein trieben hier versprengte Rote Khmer-Einheiten ihr Unwesen, die 1994 drei Westler entführten und schließlich ermordeten. Aber das ist Geschichte. Inzwischen liegt Kampot mit seinen 35.000 Einwohnern und seinem leicht verstaubten Kolonial-Charme wieder ganz friedlich am Kampot-Fluss, romatisch eingebettet zwischen Reisfeldern, Königspalmen und Pfefferplantagen, in Sichtweite einer kleinen Hügelkette, und döst ein wenig vor sich hin. Genau richtig für ein Buddhismus-Lese-Wochenende, so stelle ich mir das vor. Dass der Anreisetag ins (Regen-) Wasser fällt, scheint mir undramatisch – denn auch Regengüsse sind der Endlichkeit unterworfen, selbst in der Regenzeit. Und siehe – am Sonnabend lacht die Kampot-Sonne, und die Stadt lädt ein zu einem mittäglichen Spaziergang. Alles friedlich.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die meisten Knatter-Mopeds ruhen sich aus. Ein paar Unermüdliche kurven auf dem Fahrrad herum. Die Kinder schießen ihre Tore in Ermangelung von Bällen mit den Plastiklatschen. Ihre Eltern meditieren vor den Hauseingängen in Hängematten oder auf Holzbänken, und auf dem breiten Grünstreifen, der den Boulevard vor dem Markt teilt, bewegen sich klapprige Kühe sehr langsam. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Auch die Straßenköter haben Pause. Ich laufe also harmlos-nichtsahnend im Hier und Jetzt, entspannt und ziellos. Kambodschas Provinzhauptstädte sind dem 19. Jahrhundert näher als dem 21., jedenfalls noch. Allerdings gibt es auch hier diese in jüngster Zeit entstandenen Khmer-Barockpaläste mit wulstigen Dächern, ausladenden Treppenhäusern und pompösen Satellitenschüsseln, die sich unschön-neureich neben den alten Kolonialhäusern breit machen und durch hohe, stacheldrahtbewehrte Mauerwerke vor ihrer Umgebung beschützt werden. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Plötzlich schießen aus dem geöffneten Tor drei kleine Kläffer heraus. Ich sehe sie auf mich zukommen wie in Zeitlupe und mag es nicht fassen, als sich der schnellste von ihnen bereits in mein linkes Hosenbein verbeißt. Nicht nur wegen eines möglichen Regengusses, sondern auch wegen solcher Eventualitäten trage ich immer den Regenschirm, ein altmodisches Stockmodell, bei mir. Doch jetzt, im Moment der dringend gebotenen  Anwendung, versage ich kläglich. Ich mache erst einmal sekundenlang nix. Schließlich habe ich es mit drei Viechern zu tun. Wenn ich die nun verdresche, werden sie bestimmt wütend und fressen mich in geballter Einigkeit einfach auf. Als aber das Hosenbein nachgibt und sich löchert und als ich mein eigenes Blut – jawohl, es fließt ein Tropfen! – sehe, haue ich doch drauf los. Hinter mir höre ich erstaunte englische Laute: Ein Tourist hinter mir beobachtet unser Treiben aus sicherer Entfernung und berichtet das Vorfallende über Handy seiner Ehefrau. "Bye bye, darling", flötet er dann in den Apparat und wendet sich mir leicht sorgenvoll zu. "Are you okay?" Ich denke mal schon. Ich bin ganz offensichtlich nicht blutüberströmt, und gegen Tollwut und Wundstarrkrampf wird die örtliche Apotheke etwas im Angebot haben. Die Köter sind wieder hinter ihrem Protzzaun verschwunden, und ich stehe unentschlossen mitten auf der Straße herum.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Mit reichen Leuten legt man sich in Kambodscha nicht an. Das gilt sicher auch für andere Länder, aber hier höre ich das dauernd. Deshalb beschwert sich niemand, wenn nächtens der Partylärm aus der Luxusvilla den Schlaf vertreibt oder der Riesenwagen davor stundenlang vor sich hinhupt. Leute mit Geld sind Leute mit Macht sind Leute mit Einfluss sind Leute mit Verbindungen und an sich und meistens und immer und überall: immun, unangreifbar, unverfolgbar, sicher. Da kann man nichts machen. “Sagt wer?” denke ich. Meine Tollwut-Prophylaxe wird mir ermöglichen, mit den Herrchen und Frauchen der bissigen Monster einen Rechtsstaat-Diskurs im Schnelldurchlauf zu veranstalten, bevor ich tot umfalle. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Vor dem barocken Tor steht ein großes Auto mit getönten Scheiben, der Motor läuft, und jemand traut sich nicht auszusteigen, als ich ans Fenster klopfe. “Do you speak English?” schalle ich gegen das schwarze Glas. Wahrscheinlich scheitere ich jetzt an der Sprache, weil sich alle unverständig-doof-unzuständig stellen werden – aber einen Versuch ist es wert. Auf meinen Regenschirm gestützt, von deutschem Gerechtigkeitssinn durchflutet, nur abgemildert durch die Kapitel 1-Buddhismus-Leseerfahrung, transformiere ich vom touristischen Hundebissopfer zu einer Lektorin über Schadensrecht für Erstsemester. Und dann läuft ein erstaunlicher Mechanismus ab. Ein Mopedfahrer (in Kambodscha ersetzen sie die Taxifahrer) rollt heran, weil er ein Geschäft wittert – und er kann englisch. Mit seiner Sprach-Unterstützung verlange ich, die “Verantwortlichen” zu sprechen. Die Autotür bleibt geschlossen. Hinter dem Gartentor tut sich Bewegung.     &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Dann rollt sie schließlich heraus, die Dame des Hauses – wenn ich mal so sagen darf –, und sie hat genau die Stimme, die ich so gar nicht abkann in dieser Sprache, sehr laut, sehr schrill, in der Tonlage ihren Hunden sehr ähnlich. Sie trägt einen rosafarbenen Hosenanzug, der offenbar in der letzten Wäsche erheblich eingelaufen ist. Es speckrollt sichtbar von den Schultern abwärts, und die prallen Waden sind gänzlich unbehost. Von Ersatz für meine kaputte Hose und Erstattung von Arztkosten will sie zunächst nichts wissen. (Ich würde mich auch mit einer Entschuldigung und einer Einladung zu einer Tasse Tee begnügt haben ...) Und natürlich wird sie mir ihren Namen nicht sagen, und eine Telefonnummer hat sie auch nicht. Ich zeige auf das Handy in ihrer Hand: Wie wäre es mit der Nummer? Ich würde nämlich gern mit “der Polizei” über “die wilden Hunde” reden. Jetzt wird sie richtig sauer. Ihr Mann – so lässt sie mich durch unseren Übersetzer wissen – sei ein “hochrangiger Polizeibeamter” in Phnom Penh! Lady, damit kann man mir keine Angst machen: Prima, kontere ich, ich arbeitete ja auch “für die Regierung” in Phnom Penh, da würde ich doch ihren Mann gern einmal kennen lernen. Das Geschrille geht noch etwas hin und her, und eigentlich bin ich nur noch dabei, weil ich keine Lust habe, mich um meine Bisswunde zu kümmern. Erstaunlicherweise sagt dann der Mopedfahrer: “Steig auf, wir fahren zum Arzt, sie zahlt alles.” Ich sehe mich plötzlich ins Reisfeld gekarrt und dort hinterrücks erschossen, von einem hochrangigen Polizeibeamten aus Phnom Penh. Aber statt dessen halten wir vor einer Apotheke.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der müde, ältere Apotheker will mal in einem Krankenhaus gearbeitet haben. Er kramt aus seinem Kühlschrank eine kleine Ampulle heraus, die rundherum gut sichtbar, aber für mich unverständlich auf vietnamesisch beschriftet ist. “05-2007” steht da unter anderem, Preisfrage: Produktions- oder Verfallsdatum? Der Apotheker-Arzt guckt mich ausdruckslos an – ich solle mir doch in Phnom Penh eine Spritze geben lassen, oder am besten gleich sieben oder acht. Er wisse ja auch nichts, und einen Beipackzettel gebe es in Kambodscha nie – wir Ausländer hätten da völlig falsche Vorstellungen. Ich solle mich erst einmal ausschlafen – er zeigt auf eine Liege. Inzwischen ist noch ein Moped angekommen: Der hochrangige Polizeibeamte hat es tatsächlich in zehn Minuten von Phnom Penh bis hierher geschafft - und welch ein Wunder, in einer senffarbenen, frisch gebügelten Uniform. Er knurrt etwas im Hintergrund mit seiner Frau herum, dann übersetzt “mein” Motofahrer: letztes Angebot – 35 Dollar und ich könne mir einen Arzt meiner Wahl in Phnom Penh suchen! Ich zocke noch ein bisschen (das sei doch alles viel teurer in Phnom  Penh – und die Hose ...), aber man darf den Bogen nicht überspannen. Lieber 35 Dollar als ein Tod im Reisfeld. Und so stehe ich mit drei Scheinen wieder auf der Straße und staune: 50.000 Riel sind ungefähr 12 Dollar, und davon habe ich jetzt drei, sogar echte und ganz neu mit Wasserzeichen und Metallstreifen drin! Der Motofahrer will jetzt natürlich von mir bezahlt werden, denn Madame ist mit ihrem hochrangigen Polizeibeamten längst davongefahren. ...&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Unerwartet treffe ich beim Abendessen Entwicklungszusammenarbeits-kollegen (ja ja – wir leisten “Zusammenarbeit” in der Entwicklung, Hilfe ist out), die mich überzeugen, dass ich leichtsinniges Wesen doch wirklich eine Tollwut-Spritze bräuchte, und die mich sofort zu einem “richtigen” Arzt bringen. Der lässt mich auch den Waschzettel des Medikaments studieren (vietnamesisch und englisch). Dahin geht der erste 50.000-Riel-Schein – und als ich die Ampulle sehe mit der gleichen vietnamesischen Beschriftung wie die vor ein paar Stunden, bloß mit dem Aufdruck “2008”, da weiß ich, dass die Apotheker-Ampulle ein wenig überlagert war. Sie wartet jetzt wahrscheinlich auf einen armen Khmer, der sich ein Nachdenken über “Impfung ja-nein” nicht leisten kann. Meine Entwicklungszusammenarbeits-kollegen haben genau wie ich vorher noch keinen 50.000-Riel-Schein gesehen – und ich bin mächtig stolz, dass ich nach hiesigen Verhältnissen einen enormen Schadensersatz erhalten habe, denn kambodschanische Monatsgehälter um die 40 Dollar sind vergleichsweise hoch (für Wachleute und Haushälterinnen).&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Anicca lacht und lässt es über Nacht mal wieder heftig regnen. Ich gehe zum Frühstück in die Sonne und blicke auf den Fluss, und der zieht träge vorbei, und der Himmel ist erst blau, und dann sind die Wolken zurück, das Frühstück ist wunderbar, und bald ist der Teller leer – und als ich das Lokal verlasse, ist das Portemonnaie weg und die beiden niegel-nagel-neuen Rielscheine und das restliche Kleingeld auch. Leider war im Portemonnaie auch der Wohnungsschlüssel. Aber als ich wieder daheim bin, lassen meine guten Hausgeister ihn erneut werden: Sie beschaffen mir Ersatz ganz unkompliziert, für einen Dollar. Und plötzlich ist meine gute Laune wieder da und “Constitution Day” bereits vergangen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Nachtrag: Natürlich gehe ich am nächsten Morgen in Phnom Penh noch einmal zum Arzt, Kostenpunkt: 47 Dollar. Denn ich brauche eine zweite Tollwut-Spritze. Der Impfstoff, der mir in Kampot verabreicht worden ist, soll in Vietnam ab 2008 (!) vom Markt genommen werden, weil seit ein paar Monaten (!) ein Patient nach der Verabreichung des Mittels in Ho Chi Minh-Stadt paralysiert (!) im Krankenhaus liegt.  &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 26. September 2007. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-8580051054070521422?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/8580051054070521422'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/8580051054070521422'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2007/09/der-hundebiss-in-der-provinzhauptstadt.html' title='Der Hundebiss in der Provinzhauptstadt'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp0.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64OUJDIs5I/AAAAAAAAAXI/yVsfrTXkirI/s72-c/09_DSCN2113_Sep07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-511598676041092955</id><published>2007-08-31T14:56:00.002+06:00</published><updated>2009-10-17T05:32:37.489+06:00</updated><title type='text'>Amok und Nudelschrift</title><content type='html'>August 2007&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Amok und Nudelschrift.&lt;br /&gt;Essbares und Schriftliches.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64OC5DIs4I/AAAAAAAAAXA/qnZOj-jFnmQ/s1600-h/08_DSCN0318_Aug2007AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64OC5DIs4I/AAAAAAAAAXA/qnZOj-jFnmQ/s400/08_DSCN0318_Aug2007AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165081265477038978" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Heute will ich von Amok berichten. Dabei ist Amok natürlich nicht gleich Amok, und im Übrigen hat mein Amok rein gar nichts mit dem Amok vom gleichnamigen Lauf zu tun. Den letzteren Begriff verdanken wir den Malaysiern, die mit "mengamuk" unkontrollierbare Wut bezeichnen. Ich dagegen bin ganz friedlich und denke einfach nur ans Essen und eine leckere Speise, deren Name "Amok" ausgesprochen wird. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Da mein Computer unwillig ist, "Amok" in der hiesigen wunderschönen Khmer-Schrift wiederzugeben, muss ich mich einer Umschrift befleissigen. Es gibt keine generell verbindliche. So haben Franzosen, Engländer und inzwischen auch Deutsche, ihrer eigenen Aussprache von lateinischen Buchstaben folgend, Aussprachehilfen für Khmer entwickelt, die ich zum Verständnis extra erlernen müsste. Denn so sehr französisch, englisch oder deutsch die auch sein mögen - mit der eigentlichen Sprache (Khmer) haben sie wenig zu tun. Da mir das Erlernen angesichts meiner beschränkten Aufenthaltsdauer in diesem Lande blödsinnig erscheint, halte ich mich lieber ans Original. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Eine schöne Schrift für ihre schwierige Sprache mit den wunderlichen Lauten haben die Khmer, ehrlich, aber in meinem Lehrbuch der 1. Klasse für kambodschanische Grundschüler habe ich mich seit Wochen auf den Seiten 1 und 2 verbarrikadiert. Dort werde ich zum Erlernen der Vokale (Seite 1) und der Konsonanten (Seite 2) des Khmer-ABC angehalten. Ich will das Schreiben erlernen, weil ich dann erfolgversprechend ein Wörterbuch konsultieren kann und irgendwann auch etwas zu sagen haben werde. Irgendwann. Meine Lehrerin ist mit einem vierjährigen Sohn gesegnet, den demnächst mit meinem Lehrbuch zu unterrichten sicherlich erfolgversprechender ist als die wöchentlichen Sitzungen mit mir. Doch noch gebe ich nicht auf. Ich nenne meine Herausforderung "Nudelschrift", weil sie mich an die Birkel-Teigwarenkreationen meiner Kindheit erinnert, an Spirali, Trulli &amp; Co. Und sie gefällt mir, was die Beschäftigung mit ihr erleichtert, wenn auch nicht vereinfacht, etwas jedenfalls. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wie soll ich nur die so hübsch gekringelten 23 Vokale auseinander halten, die sehr dekorativ, wenn auch nach strengen Regeln um die 33 Konsonanten drapiert werden. Manche stehen links, manche rechts, manche oben, manche zum Teil links und rechts (auch wenn sie einen Vokal und nicht zwei darstellen), manche zum Teil über dem Konsonanten und auch darunter, manche nur darunter. Ich teilte sie zunächst zum Auseinanderhalten (was mit der Aussprache nicht zusammenhängt) in zwei Hauptformen ein, die eher länglichen und die eher kullerigen. Gebracht hat mir die Einteilung nichts außer der Erkenntnis, dass Lernen mit Mühe und der Investition von viel Zeit verbunden ist und dass ich das alles allein und höchstpersönlich vollbringen muss. Aber ich habe mein Auge geschult und erfreue mich kindlich, wenn ich erkenne, dass der Doppelpunkt, der sich da an dem Friseurreklameschild über der Lockenpracht der Modellschönheit manifestiert, kein Doppelpunkt, sondern ein rechts stehender Vokal mit dem Lautwert "ass" ist. (Ja ja – ein Khmer-Vokal eben, da werden auch manchmal Laute angehängt, die wir als Konsonanten kennen.) Na bitte! Lesen kann ich das Wort damit jedoch noch nicht. Und völlig bedeutungslos ist es mir auch noch. Aber gelobet sei der Anfang.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Konsonanten lassen sich auch nicht lumpen. Wenn zwei aufeinander folgen, wird der zweite optisch verändert (er erhält eine kleinere und einfachere Figur, meistens jedenfalls) und unter den ersten Konsonanten als sogenannter "Fuß" gesetzt. Leider gibt es auch links stehende Füße, die ich gern mit Vokalen verwechsele. Die Tandemkonstellation der Konsonanten zu kennen, ist überaus hilfreich bei der Entzifferung von ganzen Sätzen – denn zwischen seine Wörter setzt der Kambodschaner keine Abstände, wasichjaauchschonbeichinesischenTextenübenkonnte, so dass alle Buchstaben – denn hier haben wir es mit einer Art Alphabet und keiner Silbenschrift zu tun – munter hintereinander aneinander geklebt geschrieben werden. Folgen zwei Konsonanten und behalten diese ihre "natürliche",  unveränderte Gestalt, dann habe ich es vielleicht mit zwei Wörtern zu tun, oder – auch diese Erkenntnis macht Freude – es wird bei dem ersten Konsonanten der inhärente (nicht schriftlich dargestellte, aber sehr wohl die Ausprache bestimmende) Vokal ausgesprochen. Das mit den inhärenten Vokalen ist auch eine wunderbare Erfindung, die die Anzahl der zu schreibenden Konsonanten verdoppelt bei gleicher Menge an Vokalen, wobei jedoch letztere – je nach Zugehörigkeit der Konsonanten zu einer der beiden Register (das Register definiert die Konsonanten) – verschieden ausgesprochen werden.  Habe ich jetzt alle LeserInnen verloren? Oder mögen wohl alle Tüftler und Computerspiel-Überdrüssige Khmer lernen? Es wäre schlicht gelogen, wenn ich sagen würde, das Erlernen dieser Sprache machte richtig Spaβ. Aber es stachelt meinen sportlichen Ergeiz an und lässt mich auch mehr Verständnis empfinden für meine total lesefaulen Rechnungsprüferkollegen. Einige davon "lesen" ihre muttersprachlichen Texte immer artig mit dem Finger unter den Buchstaben im Schneckentempo (lautlos bewegen sie die Lippen und runzeln dazu angestrengt die Stirn) und versichern mir, dass sie freiwillig nie – wirklich NIE - ein Buch anfassen würden. Khmer-Lesen ist eben kein reines Vergnügen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Nach dieser Abschweifung wende ich mich nun wieder dem Amok zu, was auf Khmer schwer zu schreiben, wenn auch leichter auszusprechen ist – und eine wahre Köstlichkeit benennt! Es handelt sich nämlich um ein Fischgericht, das nicht jeden Tag auf den kambodschanischen Tisch kommt, also etwas für Festtage ist, und das mit etwas gutem Willen von allen, die dies lesen, nachgekocht werden kann. Das Rezept stammt von meiner Khmer-Lehrerin. Leider sind zwei Kräutlein, die zur Geschmacksverbesserung beitragen, in keinem Wörterbuch enthalten; ich habe es daher bei einem kulinarischen Annäherungswert belassen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Amok für zwei Personen&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Man bereite zunächst eine Currypaste zu:&lt;br /&gt;•  2,5 cm einer Galangalwurzel (gibt es in jedem Asia-Laden, der frisches&lt;br /&gt;   Gemüse führt  – die Wurzel wird oft mit frischem Ingwer verwechselt, sieht &lt;br /&gt;    aber dunkler aus)&lt;br /&gt;•  1 Esslöffel fein geschnittenes Zitronengras (auch aus dem Asia-Laden)&lt;br /&gt;•  1 Teelöffel geraspelte Limettenschale (zur Not tut es auch eine frische &lt;br /&gt;    Zitronenschale)&lt;br /&gt;•  5 mittelgrosse rote (scharfe) Chilies, aufschneiden, die Samen entfernen, &lt;br /&gt;   die Schoten klein schneiden&lt;br /&gt;•  1 Teelöffel Salz&lt;br /&gt;Alle Zutaten in einem Mörser miteinander vermischen und zerstampfen, so dass sich daraus eine Paste formen lässt. Die Paste zur Seite stellen. (Sie hält sich lange im Kühlschrank und ist für viele leckere Currygerichte verwendbar.)&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Für das Fischcurry (das ist Amok nämlich) braucht man:&lt;br /&gt;•  1 Esslöffel der gerade hergestellten Currypaste&lt;br /&gt;•  ¼ kg frischen Fisch (möglichst Süßwasserfisch, vielleicht eine mittelgroße &lt;br /&gt;    Forelle, die ausgenommen ca. 250 g ergibt)&lt;br /&gt;•  1 Esslöffel Fischsauce (aus dem Asia-Laden)&lt;br /&gt;•  1 Teelöffel Zucker&lt;br /&gt;•  1  großes Ei&lt;br /&gt;•  3 Esslöffel Kokosnussmilch (aus der Dose, gibt es auch im Asia-Laden)&lt;br /&gt;•  Salz und Pfeffer zum Abschmecken&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Man nehme den Fisch aus, filetiere ihn und schneide die Filets in ca. 2,5 cm lange Stückchen. Man gebe die Fischstückchen und die anderen Zutaten in eine mittelgroße Schüssel und knete alles miteinander zu einer Art Teig. Dieser Fischteig kann im Stück – nach Belieben in eine hübsche Form gebracht - am einfachsten in einem Dampfkörbchen aus Span (zum Herstellen von chinesischen Teigtaschen, auch vom Asia-Laden) über Wasserdampf gegart werden. Möglich ist auch das Garen im Wasserbad in einem kleinen Topf. Das geht schnell, je nach Größe des Fischteigs, ca. 10 bis 15 Minuten. Wer hat, darf dazu auch ein Bananenblatt benutzen und das Amok darin auch servieren. Ansonsten kann das fertige Curry auf einem großen Salatblatt angerichtet werden. Dazu gibt es weißen gekochten Reis.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Guten Appetit! "Lecker" heisst auf Khmer übrigens (nach meiner persönlichen Umschrift) "tschnjanj". Bitte nicht zu lange üben, das Essen wird sonst kalt!&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 31. August 2007. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-511598676041092955?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/511598676041092955'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/511598676041092955'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2007/08/amok-und-nudelschrift.html' title='Amok und Nudelschrift'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64OC5DIs4I/AAAAAAAAAXA/qnZOj-jFnmQ/s72-c/08_DSCN0318_Aug2007AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-4660830577511991343</id><published>2007-07-30T16:26:00.003+06:00</published><updated>2009-10-17T05:34:01.455+06:00</updated><title type='text'>Theaterferien</title><content type='html'>Juli 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Theaterferien.&lt;br /&gt;Die kambodschanische Thalia ist außer Dienst.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64Nu5DIs3I/AAAAAAAAAW4/hY4Rhf4YeXA/s1600-h/07_DSCN9949_Jul07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64Nu5DIs3I/AAAAAAAAAW4/hY4Rhf4YeXA/s400/07_DSCN9949_Jul07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165080921879655282" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Nach einem halben Jahr in Phnom Penh kenne ich die Straßen besser und weiß, wo mir der Sturz in die Abgründe der Kanalisation droht und welche Ampeln mir nur zum Scherz ihr grünes Licht zeigen. Wenn ich ansonsten allseitig-umsichtig auf den Verkehr, streunende Hunde und mobile Garküchen achte, kann ich beim Spaziergang nachdenken. Was ist "good governance", was sollte das Land entwickeln im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit (wie das jetzt heißt und an der ich teilhabe), und was wäre ganz einfach gut zu haben? Eine freie Presse, eine unabhängige Finanzkontrolle, ein modernes Theater ...&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Am 12. November 1968 weiht Kambodscha sein Nationaltheater ein. Wie es sich für ein Königreich gehört, gibt es dem Bauwerk einen noblen Namen und benennt es nach dem Vater des damaligen Königs "Preah Suramarit National Theater". Mit dem Fluss Bassac in Sichtweite kommt aber bald eine weniger förmliche Bezeichnung, und so ist das Haus auch jetzt noch bekannt, als "Bassac Theater", obwohl es nur wenige Jahre tatsächlich als Theater genutzt wird. In der Rückschau werden die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts als "goldenes Zeitalter" Kambodschas betrachtet, in Vergleich zu dem, was schon kurz danach mit dem Putsch von 1970 kommt, mit dem Bürgerkrieg und den Roten Khmer. Ein goldenes Zeitalter jedenfalls für eine urbane, mittelständische Klasse, die sich westlich orientiert und die sich an der Veränderung des Stadtbildes erfreut. Der damals noch junge König Sihanouk hat kein Interesse an demokratischen Neuerungen (was kein Wunder ist in einem Land, das nie andere als autoriäre Strukturen gekannt hat), aber Vorstellungen über eine neue Architektur, modern und wegweisend. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Vann Molyvann ist sein Mann zur rechten Zeit. 1926 in der Provinz Kampot geboren, mit Rechts- und Architekturstudien in Phnom Penh und Paris, kann er nach seiner Rückkehr 1956 das neue Gesicht der Stadt gestalten, die bald ein Olympiastadion erhält, neue Universitätsgebäude, Villen für die Wohlhabenden, eine Ausstellungshalle. Und schließlich kommt auch das Theater. Es wird ein schöner Bau. Vann Molyvann lässt sich vom "organischen" Stil von Frank Lloyd Wright inspirieren, der seine offen gestalteten Häuser harmonisch in die Landschaft einfügte und mit seinen geometrischen Formen die deutschen Bauhäusler beeinflusste, und von Le Corbusier, dessen klare Linien und flexible Innengestaltung Vann Molyvann bewundert. Er versteht die Beziehung zwischen der Stadt und ihrem vielen Wasser und baut Leichtes und Lichtes, dem tropischen Klima angemessen. Das macht ihn so verschieden von den heutigen Stadtherren, die einfach Seen und Kanäle zuschütten lassen, weil der Verkauf von Bauland Geld bringt und die Folgen der monsunbedingten Überschwemmungen sie nicht interessieren. Und das macht ihn so verschieden von den neureichen Bauherren des 21. Jahrhunderts, die wahre Retro-Wunder fabrizieren, aus Pomp und Gips, mit korinthischen Säulen, Angkor-Zitaten und vergoldeten Lampen, mit hohen Mauerumsperrungen und Stacheldrahtrollen. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Das Theater ist konzipiert in Form eines Dreiecks, die Spitze wie ein Schiffsbug, mit dem Zuschauerraum an der breiten Seite. Die Dreiecksform findet sich überall, einzeln oder zusammensetzt zu langgezogenen Rechtecken wie die Fliesen in der Lobby im ersten Stock, die mit ihrem lebhaften Muster in Schwarz, Weiß und Rot den Kontrast bilden zu hellen Wänden. Die schmale Fensterfront zieht sich an den Seiten entlang wie ein gläsernes Band und gewährt Ausblick auf den nahen Fluss. Für die Belüftung sorgen Öffnungen in der Wand, die wie hinter Fischschuppen versteckt wirken, und vom Erdgeschoss her garantiert der V-förmige Teich Verdunstungskühle. Ich blicke von der freischwebenden Treppe hinab und erkenne einen klitzekleinen schwarzen Fisch, der wohl einzige dauerhafte Bewohner in dem ansonsten verlassenen Haus im Juli 2007. Das Gebäude hat die Zeit nach 1975 leerstehend überlebt, bis sich schließlich 1994 eine Renovierung ermöglichte. Ein Bauarbeiter vergaß, in der Mittagspause den Lötkolben auszustellen. Der Rest ist Geschichte: Der Zuschauerraum brannte völlig aus, das Dach darüber stürzte ein. Da der Bauunternehmer nicht versichert war und niemand für die Schadensbeseitigung aufkam, blieb das Theater fortan Ruine. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Durch eine Türöffnung ohne Tür trete ich hinaus in das, was einmal der Zuschauerraum war. Die roten Backsteinwände stehen noch, hier und da hat das Feuer schwarze Spuren hinterlassen. Die Stufen für die Stuhlreihen sind grün überwachsen, ein Baum von stattlicher Größe gewährt Schatten. An einer Mauer steht in krakeligen Buchstaben: "I want to be Successful in the future, learn whil you are young" (Rechtschreibfehler im Original). Ich finde Theaterruinen traurig und mag ihrem morbiden Charme nicht erliegen: Zur Zeit hat Kambodscha kein Nationaltheater, egal, was erzählt wird. Denn wie so oft in Kambodscha weiß niemand etwas Genaues, doch die Gerüchte kennen alle. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Das Gelände sei verkauft, berichtet der Vorsitzende der kambodschanischen Schauspielervereinigung der Tageszeitung "The Cambodia Daily", die diese Mitteilung am 16. Juni 2007 abdruckt: Die Schauspieler würden sich an den Premierminister wenden, der ihnen weiter ermöglichen solle, das zerstörte Theater als Übungsstätte zu nutzen. Dass der Premierminister direkt um Hilfe angegangen wird wie früher der König oder beide gemeinsam und zugleich oder beide nacheinander, ist Usus in Kambodscha. In einer autoritär strukturierten Gesellschaft zählt nicht die Zuständigkeit, sondern Status und Macht. Der neue König Sihamoni hat bereits öffentlich geäußert, man möge das "Bassac Theater" wieder aufbauen. Kurz darauf, am 27. März 2007, steht in der "International Harald Tribune" zu lesen, dass das Gelände an eine lokale Telekom-Gesellschaft verkauft worden sei, die das Theater für ein Konferenzzentrum und einen Sendeturm abreißen wolle.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Das neue Nationaltheater solle neben einem glitzy Nachtclub ("Spark Nightclub") entstehen, so der Untersekretär des Kulturministeriums, und natürlich sei das Gelände des "Bassac Theaters" nicht verkauft. "Wir verlegen das Theater nur an einen anderen Ort, weil wir uns schämen, so ein zerstörtes Gebäude weiterzubenutzen." Und der Staatssekretär ist gar nicht erst zu sprechen für die Presse. Damit die Gerüchte weiterleben können. Und es spielt keine Rolle, dass der Baumeister Vann Molyvann das Theater für restaurierbar hält.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wie absurd! Wieder "aufgebaut" wurde dagegen weiter nördlich für 2,25 Millionen US$ eine Brücke, die über Sand führt, weil der entsprechende Kanal zugeschüttet worden ist. Die französische Steinbrücke, die bekannt war für ihre Brüstung in Form einer mehrköpfigen Schlange (Naga), wurde 1892 für 30.000 Piaster gebaut und in den 30er Jahren abgerissen, weil der Kanal, der die europäische Stadt im Norden von der chinesischen und der kambodschanischen Stadt im Süden trennte, nicht mehr gebraucht wurde. So ist also dieses Brückengeländer im Jahre 2007 wieder da – und viele wissen nicht, dass hier, unter dem Norodom Boulevard, einst Wasser floss, wo jetzt ein Grünstreifen entsteht. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Als ich im Mai um die Ruine des "Bassac Theaters" herumlaufe, treffe ich einen alten Mann. Er sitzt auf einem Schemel und bemalt ein langes Stück Holz mit Goldbronze, eine geschnitzte Naga mit nur einem Kopf, eine Theaterrequisite. Auf meine Frage erklärt er mir, dass seine Truppe nicht in Kambodscha auftreten werde, sondern in Malaysia. Sie würden hier nur üben und ihr Material lagern. In Phnom Penh habe niemand Interesse für ihre Kunst.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;  &lt;br /&gt;Bei meinem zweiten Spaziergang, Monate später, fällt mir beim Verlassen des Geländes der königsblaue Bauzaun auf. Noch im Mai war hier eine andere Umgrenzung, ein filigranes Gitter in Grau, das kaum auffiel. Der potentielle neue Eigentümer setzt offensichtlich mit seinem Blech andere und auffälligere Farbakzente. Aber noch ist das Tor unverschlossen, erstaunlicherweise. Noch steht hier kein Wachmann in dunkelblauer Uniform, der den Zutritt verwehrt. Noch weiß niemand hier wirklich, was mit dem Theaterschiff passieren wird, und ich kann hoffen, dass es erhalten bleibt, und ihm für den Notfall wünschen, dass es auf dem Bassac in sichere Gefilde segelt, beschützt von einem Rhinozeros und einer kambodschanischen Thalia. E la nave va.   &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 30. Juli 2007. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-4660830577511991343?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/4660830577511991343'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/4660830577511991343'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2007/07/theaterferien.html' title='Theaterferien'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64Nu5DIs3I/AAAAAAAAAW4/hY4Rhf4YeXA/s72-c/07_DSCN9949_Jul07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-6985780969429826343</id><published>2007-06-19T12:34:00.002+06:00</published><updated>2009-10-17T05:34:32.762+06:00</updated><title type='text'>Der Tag, als der Regen kam</title><content type='html'>Juni 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der Tag, als der Regen kam.&lt;br /&gt;Überlegungen zur Wiederholung von Ewig-Gleichem.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp2.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64NOpDIs2I/AAAAAAAAAWw/WUwbgieGzLw/s1600-h/06_DSCN9893_Jun07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp2.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64NOpDIs2I/AAAAAAAAAWw/WUwbgieGzLw/s400/06_DSCN9893_Jun07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165080367828874082" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der Regen in den Tropen – ich muss vom Regen in den Tropen erzählen wie alle Westler vor mir, die plötzlich überrascht sind von den schwarzen Wolken, den Blitzen, dem Donner, den Wassermassen – das Weltende scheint nahe. Die Einheimischen bleiben gelassen, aber ich, die ich diese Breitengrade nur kurzfristig mein Zuhause nenne, ich zittere. Der Himmel so dräuend, die Blitze wie Lichtschwerter, der Donner wie im veritablen Theater, dann der unendlich schwere Regen, der wie ein Vorhang von den Wolken herabzuhängen scheint, der alles zu erschlagen, dann zu ertränken droht und der doch so sehnlichst-sehnlichst erwartet wird, von einer agrarischen Gesellschaft, die das Wissen um die Irrigationssysteme ihrer Vorfahren vergessen hat. Die Kinder zeigen dem Wasser ihre nackten Bäuche und quietschen voll Begeisterung.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Es ist Freitagabend, und ich stehe mit meinem Kollegen Reaksmey auf dem Balkon neben unserem Büro und schaue. Was als Gewitterregen begann, hat sich zu flächendeckender Überschwemmung von Straße, Bürgersteig und Parkplatz eingerichtet – die einen genießen das als kostenloses Schauspiel, die anderen kurven auf kleinen Mofas durch ihr amphibisches Vergnügen, die dritten knurren über die gewohnte Unannehmlichkeit. Was ist da eigentlich passiert? Ach, bloß das Übliche. Reaksmey lacht über meinen sorgenvollen Blick. Nein, nein, kein Grund zur Beunruhigung, in ein bis zwei Stunden ist der Wasserstand wieder auf NormalNull. Die Straßen stehen hier bei jedem heftigeren Regenguss in Sekundenschnelle unter Wasser, gleichbleibend seit Jahrzehnten. Es gehört zum Regenzeit-Alltag, dass die Schuhe nass werden (warum tragt ihr keine Plastiklatschen!), dass der Hof sich übergangsweise in einen Swimmingpool verwandelt (die Wäsche trocknet ja bei der hohen Luftfeuchtigkeit heute sowieso nicht mehr, egal wo sie hängt!) und dass es in der Küche oder in der guten Stube durchregnet (der Eimer, der seit Jahren an derselben Stelle steht, verhindert doch das Schlimmste!). &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Stadtverwaltung von Phnom Penh ließ im Jahr 1994 mit französischer Hilfe eine Untersuchung anstellen, "Étude diagnostique du réseau d'assainissement de la ville de Phnom Penh" (Studie zur Sanierung der Kanalisation der Stadt Phnom Penh). Fotos zeigen die Stadt nach einem Sturm am 18. Mai 1994 unter Wasser. Bildunterschrift: "An vielen Stellen sind die Straßen bis zu einem Meter Höhe überflutet. Das Wasser kann wegen der mangelhaft unterhaltenen Kanalisation nicht abfließen. Das Leben geht weiter." Andere Aufnahmen zeigen die verstopften Gullies, die zugemüllten Abwasserrohre (in den großen Sammlern könnte normalerweise ein Mensch aufrecht stehen, wenn auch sicherlich ungern, was jetzt wegen des Gerümpels sowieso nicht funktioniert) und die offenen Kanäle (zwei davon ziehen sich durch die Innenstadt und sind im Umkreis von drei Querstraßen dem Gesottenen und Gebratenen, das nebenan bereitet wird, eindeutig geruchlich überlegen). Die Studie endet mit einer detaillierten Aufzählung der erforderlichen Bauarbeiten und später nötigen Unterhaltungsleistungen, für die der französische Staat eine Summe von sechs Millionen Francs bereitstellt. Ich blicke an einem Freitagabend im Jahr 2007 auf das Ergebnis von Bau und Unterhalt der phnompenhoisen Entwässerungssysteme: Nach einer Stunde meines Betrachtens hat sich am Wasserstand (cirka 30 Zentimeter über Straßenniveau) kaum etwas geändert, dafür scheint sich der Verkehr verdoppelt zu haben – offenbar ist unsere Straße die am besten passierbare ...&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Reaksmey und ich sind nicht die einzigen, die gucken: Als ich schließlich mit den Schuhen in der Hand und hochgekrempelten Hosenbeinen einen mutigen Schritt in die braune Brühe vor dem Rechnungshofgebäude wage, werde ich dabei von zehn Kollegen vom Eingang aus beobachtet. Die wären normalerweise schon lange ins Wochenende entflohen, aber jetzt kommen sie nicht an ihre Autos: Zum Wassertreten haben sie keine Lust. Sophan erklärt mir zum Abschied, dass es wohl noch zwei Stunden dauern werde, bis er heimfahren könne. Ich staune: zwei Stunden ... und alle betrachten sie die Wasserstrudel und hören, wie es gurgelt. Einfach so. Keiner liest Zeitung, keiner kehrt zurück ins Büro, da warten sie - wie immer. Die Regenzeit hat begonnen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 19. Juni 2007. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-6985780969429826343?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/6985780969429826343'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/6985780969429826343'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2007/06/der-tag-als-der-regen-kam.html' title='Der Tag, als der Regen kam'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64NOpDIs2I/AAAAAAAAAWw/WUwbgieGzLw/s72-c/06_DSCN9893_Jun07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-3467317431569681121</id><published>2007-05-23T14:46:00.002+06:00</published><updated>2009-10-17T05:35:12.423+06:00</updated><title type='text'>Mai-Feste</title><content type='html'>Mai 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Mai-Feste.&lt;br /&gt;Ich gucke auf den Fluss, der König lässt pflügen, und das Volk feiert seinen Geburtstag.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64M85DIs1I/AAAAAAAAAWo/PKmZp4L9kR0/s1600-h/05_DSCN0776_Mai07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64M85DIs1I/AAAAAAAAAWo/PKmZp4L9kR0/s400/05_DSCN0776_Mai07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165080062886196050" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Im letzten Jahr beging der Verein der Ausländischen Presse in Deutschland festlich seinen 100. Gründungstag. Mehr als 400 Journalisten aus 60 Ländern sind inzwischen Mitglied und prägen das Bild, das man sich in ihrer Heimat von Deutschland macht. Die frisch gewählte Vorsitzende, Rozalia Romaniec, arbeitet für die polnische Redaktion der Deutschen Welle, und die Deutsche Welle kann ich in meinem kleinen Apartment in der „Villa Pasteur“ auch empfangen – als einen der 60 potentiell ins Kabel gespeisten Sender, von denen aber 50 nicht über verschleierte Ansichten und bunte Schrägstriche hinauskommen. Der freundlichen Hausverwalterin trage ich regelmäßig meinen Wunsch nach mehr Medienklarheit vor: Ja, ja, bekomme ich zur Antwort, es werde sich jemand kümmern, schon bald. Dabei würde ich doch nur zu gern noch heute meinen geliebten chinesischen Konkubinen-Intrigen-Lanzenkampf-Gongfu-Serien, die hier gleich auf mehreren Kanälen zu bewundern sind, ohne Sehstörungen folgen wollen ...&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Während ich mir diese Gedanken über meine persönliche Medien-Situation mache, genieße ich einen Mai-Feiertag und habe mal wieder frei. Ich sitze auf einem der schönsten Plätzchen in Phnom Penh und schlürfe ein kühles Getränk, wenn auch leider keine Mai-Bowle: Ich bin beim „Foreign Correspondents' Club“ auf der erst kürzlich ausgebauten Dachterrasse und blicke auf den Fluss Tonlé Sap hinab, der noch in Sichtnähe in den Mekong fließt. Wenn ich länger auf das träge dahinziehende braune Wasser gucke, fallen mir all die wunderlichen Geschichten ein, die mir über diesen Ort erzählt worden sind und die so gar nicht stimmen. Zum Beispiel: von wegen Auslandspresse! Der „Foreign Correspondents' Club“ in Phnom Penh ist nämlich keine Journalistenvereinigung, und hier - mit Blick zum Mekong, dem Fluss der Flüsse in Südostasien, der sich von Tibet durch das südchinesische Yunnan über Myanmar, Thailand, Laos und Kambodscha bis in sein vietnamesisches Delta hinabarbeitet - hat sich auch nie eine Gruppe aufgeregter Kriegsberichterstatter getroffen, um über den kambodschanischen Bürgerkrieg oder die Kämpfe in Vietnam zu diskutieren, obwohl man immer daran erinnert wird: Im Treppenhaus hängen Fotos aus der Zeit. Der „Foreign Correspondents' Club“ in Phnom Penh – auch "FCC" oder bloß "F" genannt – ist einfach nur ein Restaurant, das 1993 in einem kolonialen Eckhaus am Sisowath Quai eingerichtet worden ist, mit Luft von vielen Seiten, großen Deckenventilatoren, riesigen Ledersesseln und einer enormen Getränkeauswahl, so dass die Vermutung, hier habe es bei viel Alkohol und dickem Zigarettenqualm hitzige politische Debatten gegeben, nicht völlig abwegig erscheint. Ich als kundige Phnom-Penh-Fußgängerin weiss jedoch, dass das Journalistenvolk in den 60er und 70er Jahren im Hotel "Le Royal" anzutreffen war, in der Nähe vom Bahnhof, in einem riesigen Bau von 1929, den die Roten Khmer 1975 bis 1979 angeblich als Lager für ihren Stockfisch benutzten, bis sich die Raffles-Luxushotelgruppe erbarmte und "Das Königliche" 1997 für eine andere Kundschaft in Betrieb nahm, die der gelbgestrichenen kolonialen Pracht eine angemessenere Wertschätzung entgegenbringt.  &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Nicht nur die Touristen sind dabei, sondern vor allem auch die Einwohner von Phnom Penh, als es heisst: „Heraus, heraus zum 5. Mai!“ Auf der großen Freifläche zwischen Königspalast und Nationalmuseum findet an diesem Tag das königliche Pflügen statt, an dessen Ende die Hofwahrsager dem geneigten Publikum hier und daheim am Fernsehschirm (letzteres ist witterungsbedingt die Mehrheit) mitteilen werden, ob’s ein gutes Jahr für die Landwirtschaft und ein friedliches für die Nation werden wird. Wer gedacht hat, er könne den aktuellen König, Norodom Sihamoni den Ersten, daselbst hinter dem Pflug einherschreiten sehen in goldenem Ornat und fast-rembrandtschen Helm über den Ohren, wird bitter enttäuscht. Denn was der Kaiser zu Beginn der Feldbestellungszeit im alten China hat höchstpersönlich machen müssen, dafür darf sich der kambodschanische König einen Prinzen bestellen. So hat es heuer fürs Ritual den Prinzen Norodom Singharat und seine Gattin erwischt. Dabei ist eigentlich völlig schnurz, wer da pflügt: Denn hier bestimmen die Ochsen, wie das Jahr wird. Aber der Reihe nach.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich kämpfe am Rand des Feldes für die Pflügeaktion um meinen Stehplatz. Dabei bin ich früh gekommen, es ist erst kurz nach 8 Uhr, und ich bin schon leicht apathisch hinter meinen schweißverklebten Brillengläsern und in der bereits wässerigen Ober- und eben solcher Unterbekleidung. So kann ich die kleinen Drängler und die größeren Vorbeischieber nicht abwehren, bis sie alle an mir wie an der goldenen Gans kleben, denn weiter nach vorn schieben wir uns nicht: Das Feld ist abgesperrt. Es hat etwas Schulhofmäßiges und erinnert mich an die nachmittäglichen Grundschul-Sportstunden mit 50-Meterlauf und Völkerball, allerdings mit viel mehr Theaterkostüm und weit über der Hitzefrei-Marke. Die Prozession ist schon im Gange mit drei Ochsengespannen zu jeweils zwei Ochsen, die Hörner mit rote Mützchen verziert und die Rücken in goldener Seide verhüllt, und diversem Personal, in märchenhafter Verkleidung hinterherschreitend. Wie im Märchenspiel ist der Pflug eine Attrappe, die nur Schleifspuren im Erdreich hinterlässt. Doch möchte ich mit dem Pflügeprinzen nicht tauschen. Wenn schon das einfache Stillstehen in leichter Sommermontur eine schweisstreibende Prozedur ist ... Hinter den Ochsen und dem Pflug und dem Prinzengemahl läuft die prinzliche Ehefrau, die so tut, als würde sie aus ihrer goldenen Schale ein bisschen aussäen, vorrangig und allzu deutlich sichtbar aber damit beschäftigt ist, ihre goldenen Slipper nicht im Sand zu verlieren, der zwar ungepflügt, aber von den vielen Ochsenrunden zur Pantoffelunpassierbarkeit verwandelt worden ist. Sie hat sicher Stunden beim Friseur für die 60er Jahre-Turmbau-Frisur zugebracht – und jetzt muss sie einfach nur Haltung bewahren, das Staatsfernsehen sieht alles.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Dagegen latschen die Hofwahrsager einfach nur hinter dem Pflug her, die Bäuche in den losen Tüchern nur mühevoll versteckt, wohl eher genervt als geehrt durch diese Prozedur. Und sie sind – egal, was meine Khmerlehrerin mir erzählt – keine buddhistischen Mönche. Indischer kann man nicht einmal in Indien aussehen in weißem Gewand über der Leibesfülle und das spärliche Haupthaar zu einem hübschen Dutt aufgesteckt. In Angkor zieren ihre Berufsvorfahren, in Stein geschlagen, viele Wände der Tempel, die Shiva, Brahma oder Vishnu gewidmet waren, bevor das Land sich endgültig – aber wohl nicht hundertprozentig – dem Buddhismus zuwandte. Indisches hat gut in Kambodscha überlebt, angefangen von den zierlichen weißen Kühen (die hier allerdings vor dem Metzger nicht sicher sind) bis hin zu den heiligen Sprachen Pali und Sanskrit, in denen auch heute noch die buddhistischen  Mönche zu lesen und zu schreiben ausgebildet werden. Lesen muss heute niemand. Es ist Aufgabe der Hofwahrsager, sich einen Reim auf das zu machen, was die Ochsen ihnen vorgefuttert haben: Denn die bestimmen die Zukunft durch die Wahl der Speisen und Getränke, die man ihnen nach der Pflügezeremonie vorsetzt. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Bis zur Ochsenfütterung und Wahrsagerei halte ich es vor Ort nicht mehr aus. In Abwandlung des ach so wahren Liedes über die englische Kolonialignoranz, des berühmten „Mad Dogs and Englishmen“, aktualisiere ich den Refrain zu „Mad dogs and German girls go out in the midday sun“ (obwohl es noch nicht einmal 10 Uhr ist) und erlaube mir, bevor mich Hitzschlag und/oder Wahnsinn dahinraffen, die Flucht zu einem Eiskaffee. Ich lese das Verdikt der Wahrsager am nächsten Tag in den „Asia Pacific News“: „Zwei schokoladenbraune Ochsen durften von sieben Schüsseln wählen – Gras, Wasser, Wein, Mais, Reis, Bohnen und Sesam standen zur Verfügung. Einer verweigerte alles, der andere fraß 45 % der Maisration, bevor auch er den Schüsseln den Rücken zudrehte.“ Selbst ein Wahrsage-Laie wie ich erkennt darin ein schlechtes Omen, und so soll das Bauernjahr nun werden: Maisbauern werden eine durchschnittliche Ernte erwarten können, allerdings sieht es für den Reis nicht gut aus – an Regen wird es mangeln, das ist schlecht für den kambodschanischen Nassreisanbau. Hätten die Ochsen bloß etwas getrunken ... Doch nicht den Wein – denn wenn die Ochsen sich besaufen, dann gibt es Krieg! Dass es den nicht geben wird, ist mal wieder ein Grund zum Feiern.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Und schon am 14. Mai geht es weiter mit den Festen. Da gibt der König seinen Untertanen zu seinem 54. Geburtstag drei Tage frei. Wie – sagt ihr – den ganzen April im Neujahrsrausch verbringen und im Mai nicht feste arbeiten? Aber was wollt ihr eigentlich – mit Himmelfahrt und Pfingsten ist auch euer Mai ein Wonnemonat, ohne dass ihr einen König habt und ohne dass ihr einen Pflug auch nur von weitem seht. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;  &lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 21. Mai 2007. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-3467317431569681121?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/3467317431569681121'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/3467317431569681121'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2007/05/mai-feste.html' title='Mai-Feste'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64M85DIs1I/AAAAAAAAAWo/PKmZp4L9kR0/s72-c/05_DSCN0776_Mai07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-5111208383664133404</id><published>2007-04-23T19:23:00.002+06:00</published><updated>2009-10-17T05:35:47.732+06:00</updated><title type='text'>Happy New Year!</title><content type='html'>April 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Happy New Year!&lt;br /&gt;Vom unschätzbaren Glück, den Beginn eines neuen Jahres innerhalb von vier Monaten mehrmals feiern zu können.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp1.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64MjZDIs0I/AAAAAAAAAWg/n97Z1GHHS0I/s1600-h/04_DSCN0521_Apr07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64MjZDIs0I/AAAAAAAAAWg/n97Z1GHHS0I/s400/04_DSCN0521_Apr07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165079624799531842" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der April beginnt hier nicht mit Scherzen, sondern mit einem Blick aufs Thermometer: Stetig, mit täglichen Erhöhungen, steigt die Temperatur über die Dreißiggradmarke. Am Monatsende wird sie sich bei vierzig eingerichtet haben, und danach kommt endlich der erfrischende Regen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Aber es ist nicht die Hitze, die meine Kursteilnehmer glasig gucken lässt und sie in eine Dauer-Lächel-Starre (bei zeitweisem Absinken des Kopfes auf Brusthöhe und ausgedehntem Gähnverhalten des gesamten Körpers) versetzt. I wo, die kamboschanischen Rechnungsprüferkollegen sind einfach nur müde. Das Neujahrsfest der Khmer-Nation kündigt sich mit vielfältiger Feierei an, und nur ein ahnungsloser ausländischer Berater wie ich kann so vermessen sein,  in der 2. Aprilwoche effizient und effektiv arbeiten zu wollen. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Als sich am Donnerstagvormittag das Gebäude geleert hat, um sich am späten Nachmittag wieder zu füllen mit lauter Damen  in den besten weißen Blusen (viel Spitze, noch mehr Perlenstickerei) und Herren in frisch gebügelten weißen Hemden, bleibt es auch mir nicht verborgen: Eine Feierstunde steht an – und ich bin mal wieder zu bunt angezogen ... &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Auf der Tribüne in unserer Aula sitzen vier Mönche auf dem Perserteppich und gucken zwischen Blumenarrangements entrückt-desinteressiert zu uns herab. Zunächst einmal haben sie nichts zu tun, weil die ersten Gebete von einem Laienbruder gesprochen werden, der in ehrfürchtiger Haltung rechts vor ihnen kniet. Da ein Laie eben kein Mönch ist, trägt der freundliche alte Herr ein weißes Hemd. Die orangefarbene Kutte und der pflegeleichte Totalhaarschnitt sind seinen Begleitern vorbehalten, die sich schon bald mittels schnurlosem Mikrofon dem Neujahrsglückwunsch-Singsang anschließen. Aber dies wäre nicht Kambodscha ohne huld- und segensvolle Bewässerung zum Schluss: Mit einem Palmenwedel und mehr oder weniger wohldosiert besprüht uns der älteste Mönch mit dem nicht immer willkommenen Nass aus einer Bronzeschale (Wimperntusche – aufgepasst!), während die anderen Mönche Jasminknospen auf uns herabregnen lassen, auf dass es ein gutes Khmer-Jahr werde. So kann ich in Kambodscha zum dritten Mal gut vorbereitet in ein neues Jahr rutschen. Allerdings muss ich zum punktgenauen Rutschen noch bis Sonnabend (14. April, 12.48 Uhr) warten. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der exakte Beginn des Khmer-Jahres lässt sich astronomisch berechnen und findet regelmäßig um den 13. April herum statt, wenn die Sonne in das Sternbild des Widders eintritt (genauer: wenn Erde, Sonne und der Stern Chitra in diesem Sternbild auf einer Linie stehen – habe ich gelesen, denn meinen Khmer-Bekannten fehlt dafür die Neugier). Für die Khmer ist das der Zeitpunkt, in dem ein neuer Gott die Herrschaft übernimmt und damit ein neuer Zeitabschnitt, also ein neues Jahr, beginnt. Wie das funktioniert, habe ich auch recherchiert und werde es an anderer Stelle erzählen. Jedenfalls zeigt sich wieder einmal die wunderbare Toleranz des Buddhismus, denn seine Mönche haben keinerlei Problem, einer jährlich wechselnden nicht-buddhistischen Gottheit die Segnungen ihres Meisters zu übermitteln. Und die Khmer-Zeitrechnung richtet sich trotzdem nach Buddhas Geburtstag: Wir schreiben heuer das Jahr 2551. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wie in China macht sich auch hier zum Neujahrsfest die ganze Nation auf die Beine, um in den Heimatdörfern mit den Verwandten die Feierei fortzusetzen, die schon am Arbeitsplatz (siehe oben) ihre Auswirkungen zeigte. Die Preise für Hotels und Taxis steigen kurzfristig heftig an, damit auch jeder etwas von den Festtagen hat, und die meisten Geschäfte machen ein paar Tage zu.&lt;br /&gt;&lt;p&gt; &lt;br /&gt;Relativ kurz dagegen wird das sog. Internationale Neujahr gefeiert. Ich bin kaum aus dem Flieger auf den Pochentong Airport geklettert, da ist das Jahr 2006 (eines von meinen ganz spannenden) schon fast beendet. Ich finde mich wieder unter den lichterkettengeschmückten, duftenden Frangipani-Bäumen in einem Gartenrestaurant mit dem passenden Namen „Elsewhere“ („Woanders“), um mich herum Menschen in leichter Sommerkleidung, und jemand zählt die letzten Sekunden des 31. Dezember. Es weht eine leichte Brise, über mir breitet der Himmel seine Sterne aus – und dann beginnt der 1. Januar 2007, Neujahr nach dem Gregorianischen Kalender. Diesen Kalender und unsere Zeitrechnung (die wir so gern für die einzige und einzig richtige halten) verdanken wir einem Dekret von Papst Gregor XIII vom 24. Februar 1582, der die zeitliche Konfusion um das Osterfest beenden will und außerdem präzise wie ein guter Gynäkologe – wenn auch mit dem großen Vorteil der Nachträglichkeit - den Geburtstag von Jesus, dem Christus, festsetzt. Im „Elsewhere“ ist mir noch nicht klar, dass mich sehr bald Kalender und Jahresanfänge heftig interessieren  werden: In Kambodscha kann man einfach den vielen Neujahrsgelegenheiten nicht entgehen.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Als an den Geschäften der vielen Sino-Khmer und bei den China-Restaurants die Hundebilder gegen Schweinchenposter ausgetauscht werden und offene Lastwagen mit fröhlichen Jungs in Löwentanz-Kostümen durch die Stadt fahren, weiss ich: Gleich ist der 18. Februar und damit Frühlingsfest-Chinesisch-Neujahr. Den Kalender verdanken die Chinesen ihrem legendären Gelben Kaiser, der ihn in seinem 61. Regierungsjahr einführte, was nach unserer Zeitrechnung im Jahr 2637 v. Chr. stattfand. Wie man auf dieses Datum gekommen ist -  da sich doch die Existenz eines legendären Kaisers so gut wie gar nicht verbürgen lässt, weder überhaupt noch historisch annähernd exakt -, weiß ich nun auch nicht. Jedenfalls behaupten die Chinesen ganz einfach, dass sie dem Gebot des Kaisers folgend ihr Neujahrsfest als Beginn des Frühlings am 1. Tag des Frühlingsneumondes zu feiern haben. Für eine kontinuierliche Jahreszählung hat das nicht gereicht, weil mit dem Regierungsantritt eines jeden neuen Kaisers das Jahr 1 begann. Erst nach dem Abdanken von Pu Yi    übernahm China 1912 in Ermangelung eines neuen Kaisers die gregorianische Jahreszählung.  &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Dafür ist der Buddha höchstpersönlich zuständig für die Reihenfolge der tierischen Regentschaft über das chinesische Jahr. Die Erklärung geht wie folgt: Als er sein Ende nahen fühlte, lud er die Tiere ein, von ihm Abschied zu nehmen. Nur zwölf nahmen das Angebot wahr. In Anerkennung dafür benannte der Buddha die Jahre nach den Tieren in der Reihenfolge ihres Erscheinens: Ratte, Rind, Tiger, Hase, Drachen, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund, Schwein. Und 2007 soll nun schweinisch gut werden: Das Schwein gilt als das von allen glücklichste Viech. Dass es auch über den Khmer-Kalender regiert (mit einer gewissen Unschärfe zwischen den beiden unterschiedlich gelagerten Neujahrsfesten – denn da war noch Khmer-Hundejahr, als längst schon Chinesen-Schweinejahr begonnen hatte), ist eine von den vielen wundersamen China-Einflüssen im Land der Khmer.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wenn der Wind es will und der Mopedlärm es nicht verunmöglicht, höre ich von meiner Wohnung aus den Muezzin. Doch wo ist sein Arbeitsplatz?  Bei einem Spaziergang zum Boeng Kak-See, der gerade viel in der Zeitung steht, weil er zugeschüttet werden soll und die Stadtverwaltung in Verdacht steht, sich mit einer undurchsichtigen Immobilienfirma zu noch undurchsichtigeren Bauspekulationen verbandelt zu haben, treffe ich auf eine Moschee mit riesiger goldener Kuppel. Die muslimische Gemeinde bekam das Land 1969 von König Sihanouk und baute darauf  ihre „International Dubai Mosque“. Von den ca. 14 Millionen Kambodschanern gehören etwas über eine halbe Million der ethnischen Minderheit der Cham an, die keine Buddhisten, sondern Muslime sind. Und auch sie feiern Neujahr.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Im 6. Jahrhundert (unserer Zeitrechnung) entdeckt ein junger Mann aus Mekka, dass es gar nicht viele arabische Götter, sondern nur einen, Allah, gibt und dass er sein Prophet ist. Das ist der Klerikerkaste seiner Heimatstadt nicht geheuer, und so flieht Mohammed schließlich mit seinen Anhängern nach Medina, um ihren Anfeindungen zu entgehen. Wir nennen dieses Datum den 16. Juli 622 n. Chr. Für die Muslime beginnt mit dieser Flucht, als „Hijra“ (latinisiert „Hegira“) bezeichnet, der islamische Kalender, der sich mit „A.H.“ (für „Anno Hegirae“) von unserem „A.D.“ („Anno Domini“) unterscheidet. Da ich nicht aufgepasst habe auf den islamischen Kalender – bei all den anderen Jahresanfängen -, werde ich mir den 10. Januar 2008 vormerken: Das ist der 1. Muharram 1429 A.H. und das muslimische Neujahrsfest. Wer will nicht schon gern viermal Neujahr feiern – innerhalb von vier Monaten! &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 23. April 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-5111208383664133404?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/5111208383664133404'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/5111208383664133404'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2007/04/happy-new-year.html' title='Happy New Year!'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64MjZDIs0I/AAAAAAAAAWg/n97Z1GHHS0I/s72-c/04_DSCN0521_Apr07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-2360545753354835553</id><published>2007-03-27T20:16:00.002+06:00</published><updated>2009-10-17T05:36:24.629+06:00</updated><title type='text'>Was wäre, wenn ...</title><content type='html'>März 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Was wäre, wenn ... ich in Kambodscha geboren wäre.&lt;br /&gt;Eine Geschichtsstunde aus Anlass meines Geburtstages.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64MH5DIszI/AAAAAAAAAWY/b7UTHyqDY2w/s1600-h/03_DSCN9884_Mar07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64MH5DIszI/AAAAAAAAAWY/b7UTHyqDY2w/s400/03_DSCN9884_Mar07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165079152353129266" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ich sitze im Bus, der mich von Siem Reap nach Phnom Penh zurückbringt. Die Nationalstraße Nr. 6 ist inzwischen eine gut befahrbare Landstraße, auf der ich nach einem Ausflug zu den Tempeln von Angkor nach Hause gebracht werde. Es war ein aufregendes Wochenende. Ich habe noch den Schrecken in den Gliedern, wie mich ein Gewitter mit krachenden Blitzen und unmittelbar nachfolgenden Donnerschlägen eine halbe Stunde in einer halbverfallenen Galerie des Tempels Ta Prohm festhält und wie sich die roten Staubwege vor meinen Augen in Schlammseen verwandeln. Ich fühle noch den Zauber, den das Gesichtchen der Steingottheit verbreitet, das die Wurzeln eines Riesenbaumes von ihrer Überwucherungsaktion auf den Tempelmauern ausnahmen und dem vor 800 Jahren ein jetzt namenloser Steinmetz das zeitlose Lächeln schenkte.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Fahrt für die cirka 300 Kilometer zur Hauptstadt dauert sechs Stunden. An mir vorbei ziehen endlos Holzhäuser auf Stelzen, dahinter ausgetrocknete Reisfelder, hier und da 20 Meter hohe Zuckerpalmen, hier und da entenhütende Kinder, Wasserbüffel, Zeburinder. Wenn ich in Kambodscha geboren wäre, würde ich das alles aus meiner Kindheit kennen. Mein Leben wäre geprägt vom Reisanbau-Zyklus Trockenzeit (November bis April) und Regenfall (Mai bis Oktober), wenn ich als Bauernkind auf dem Land groß geworden wäre, und von der Möglichkeit, eine mehr oder weniger gute Ausbildung zu bekommen, wenn meine Eltern in der Stadt gelebt hätten. Am Ende des 2. Weltkrieges besaß Kambodscha keine Universität und nur eine Oberschule.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Zu meiner Geburt 1952 sind die Franzosen noch/wieder Herren des Landes, nach einem kurzen Interregnum der Japaner 1942-1945. Kambodscha ist Teil von «Indochine», bestehend aus Vietnam, Kambodscha und Laos. Aber die Herrschaft der Franzosen, die mit einem Protektoratsvertrag mit König Norodom 1863 begann, ist längst heftig erschüttert. 1952 kontrollieren kommunistisch orientierte Guerillas mit Hilfe der vietnamesischen Freiheitskämpfer Vietminh 1/6 des kambodschanischen Staatsgebietes (siehe David Chandler, „A History of Cambodia“, 2. Aufl., 1996, S. 180). Unterschiedliche Fraktionen von Bewaffneten, die im Namen der Nation, des Königs, eines Generals oder auf eigene Rechnung operieren, werden das Land auch nach scheinbaren Befriedungen bis zum Ende des 20. Jahrhunderts nicht zur Ruhe kommen lassen. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Am 9. November 1953, als ich mich an den ersten Worten wie  „Wustersum“ (für Luftballon) und „Mimi“ (statt Helga) versuche, erklärt König Sihanouk für sein Land die Unabhängigkeit von Frankreich. Mit Stolz weist er immer wieder darauf hin, dass Vietnam die französische Kolonialherrschaft erst ein halbes Jahr später (mit dem Sieg über die französischen Truppen bei Dien Bien Phu) abschütteln kann. Im Mai 1954 beendet die Genfer Konferenz den französischen Traum vom Imperium in Südostasien endgültig. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Für Kambodscha beginnt eine wechselhafte Zeit. Das Land ändert nicht nur seine Verfasstheit und seine Verfassung in kurzen Abständen, sondern – für die Ausländer - auch seinen Namen. „Kambodscha“ und „Kampuchea“ sind auf kambodschanisch ein und dasselbe, es bezeichnet das Land der Kambodschaner, die sich selbst Khmer nennen. Die Bezeichnung „Kambodscha/Kampuchea“ wird nach einer Gelehrtenauffassung abgeleitet von „Kambuja“, das selbst kein Ausdruck der Khmer-Sprache ist, sondern aus dem Sanskrit stammt und für einen Stamm in Nord-Indien verwendet wurde (siehe Serge Thion, „Watching Cambodia. Ten Paths to Enter the Cambodian Triangle“, 1993, S. 236). „Kambu“ bedeutet nach dieser Meinung „Dieb“, denn der nordindische Stamm soll ein Piratenclan gewesen sein. Andere Ethymologen behaupten, „Kambu“ sei einfach nur ein männlicher Vorname, und ein gewisser Kambu habe das kambodschanische Reich in grauer Vorzeit gegründet (siehe „Lonely Planet – Cambodia“, 2005, S. 36). Sei es drum -  die Kambodschaner benutzen ohnehin lieber eine andere Bezeichnung für ihre Heimat: „srok khmer“, „Land der Khmer“.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Diese politischen Systeme hätte ich also nach der Unabhängigkeit meines Khmer-Landes erlebt:&lt;br /&gt;1953 – 1970 Königreich Kambodscha&lt;br /&gt;1970 – 1975 Republik der Khmer&lt;br /&gt;1975 – 1979 Demokratisches Kampuchea&lt;br /&gt;1979 – 1989 Volksrepublik Kampuchea&lt;br /&gt;1989 – 1993 Staat Kambodscha&lt;br /&gt;ab 1993 Königreich Kambodscha&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Sihanouk ist eine schillernde Figur, der seine Untertanen „Kinder“ nennt, aus dem Staatssäckel die Produktion von Filmen finanziert (mit sich in der Hauptrolle, natürlich als König), der einer kleinen kommunistischen Guerillatruppe, mit der er später paktieren und die er dann bekämpfen wird, den Spitznamen „Rote Khmer“ gibt, der mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Zhou Enlai befreundet ist, der sich mit nordkoreanischen Leibgarden umgibt und der das Land regiert wie seinen Privathaushalt. Er hat Freude an politischen Entscheidungen, aber keine Freude an der Vorstellung, sein Land in einen modernen Rechtsstaat zu verwandeln. Und dennoch würde ich mich an meine kambodschanische Kindheit und Jugend in den 60er Jahren als ein goldenes Zeitalter erinnern, golden in Vergleich zu dem, was danach kommt. 1970 wird Sihanouk abgesetzt, von einem General, Lon Nol, dem er selbst zu diesem Posten verholfen hat.   &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In diesem Jahr wird das kleine Kambodscha endgültig in den Krieg hineingezogen, den seine östlichen Nachbarn, die beiden Vietnam gegeneinander und mit den USA bzw. gegen die USA führen. Am 30. April marschieren amerikanische und südvietnamensische Truppen ein: Der sog. Ho Chi Minh-Pfad, auf dem die Vietcong ihren Nachschub organisieren, führt zu über einem Drittel durch kambodschanisches Gelände. In der Folge entladen amerikanische B-52 ihre tödliche Fracht auch hier. Es wird vermutet, dass mehr als 250.000 kambodschanische Zivilisten dabei getötet werden. Die kambodschanische Regierung gewährt keinen Schutz, Hilfsmittel kommen vielfach nicht bei den Adressaten an, Korruption ist allgegenwärtig. Immer mehr Zivilisten und Soldaten fliehen, auch in die Wälder, viele zu den Kämpfern der Roten Khmer. Sihanouk, inzwischen im chinesischen Exil, fordert seine „Kinder“ über Radio Beijing dazu auf. Wer kann, geht weg aus Kambodscha. Lon Nol befragt für seine Regierungsgeschäfte Wahrsager und Sterndeuter, seine Soldaten sollen sich mit buddhistischen Amuletten vor gegnerischen Kugeln schützen, denn ihre Ausrüstung vertickern die Offiziere auf dem schwarzen Markt (siehe Haing Ngor, „Survival in the Killing Fields“, 1989, S. 48). Inzwischen sind die Seiten unklar, das Land befindet sich im Bürgerkrieg. Zwei Wochen vor dem Fall von Saigon hat sich Lon Nol bereits ins Ausland abgesetzt, die Roten Khmer stehen vor der Hauptstadt. Im April 1975 erhoffen sich viele von ihrem Einmarsch endlich Frieden, ein Ende des Mordens.   &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Was aus mir unter dem Regime der Roten Khmer geworden wäre, vermag ich mir nicht vorzustellen. Viele in meinem Alter gingen anfänglich als idealistische Teenager in den «maquis», den Untergrund, zu den Roten Khmer. Dann übernahmen sie die Macht. Bis heute zeigen sich die Spuren dieser Herrschaft überall, selbst dem Touristenblick: Wer seine Intellektuellen-Schicht ausrottet, wer Wissen und Bildung gleichsetzt mit Angst vor Folter und Ermordung, wer Familien in einem traditionell familienbetonten Land zerreißt, wer Tempel niederbrennt und Mönche erschlägt, der hindert Normalität und Entwicklung seines Landes in unvorstellbarer Weise für unabsehbare Zeit. Denn er zerstört die Seele des Volkes, das Vertrauen in die eigene Kraft, die Liebe zum Leben, die Hoffnung auf die Zukunft. Die Nachgeborenen wachsen zwar ohne entsprechende Erfahrungen heran; aber niemand weiß, in welcher Form die Elterngeneration das Erlebte und Erlittene weitergibt. Und an Fachkräften fehlt es noch überall. Bis heute ist in Kambodscha nur ein gebürtiger Kambodschaner als Röntgenassistent tätig. Er machte seine Ausbildung in Deutschland und ist im Rahmen deutscher Entwicklungshilfe zurückgekehrt, um Landsleute auszubilden: Kambodscha hat inzwischen zwar Röntgengeräte, aber keine Menschen, die sie zu bedienen wissen. &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Wie schwer es ist mit dem Frieden und dem Wiederaufbau in Kambodscha,  zeigen die beiden Jahrzehnte nach der Befreiung von den Roten Khmer. Am 7. Januar 1979 marschieren vietnamesische Truppen mit kambodschanischer Unterstützung in Phnom Penh ein. Dabei ist ein ehemaliger Kämpfer der Roten Khmer, mit dem ich in dieselbe Grundschulklasse hätte gehen können, denn er ist nur zwei Wochen jünger als ich (siehe Harish C.  &amp; Julie B. Mehta, „Hun Sen. Strongman of Cambodia“, 1999, Vorwort xxii und S. 74). Hun Sen wird zunächst Außenminister der neu gebildeten Regierung, dann Premierminister. Die Roten Khmer sind übrigens als Organisation offiziell bis 1996 im Land aktiv. 1989 packen die letzten vietnamesischen Regierungsberater ihre Koffer. Hun Sen ist jetzt Regierungschef im Staat Kambodscha.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen vom Mai 1993 werden von der UNO überwacht. Der Einsatz der UNTAC (UN Transitional Authority in Cambodia) ist der bis zum heutigen Tag teuerste und umstrittenste Job einer Blauhelmtruppe. Hun Sen schafft es mit seiner Partei CPP (Cambodian People's Party) nicht auf den ersten Platz. Der Posten des Premierministers, der eigentlich dem Wahlsieger Prinz Ranariddh gebührt, wird um des lieben Friedens willen „geteilt“. Für kurze Zeit ist Hun Sen zweiter Premierminister, ein erstaunlicher Vorgang, der aber nur bis 1997 anhält und auf kambodschanische Art mit Waffengewalt geregelt wird. Den Posten des Premierministers hat Hun Sen inzwischen wieder ganz allein für sich und so lieb gewonnen, dass er jüngst in der Tageszeitung „The Cambodia Daily“ verkündete, er wolle das Amt frühestens nach Vollendung des 90. Lebensjahres aufgeben. Da stört es auch nicht weiter, dass Kambodscha wieder Monarchie geworden ist. Der neue König, Sihamonie, ist ein Jahr jünger als ich, und aus verschiedenen Gründen hätten wir sicher nie miteinander gespielt. Aber wer weiss. Welcome to Cambodia.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 26. März 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-2360545753354835553?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/2360545753354835553'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/2360545753354835553'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2007/03/was-wre-wenn-ich-in-kambodscha-geboren.html' title='Was wäre, wenn ...'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp3.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64MH5DIszI/AAAAAAAAAWY/b7UTHyqDY2w/s72-c/03_DSCN9884_Mar07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-212706576571767218</id><published>2007-02-22T22:21:00.002+06:00</published><updated>2009-10-17T05:36:55.441+06:00</updated><title type='text'>Über den Dächern von Phnom Penh</title><content type='html'>Februar 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Über den Dächern von Phnom Penh.&lt;br /&gt;Ich lebe mich ein und teile.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp1.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64LrZDIsyI/AAAAAAAAAWQ/EDbhQYUlgcI/s1600-h/02_DSCN9855_Feb07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://bp1.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64LrZDIsyI/AAAAAAAAAWQ/EDbhQYUlgcI/s400/02_DSCN9855_Feb07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165078662726857506" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Hurra, denke ich am 7. Februar. Eine Woche Verspätung zwar, aber die Bauarbeiten sind endlich abgeschlossen, der Lack auf den Dielen getrocknet und die pompösen rot-weissen Ledersessel vor dem Fernseher in Positur gestellt. Ich habe ein eigenes Heim, mit traumhaftem Blick auf die Stadt, die sich noch keine Wolkenkratzer leistet und für die ein sechsstöckiger Bau wie meiner im Sinne des Wortes ein “Hochhaus” ist. Dass die Mopeds an Schlaflosigkeit leiden und besonders gut von oben in ihrem Dauerbetrieb zu hören sind, dass die Stadt auch des Nachts voller krähender Hähne (!) und jaulender Hunde ist und dass Hochzeitsmusikanten für die mehrtägige Feierlichkeit in der Nebenstraße natürlich vor Sonnenaufgang proben müssen (präzise: um 4 Uhr und 30 Minuten), wird mir erst später auffallen. Da die Freude über das neue Zuhause alles überwiegt, baue ich es nicht zum “castle” um. Das rächt sich jetzt. Jedenfalls habe ich nun zahlreiche Mitbewohner, die weder Miete zahlen noch einkaufen gehen – statt dessen sitzen sie mit am Frühstückstisch und fallen mir dutzendweise in die Nudelsuppe. Meine deutschen Apfelkekse sind ihrer Gefräßigkeit bereits anheimgefallen. Die eiserne Reserve ist nun dahin, und ich werde ab sofort zur Dauer-Reis-und-Nudel-Esserin mutieren. Gegen letzteres habe ich ja nix. Aber dass ich meine Wohnung mit mehreren Armeen von chitinpanzergewappneten Mini-Monstern zu teilen habe, die es geschafft haben, mir keinen Krümelweit auszuweichen und trotz bester Ernährung durch deutschen Direktimport weiter feste in meine weissen Arme und Waden zwacken, finde ich denn doch ziemlich unerfreulich. Dabei wollte ich gerade ertesten, ob ich mich schon auf dem buddhistischen Pfad geradeaus bewegen kann.  "Respektiere jedes Lebewesen." Ich glaube, ich komme auf diesen Pfad erst nach einem kleinen Exkurs über den Ameisenweg auf meinem Holzfußboden zurück.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Völlig unfreiwillig mache ich also regelmäßig den “Justin O. Schmidt-Test” und komme bisher immer wieder auf das gleiche Ergebnis, nämlich Nr. 2 auf seiner Skala. Die Erklärung zu diesem Vorgang geht wie folgt:&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;In Europa gibt es 180 Arten von Ameisen, in Asien 2.080. Von den 2.080 asiatischen Arten hat sich eine meine Wohnung als Siedlungsort und Wirkungskreis auserkoren. Dabei kann ich Ameisen – wie auch viele andere Insekten – so gar nicht leiden, jedenfalls nicht auf meiner Nasenspitze und nicht auf meiner Gabel. Es gibt nur eine einzige Ameise, die ich jemals prima fand, und die war nicht einmal eine echte: Woody Allen als Ameise Z im einzig wahren Insektenfilm (“Antz”, 1998). Z wuchs mir wegen ihrer nachvollziehbaren Neurotisierung in Folge mütterliche Vernachlässigung ans Herz. Wie traurig das aus ihrem Mund klingt: “Wenn man das mittlere Kind ist in einer Familie von fünf Millionen, bekommt man nie die Zuwendung, die man braucht.”  Meine Ameisen bekommen jetzt alle Zuwendung, die sie brauchen, auch wenn die recht handfest ist und für mich ein schlechtes Karma anhäuft. Ich mag einfach nicht bekrabbelt und angeknabbert werden, noch dazu von intakten, kinderreichen Familienverbänden, wenn auch vielleicht nicht gleich von fünf Millionen. Und das bringt uns nun geradewegs zu Herrn Justin O. Schmidt.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Justin O. Schmidt ist Insektenforscher mit einer professionellen Leidenschaft, ganz und gar im Sinne des Wortes: Er ist auf Insektenbisse spezialisiert. So haben ihn  nach eigenen Angaben fast alle Sorten von Bienen, Wespen und Ameisen gebissen. Er ließ es zu, für die Wissenschaft. Seine schmerzhaften Erfahrungen machte er aber auch für andere nutz- und nachfühlbar, indem er einen Schmerzindikator erfand, den “Schmidt Sting Pain Index”. 150 verschiedene Insektenarten sind von ihm nach Bissintensität und Schmerzempfindungen katalogisiert worden. Auf der Skala (die sich von schwach bis intensiv steigert) rangiert die Schweiß-Biene (“sweat bee”) unter Nr. 1. Justin O. Schmidt beschreibt den Biss als “leicht und fruchtig”, was mich eher an einen Wein aus dem Veneto erinnert. Weiter stellt er fest, der Biss erinnere ihn an “einen Funken, der ein einzelnes Haar auf dem Oberarm verbrennt”. Zur Sache geht es mit dem Biss der Pistolenkugel-Ameise (“bullet ant”, nomen est omen), der auf der Skala eine Nr. 4 erhält: “ein deutlicher, intensiver, klarer Schmerz, als würde man über brennende Kohlen mit einem 5 cm langen Nagel im Hacken laufen”. Wer will das schon ... Meine kleinen Biester geben mir reichlich Gelegenheit, ihre Bissleistung zu benoten. Bisher stufe ich sie zwischen Nr. 1 und Nr. 2 ein. Seit heute morgen teile ich mein Zuhause mit einem weiteren Gast, der sich vielleicht diätmäßig für Ameisenfleisch interessiert: Ein kleiner Gecko macht seine Erkundungsrunde über die Stuckdecke im Wohnzimmer.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ameisengift soll aber auch seine guten Effekte haben, so sagt man jedenfalls. Und vielleicht bin ich dank dem Ameisengift angereicherten Blut so vergnügt bei meiner Arbeit. Mein erster Workshop lief nach meiner Einschätzung recht gut. “How To Ask Questions The Smart Way. Interviewing Techniques For Auditors” heißt er. Meine Workshop-Teilnehmer hatten es nicht so mit dem Fragen (aktive Mitarbeit ist hier unbeliebt), versicherten mir aber, dass sie viel gelernt zu haben glaubten und gern weiter an meinen Rechnungssprüfungsweiterbildungsveranstaltungen (ha – was für ein schönes deutsches Wort - und das ist genau das, was ich hier veranstalte, bloß auf englisch, wo es einfach “audit training” heißt) teilnehmen würden. Ich war sehr erfreut über die überwiegend positive Resonanz. Die Workshop-Teilnehmer füllten artig, anonym und sehr ausführlich ihre Bewertungsbögen aus. Allerdings wurde ich beim Durchschauen der Bögen doch etwas nachdenklich. Denn unter der Rubrik: “Welche Trainings würden Sie gern in der nächsten Zeit bei mir absolvieren?” hatten zwei geschrieben: “Ich möchte gern lernen, wie ich Fragen auf eine smarte Art und Weise stellen kann.” &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 21. Februar 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-212706576571767218?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/212706576571767218'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/212706576571767218'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2007/02/ber-den-dchern-von-phnom-penh.html' title='Über den Dächern von Phnom Penh'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp1.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64LrZDIsyI/AAAAAAAAAWQ/EDbhQYUlgcI/s72-c/02_DSCN9855_Feb07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7056560207122606461.post-3363542867866438601</id><published>2007-01-28T22:02:00.002+06:00</published><updated>2009-10-17T05:37:42.211+06:00</updated><title type='text'>Alain Delon für Raucher</title><content type='html'>Januar 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Alain Delon für Raucher und die Mondsichel auf dem Rücken.&lt;br /&gt;Erste Eindrücke aus dem Königreich Kambodscha.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp2.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64LUpDIsxI/AAAAAAAAAWI/XcTzfWLaEz4/s1600-h/01_DSCN0367_Jan07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg"&gt;&lt;img style="cursor: pointer;" src="http://bp2.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64LUpDIsxI/AAAAAAAAAWI/XcTzfWLaEz4/s400/01_DSCN0367_Jan07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165078271884833554" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der amerikanische Geheimdienst CIA (Central Investigation Agency) gibt ein “World Factbook” heraus, das über die Länder unseres Erdballes allerlei nützliche Informationen bereithält. Es ist auf dem Internet einsehbar und wurde zuletzt am 27. Januar 2007 aktualisiert. Über die Bundesrepublik Deutschland steht da zum Beispiel zur Ausdehnung: “kleiner als der US-Bundesstaat Montana” und zur Altersstruktur: “0-15 Jahre: 14,1 %; 15-64 Jahre: 66,4 %; 65 Jahre und älter: 19,4 %”. Sieht man unter “Kambodscha” nach, findet man einen treffenden Größenvergleich mit dem US-Bundesstaat Oklahoma (“nur unwesentlich kleiner”) und eine interessante Altersstruktur (“0-15 Jahre: 35,1 %; 15-64 Jahre: 61 %; 65 Jahre und älter: 3,4 %”). Die durchschnittliche Lebenserwartung wird mit 59,29 Jahren angegeben (für Männer 57,35 und für Frauen 61,32 Jahre), und 73,6 % aller Kambodschaner sollen lesen und schreiben können (84,7 % der Männer und 64,1 % der Frauen). Ungefähr 1,5 Millionen Menschen starben während des Regimes der Roten Khmer – sie wurden ermordet, verhungerten, starben an unbehandelten Krankheiten oder während der Flucht. Das war schätzungsweise 1/4 der damaligen Bevölkerung. Das Regime von Pol Pot begann mit dem Einmarsch in der Hauptstadt Phnom Penh am 17. April 1975 und wurde durch den Einmarsch vietnamesischer Truppen am 7. Januar 1979 beendet. Ich war im März 2001 für 14 Tage als Touristin hier. Jetzt bin ich seit einem Monat wieder in Phnom Penh. Es gibt noch mehr Zahlen zu Kambodscha. Sie machen mich hilflos.   &lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Würde ich noch rauchen, könnte ich mir jetzt zur Nachdenklichkeit eine ”Alain Delon” anstecken. Dass die Anglophilen überall im ehemaligen "Indochine" auf dem Vormarsch sind, muss Alain Delon traurig stimmen. Die Werbung für die Glimmstengel, die nach diesem beliebten französischen Schauspieler benannt sind, an den sich auch deutsche Nicht-Kinogänger wegen seiner Liaison mit Romy Schneider erinnern (das schönste Paar, das je an einem Swimming Pool lagerte), lautet schlicht: "the taste of France" – der Geschmack von Frankreich. Die Werbetafeln sind riesig, und die rote Packung “Alain Delon” ist bei jedem Straßen-Zigarettenhändler zu haben. Erstaunlicherweise wird hier nicht halbwegs soviel geraucht wie in China (denke ich) – und das ist nur der geringste Unterschied zwischen meiner alten und meiner neuen Heimat. Am auffälligsten für mich ist – da das meine Neugier jeden Tag aufs Neue ausbremst – die Kürze der Tage. Wenn ich mein Büro um 18.00 Uhr zuschließen darf, geht die Sonne schon zu Bett. Da bleibt sie dann geschlagene zwölf Stunden – und steht erst wieder mit mir auf. Immerhin kann ich jeden Abend den Mond bewundern. Denn zur Zeit ist hier alles trocken in Kambodscha, keine Regenwolken sind am Himmel, und der Mond ist als Rebus-Rätsel verkleidet. Von meiner Oma habe ich gelernt, den abnehmenden Mond (“schreibt sich die Sichel wie ein A?”) von einem zunehmenden (“... oder wie ein Z?” – natürlich alles auf Sütterlin) zu unterscheiden. Aber hier lag die Sichel einfach auf dem Rücken, wie ein ziemlich breites U. Jetzt mutierte der Mond wieder zur Apfelsinenscheibe, und ich weiss immer noch nicht, wie mir Omas Rat in Kambodscha nützlich wird. Aber schließlich werde ich noch mehr Gelegenheit zur Sterndeutung haben. Den nächsten Sichelmond kann ich hoffentlich aus dem Fenster meiner eigenen kleinen Wohnung betrachten. Die ist nämlich noch nicht bezugsfertig. Sie war bis vor kurzem ¼ eines Dachgartens und besteht jetzt erst aus vier ockerfarbenen Wänden, Türen und Fenster fehlen ihr noch. Schon bald werde ich eine kambodschanische Adresse haben, und alle, alle können mir dann schreiben ...&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Helga aus dem Königreich der Khmer.&lt;br /&gt;Phnom Penh, 28. Januar 2007.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;© Mimi Productions&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7056560207122606461-3363542867866438601?l=ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/3363542867866438601'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7056560207122606461/posts/default/3363542867866438601'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://ausdemkoenigreichderkhmer.blogspot.com/2007/01/alain-delon-fr-raucher.html' title='Alain Delon für Raucher'/><author><name>Karl Peter Muller</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://bp2.blogger.com/_8F32gp6Twg0/R64LUpDIsxI/AAAAAAAAAWI/XcTzfWLaEz4/s72-c/01_DSCN0367_Jan07AllRightsReserved%C2%A9MimiProductionsWatermark.jpg' height='72' width='72'/></entry></feed>
